Wurde Kunstsammler um vier Millionen betrogen?

Prozess am Landgericht: Der angeklagte Auktionator bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.
| John Schneider
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Wehrt sich gegen die Vorwürfe: Karl R. (M.) mit seinen Anwälten Peter Witting (l.) und Steffen Ufer.
Daniel von Loeper Wehrt sich gegen die Vorwürfe: Karl R. (M.) mit seinen Anwälten Peter Witting (l.) und Steffen Ufer.

München - Die Strafanzeige ist ein Fantasieprodukt.“ Anwalt Peter Witting – gemeinsam mit Steffen Ufer Verteidiger von Auktionator Karl R. (43, Namen geändert) – ist offenbar ein Freund klarer Worte.

Die Vorwürfe, den Ingolstädter Geschäftsmann Paul C. (77) mit überhöhten Kaufpreisen für impressionistische Gemälde betrogen zu haben, halten die Verteidiger für nicht haltbar. Die Strafanzeige des Kunstsammlers sei lediglich „Fortsetzung des verlorenen Zivilprozesses“, erklärt Witting zum Prozessauftakt am Donnerstag. „Der Vorwurf des Betruges wird zurückgewiesen.“

Das wird seinem Mandanten vorgeworfen

Als Mitarbeiter eines Münchner Auktionshauses soll Karl R. das Vertrauen des betuchten Textilfabrikanten dazu ausgenutzt haben, um diesem im Jahre 2011 13 Bilder zu stark überhöhten Preisen zu verkaufen. Der Schaden soll fast 4,5 Millionen Euro betragen haben.

Paul C. wollte damals seine Sammlung in eine Familienstiftung einbringen und in einem eigenen Museum zugänglich machen. Der Angeklagte wusste darüber Bescheid und soll dem 77-Jährigen zum vorherigen Ankauf französischer Impressionisten geraten haben. Bei dem Kauf von 13 Bildern über den Angeklagten gab dieser weit überhöhte Preise vor und strich laut Anklage die Differenz zum Marktwert ein.

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Doch der Wert der Bilder ist durchaus umstritten. Verschiedene Gutachten kommen bei der Schätzung zu verschiedenen Ergebnissen.

Mit einem Trick fädelte der Auktionator das Geschäft ein

Laut Anklage soll Karl R. das Geschäft mit einer geschickt platzierten Zeitungsanzeige eingefädelt haben. Der Kunstsammler las die Anzeige, sprach den Kunstexperten seines Vertrauens, Karl R. nämlich, darauf an und R. riet dem Sammler auf die Anzeige zu reagieren. Der 43-Jährige verschwieg, dass er die Anzeige selbst in Auftrag gegeben hatte.

Paul C. berichtet im Zeugenstand, dass sein Sohn misstrauisch wurde und Nachforschungen anstellte. Als dieser herausfand, dass Karl R. seinem Vater Bilder einer anderen Sammlung zu stark überhöhten Preisen verkaufen wollte, kam der Stein ins Rollen. Paul C. strengte zunächst eine Zivilklage an, verlor aber. „Mein Vertrauen war futsch“, sagt der Unternehmer. Karl R. sollte eigentlich Kurator in seinem geplanten Museum werden: „Das war mehr als enttäuschend.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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