Jobverlust am Marienplatz: Wormland entlässt alle Mitarbeitenden

Das Aus für Wormland trifft München im Herzen: Trotz Hilferufen vom Marienplatz ist die Rettung des Traditionshauses gescheitert.
AZ/dpa |
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"Wormland muss bleiben“, fordert ein Transparent am Marienplatz. Der Hilferuf wurde nicht erhört.
"Wormland muss bleiben“, fordert ein Transparent am Marienplatz. Der Hilferuf wurde nicht erhört. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Wer in den vergangenen Wochen am Marienplatz unterwegs war, dem fiel eine Fassade besonders ins Auge: Am großen Eckhaus machte der traditionsreiche Herrenausstatter Wormland auf seine dramatische Lage aufmerksam – mit einem Banner: "Wormland München muss bleiben!“ Nun verhallt der Hilferuf: Die Rettung des insolventen Unternehmens ist gescheitert. 

Allen rund 250 Mitarbeitenden sowie den Vermietern der Ladenflächen in Deutschland müsse gekündigt werden, teilte Insolvenzverwalter Stephan Michels mit. Der vorläufige Gläubigerausschuss habe als entscheidende Instanz die vollständige Schließung von Wormland beschlossen. Schon am heutigen Mittwoch wurden die Kunden am Schaufenster des Münchner Wormlands über die Schließung informiert. 

An der Fensterscheibe des Herrenausstatters Wormland am Marienplatz werden die Kunden über die Schließung informiert.
An der Fensterscheibe des Herrenausstatters Wormland am Marienplatz werden die Kunden über die Schließung informiert. © privat

Das Amtsgericht Osnabrück hat inzwischen das Insolvenzverfahren über die Theo Wormland GmbH eröffnet. Die bislang acht Filialen werden nicht wieder öffnen – mit Ausnahme der Standorte Hannover und Oberhausen. Dort soll lediglich der Abverkauf der bestehenden Warenbestände erfolgen.

Dabei war das Unternehmen erst ein Jahr zuvor aus einer Insolvenz gerettet worden. Dennoch stellte Wormland im November erneut einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Osnabrück. Als Hauptgrund für die wirtschaftliche Schieflage nannte das Unternehmen die anhaltende Kaufzurückhaltung bei Herrenmode. Der Geschäftsbetrieb wurde zunächst fortgeführt, die Mitarbeitenden erhielten Insolvenzgeld von der Arbeitsagentur.

Mehrere Investoren waren interessiert

Nach Angaben des Insolvenzverwalters gab es im Anschluss mehrere Investoren, die Interesse bekundeten und Angebote vorlegten. Keines davon sei jedoch annahmefähig gewesen. Hauptgrund dafür sei die ungelöste Mietsituation gewesen. Soweit bekannt, kam es zu keiner Einigung zwischen potenziellen Investoren und den Vermietern – weder für eine vollständige noch für eine teilweise Übernahme der Mietverhältnisse. Das Risiko sei den Gläubigern letztlich zu hoch gewesen.

Ein Abwicklungsteam werde nun die Schließung der Filialen organisieren. Sollten sich bestehende oder neue Interessenten doch noch mit den Vermietern einigen, seien Gespräche über die Übernahme einzelner Standorte weiterhin möglich, so Michels.

Gerüchte über Nachfolge am Marienplatz

Und was passiert mit der Filiale in München? Derzeit kursieren Gerüchte über die Zukunft des prominenten Gebäudes am Marienplatz. Das über 1000 Quadratmeter große Filetstück in der Münchner Innenstadt soll bereits neu vermietet sein. Als möglicher Nachfolger wird der Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli gehandelt. Das Unternehmen wollte dies weder bestätigen noch dementieren. "Aktuell können wir leider keine Informationen zu einer Neueröffnung von Lindt in München teilen“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Zuletzt hatte sich auch der Münchner OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU) für den Erhalt des Traditionsgeschäfts eingesetzt. "Bei Wormland arbeiten Menschen zum Teil seit 30 Jahren“, sagte er der AZ. Ein weiterer Großkonzern im Eckhaus am Marienplatz würde ihm missfallen. Mit Blick auf die Gerüchte um einen Nachfolger aus der Schweiz erklärte Baumgärtner: "So wird die Münchner Innenstadt austauschbar und gesichtslos.“

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  • FRUSTI13 vor einer Stunde / Bewertung:

    Dass der Laden die letzten Jahre immer leerer wurde, liegt nicht an der allgemeinen Kaufzurückhaltung, sondern am Warenangebot!
    Wir haben früher dort sehr oft gekauft, aber nun schon länger nicht mehr, weil die Klamotten dort immer mehr 08/15 Angebot entsprachen!

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  • Der wahre tscharlie vor 2 Stunden / Bewertung:

    Was auch an diesem Artikel wieder auffällt, die Mieten spielen anscheinend eine existenzielle Rolle in solchen Fällen.
    Dass sich die Schweizer Firma Lindt die Miete leisten könnte, kann ich mir gut vorstellen.

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  • Flo91 vor 2 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Der wahre tscharlie

    Eigentlich sollte viel bekannter sein, wem diese Immobilien so gehören, damit man auch mal Gesichter zu den Personen hat, die hauptverantwortlich sind, für das Veröden unserer Innenstädte...

    Mieter finden sich immer, egal was man verlangt. Es sind am Ende aber halt nur noch internationale Ketten und nicht mehr lokale Unternehmen.

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