"Wir werden abgeschnitten": Riesen-Wut wegen Aus für Expressbus
Schneller durch die Stadt: Das ist die Grundidee der Münchner Expressbusse. Vier Linien fahren auf dem Stadtgebiet. Als erste Linie wird 2014 der X30 eingeführt. Heute verbindet der schnelle Bus den Harras mit dem Arabellapark – über die Strecke Unter- und Obergiesing und einem Halt am Ostbahnhof.
"Ausgerechnet diese beliebte Linie wird gestrichen", ärgert sich Anais Schuster-Brandis, BA-Chefin von Untergiesing-Harlaching. "Diese Schnellbuslinie als Ost-West-Tangente ist sinnvoll", sagt die 55-jährige Grünen-Politikerin. Selbst nutzt sie den X30, um aus ihrem Viertel zum HP8 zu fahren: "Wir im Gremium stimmen den Kürzungsvorschlägen der MVG nicht zu", sagt sie kämpferisch.
Am 29. Juli stimmt der Stadtrat über die Kürzungen ab
Denn am 22. Juli, dem kommenden Mittwoch, berät unter anderem das Münchner Mobilitätsreferat über die Kürzungen im Münchner Nahverkehr. Am 29. Juli stimmt die Vollversammlung im Stadtrat über die von der MVG geplanten Sparmaßnahmen ab.
Ärgerlich: Takt der Tram 25 wird verlängert
"Es gibt einen starken Finanzdruck. Die MVG streicht kürzere Takte und Angebote an öffentlichen Verkehrsmitteln in allen Vierteln", bedauert Stadtviertel-Bürgermeisterin Schuster-Brandis. Da auch der 5-Minuten-Takt der Tram 25 tagsüber dauerhaft auf 10 Minuten verzögert werden soll, haben Harlachinger den Eindruck: "Wir werden abgeschnitten. Das Viertel wird so viel schlechter angebunden sein, als vorher. Es ist ein Unterschied, ob man einfach zur Tram geht oder ob man vorher auf die Uhr sieht, um nicht warten zu müssen", erklärt Schuster-Brandis.
So ein Rückschnitt geht gar nicht – in einer wachsenden Stadt!
In ihrem BA-Gremium sei man insgesamt "frustriert" von den Planungen: "Wenn man in einer wachsenden Stadt die Leute vom Auto zum Umstieg auf den öffentlichen Nahverkehr bringen will, geht so ein Rückschritt gar nicht", ärgert sich die Lokalpolitikerin.
In Wien zahlen private Unternehmen in der Stadt eine Abgabe für den Nahverkehr
Nicht offiziell als BA-Chefin, doch als Privatperson macht sie diesen Vorschlag zur Lösung des MVG-Dilemmas: "Die Tickets dürfen keinesfalls teurer werden. Wieso macht man es in München aber nicht wie in Wien? Dort zahlen die Unternehmen eine Abgabe zur Finanzierung eines funktionierenden Nahverkehrs, den alle in der Stadt brauchen." Sie plädiert für "eine größere Lösung".
Die MVG begründet den Wegfall des beliebten X30 so: "Wegen der starken Staudichte auf dem Mittleren Ring und der hohen Haltestellendichte konnte der X30 seinen Express-Charakter nicht ausreichend erfüllen", schreibt ein MVG-Sprecher.
Wenn der Stadtrat zustimmt, soll der X30 in der neuen Buslinie 64 aufgehen, die vom Lorettoplatz über den Harras bis zum Arabellapark fährt, lautet die Information. Der 64 soll voraussichtlich in Zukunft von Montag bis Freitag alle zehn Minuten fahren und abends ab 20 Uhr alle 20 Minuten.
Die Bürgerinnen und Bürger werden es auf alle Fälle merken
"Wir sind nicht glücklich über die Entwicklung. Die Bürgerinnen und Bürger werden es auf alle Fälle merken. Wir haben die Vorschläge für die Anpassung schweren Herzens akzeptiert – mit dem Hinweis, die Einsparungen, sobald machbar, zurückzunehmen", erklärt Margit Ertlmaier, die neue grüne BA-Chefin von Obergiesing-Fasangarten.
Hintergrund der rigiden Spar-Pläne: Steigende Kosten für Personal und Energie zwingen die MVG zu Einsparungen von 14 Millionen Euro. Die Streichungen könnten zum Winterfahrplan im Dezember 2026 für die Münchner spürbar werden.
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