Wo es (fast) unbemerkt plätschert: Die AZ zeigt fünf weniger bekannte Münchner Brunnen
Es rauscht und plätschert, Tropfen fliegen durch die Luft, glitzern im Sonnenlicht. Manchmal kann man die Füße hineinstellen oder sogar ganz durchlaufen, manchmal das Gesicht kühlen oder die Trinkflasche auffüllen. Oder man schaut einfach dem Wasser zu, vielleicht von einem Bankerl aus, und ruht den Geist aus.
An die 700 Brunnen gibt es in München, 202 davon werden von der Stadt gepflegt. 18 Brunnen laufen das ganze Jahr über, den größten Teil kasteln die Mitarbeiter des Baureferats im Herbst zum Ende der Brunnensaison mit hölzernen Verschalungen ein und packen sie im Frühjahr nach und nach wieder aus, damit es wieder plätschert und rauscht und man das Gefühl bekommt, jetzt geht der Sommer los! Alle Jahre im gleichen Lauf.
Zwischen Rauschen und Stadtgeschichte: Fünf weniger bekannte Brunnen in München
In den heißen Phasen des Jahres und dann ganz besonders erfüllen die Brunnen freilich nicht nur einen dekorativen Zweck – sie sind wichtig fürs Stadtklima, das immer mehr nach Abkühlung verlangt. Einer der Gründe, warum auch nach wie vor neue Brunnen gebaut werden. Außerdem entstehen immer mehr Trinkwasserbrunnen, 90 sind es in der Stadt aktuell, mitgezählt dabei sind auch Trinkwasserspender an vielen Plätzen und öffentlichen WCs. Aber auch an bekannten historischen Brunnen kann man seinen Durst stillen.
Viele Münchner Brunnen sind wahre Kunstwerke – man schaue nur auf den imposanten Wittelsbacherbrunnen am Lenbachplatz. Oft zeugen sie von Moden früherer Jahrhunderte und erzählen einiges an Stadtgeschichte. Aber auch die jüngere Vergangenheit hat ihre Brunnen-Stars, Stichwort: Stachus-Brunnen.
Und dann gibt es noch die vielen, die ein bisserl weniger beachtet werden. Weil sie in einem toten Eck stehen zum Beispiel, an einem Ort, der zwar eigentlich zentral, aber nicht sehr frequentiert ist. Oder weil sie an einem Platz stehen, der irgendwie nicht so sehr zum Verweilen einlädt. Viel Spaß beim Entdecken!
Übersehener Prachtbrunnen am Maximiliansplatz in der Maxvorstadt
Am Altstadtring, in den Eschenanlagen am Maximiliansplatz, steht ein wahrlich wuchtiger Brunnen, nicht versteckt, aber auch nicht viel beachtet, außer vielleicht von den Nachtschwärmern der umliegenden Clubs.
Der Nornenbrunnen stand einst mitten am Stachus, nach heutiger Aufteilung, dort wo jetzt die Trambahn fährt. 1907 als der vom Bildhauer Hubert Netzer gestaltete Brunnen aufgestellt wurde, hatte Gabriel von Seidl das Stachusrondell gerade umgestaltet. Nach dem Krieg in den 60er Jahren wird der Stachus erneut umgebaut und bekommt sein heutiges Gesicht. Der Brunnen zieht um an den Maximiliansplatz, an den Standort, an dem seit 1911 wiederum der Merkurbrunnen stand, den man heute im Tal findet.

Dargestellt sind die germanischen Nornen Urd (Vergangenheit), Verdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft). Sie sind in der nordischen Mythologie schicksalsbestimmende weibliche Wesen. Die Figuren lehnen sich an ein großes Becken aus Muschelkalk, zwischen ihnen ergießt sich das Wasser in drei flache Becken am Boden. Bis zu 15 Steinmetze hatten einst an dem Brunnenbauwerk gearbeitet.
Gedenken an Bally in der Leopoldstraße in Schwabing
Man mag meinen, er steht ein bisschen zufällig einfach so mitten auf dem Gehweg an der Leopoldstraße herum, der Brunnen zur Erinnerung an die Münchner Volkssängerin und Humoristin Bally Prell (1922-1982). Doch sein Standort ist keineswegs zufällig gewählt, sondern vielmehr genau vor ihrem Geburtshaus, Hausnummer 77 mit der wunderbaren Jugendstilfassade von Martin Dülfer, in dem sie auch ihr Leben lang wohnte.

Schon als Fünfjährige begeisterte Bally Prell mit ihrer Singstimme das Publikum, damals noch im berühmten Odeon. 1953 präsentierte sie zum ersten Mal im Platzl ihr vielleicht bekanntestes Lied „Die Schönheitskönigin von Schneizlreuth“. Im Stadtmuseum hütet man ihr dazu passendes berühmtes Bühnenkostüm. Viele kennen aber auch das Isarmärchen, komponiert von ihrem Vater Ludwig Prell, der ebenfalls Volkssänger war.
Der Brunnen vor "ihrem" Haus gleich beim U-Bahn-Ausgang wurde von Wolfgang Sand entworfen und 1992 aufgestellt. Die Idee zu der etwas unkonventionellen Skulptur kam ihm schon 1989. Werner Braun setzte sie um. Zwei Bronzeplatten im Steinbecken informieren über Bally Prell und ihr Leben.
Märchenhaftes Sprudelbecken am Kosttor in der Altstadt
Zwischen Maximilianstraße und Platzl schlummert ein kleiner Platz, der im Trubel immer ein bisserl unbemerkt bleibt. Ebenso wie der hübsche Brunnen in der Mitte. Auf einer hohen Säule über dem Brunnenbecken stehen Bronzefiguren von Rotkäppchen und dem Wolf. Becken und Säule mit Delfinen-Kapitell sind aus Treuchtlinger Jurakalk, der Stufen-Unterbau aus Granit. Am Sockel der Säule speien vier bronzene Wolfsköpfe Wasser.

Auf der Becken-Innenseite finden sich noch Stangen, auf denen man einst Kannen und Gefäße zum Befüllen abstellen konnte. Rotkäppchenbrunnen nennen ihn viele, offiziell heißt er aber Wolfbrunnen und weist damit auch auf seine Stifter hin, das Großhändler-Ehepaar Adolf und Apollonia Wolf. Sie beauftragten die Bildhauer Heinrich Düll und Georg Pezold mit der Gestaltung des Brunnens, der 1904 auf dem kleinen Platz aufgestellt wurde. Bis dahin hatte an der Stelle eine Litfaßsäule gestanden.
Stadtgeschichte pur am Sendlinger Berg
Manchen ist es eine der schönsten Anlagen in Sendling: das Schmied-von-Kochel-Denkmal mit Brunnen am Sendlinger Berg. Es zeigt Baltes, den Schmied von Kochel, in Heldenpose mit einem Lederschurz bekleidet und mit einer großen Fahne und einem Morgenstern ausgerüstet, und erinnert an die Sendlinger Bauernschlacht 1705. Details dazu sind auf gleich mehreren Gedenktafeln nachzulesen.

Architekt Carl Sattler und Bildhauer Karl Ebbinghaus entwarfen das Denkmal, das ab 1906 erbaut wurde und sich in den Hang und an den Straßenverlauf schmiegt. Im August 1911 wurde es unter großem Beifall der Bürger und Stifter der Stadtgemeinde Sendling eröffnet.
Für den Wohltäter am Schüleinplatz in Berg am Laim
Er ist einer der großen Münchner Namen: Joseph Schülein war in München wohlbekannt als Brauereibesitzer, aber auch als Wohltäter. 1895 gründete er mit seinem Bruder Julius die Unionsbrauerei in Haidhausen. 1905 übernahmen die Brüder zudem die Münchner-Kindl-Brauerei, 1921 fusionierte man mit Löwenbräu.

Doch Schülein war auch vielfach sozial engagiert: In Berg am Laim am heutigen Schüleinplatz ermöglichte er etwa den Bau einer Siedlung mit Sozialwohnungen. Dort steht seit 1928 auch der Brunnen, den Schülein stiftete in einer Grünanlage. Auf dem Brunnenstock über einem Becken auf Säulen steht die Figur eines Mälzerbuben, die der Bildhauer Julius Seidler gestaltete.

