Wiesn-Zoff um Airbnb: Mieterverein und Wirte schlagen Alarm

"Einen Wiesnwahnsinn, den gibt es mittlerweile auch auf dem Wohnungsmarkt", so beschreibt Beatrix Zurek, die Vorsitzende des DMB Mietervereins München, das Thema, das sie dieser Tage besonders umtreibt.
Der Beginn des 191. Oktoberfestes naht und wird wieder Tausende Touristen in die Stadt ziehen. Nicht alle übernachten für ihren Wiesnbesuch im Hotel – viele buchen sich eine Wohnung über Plattformen wie Airbnb oder Booking.com.

Dem Mieterverein ist das ein Dorn im Auge, denn er sieht die Gefahr der Zweckentfremdung von Wohnraum durch diese Kurzzeitvermietungen. "Jede Wohnung, die bezahlbar ist und die aus dem normalen Wohnungsmarkt fällt, ist eine zu viel und dagegen wollen wir vorgehen", so Zurek.
Bei dem Thema hat der Mieterverein einen Verbündeten: den Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Dessen Kreisvorstand Christian Schottenhamel, selbst Wirt und Wiesn-Wirt, erklärt, dies sei auch für Gastronomen und Hoteliers ein Problem. "Unsere Mitarbeiter finden keine bezahlbaren Wohnungen in München mehr", so Schottenhamel.
Zur Wiesn sind die Münchner Hotels noch nicht ausgebucht
Dazu kommt: "Airbnb ist natürlich eine Konkurrenz für die Hoteliers." Die Wettbewerbssituation sei dabei eine unfaire, so Schottenhamel, da Hoteliers eine Vielzahl von Auflagen zum Schutz der Gäste beachten müssten, anders als die Vermieter von Airbnb-Unterkünften. Und: "Wir haben ein extremes Überangebot von Hotelbetten in München. In schwächeren Zeiten kannibalisieren wir uns sogar", so Schottenhamel. Auch aktuell seien die Münchner Hotels zur Wiesn noch nicht ausgebucht. "Das hat es früher nicht gegeben", so Schottenhamel. Im vergangenen Jahr sei dies das erste Mal vorgekommen.

In den letzten Jahren sind zu viele Hotels entstanden
Woher das rührt? Seit Corona seien etwa 10.000 neue Hotelbetten in München entstanden, "das ist extrem viel", so Schottenhamel. Nur noch in Jahren mit herausragenden Großveranstaltungen, wie den riesigen Adele-Konzerten 2024 oder großen Leitmessen wie der Bauma 2025, würden die vorhandenen Kapazitäten gebraucht. "Wir hätten gerne die Gäste, die bei Airbnb mieten", sagt Schottenhamel.
Wie viele Betten bei Airbnb und ähnlichen Anbietern angeboten werden, ist derzeit kaum einsehbar. Die Zahl sei aber sicher vierstellig, manche Schätzungen gehen von bis zu 17.000 aus, so der Mieterverein. Und nicht bei allen Angeboten halten sich die Vermieter an die erlaubte Grenze von maximal acht Wochen für eine Kurzzeitvermietung.
Es geht um die schwarzen Schafe
Zurek und Schottenhamel stellen klar, es gehe nicht um jene, die innerhalb des erlaubten rechtlichen Rahmens mal kurz ein Zimmer untervermieten würden, sondern vielmehr um die schwarzen Schafe, die dies gewerbsmäßig betreiben – mit teils astronomisch hohen Preisen. Mieterverein und Dehoga begrüßen deshalb, dass es ab Oktober/November 2026 eine Registrierungspflicht für Kurzzeitvermietungen über Airbnb und Co. für München geben wird. Sie fordern aber zusätzlich auch noch eine Genehmigungspflicht derselben. Zurek: So werde sich hoffentlich der eine oder andere gut überlegen, ob er seine Wohnung weitervermietet.

Eine Weitervermietung hatte die Stadt auch bisher schon nur maximal acht Wochen im Jahr erlaubt, sonst liegt eine Zweckentfremdung vor. Mieter brauchen unabhängig davon immer auch die Genehmigung des Vermieters. Aber bisher war es schwierig, schwarze Schafe zu identifizieren, die Wohnraum dauerhaft zweckentfremden.
Wohnen ist Grundrecht und nicht für maximale Renditen
Durchsetzbar macht die Registrierungspflicht eine EU-Verordnung, die seit Ende Mai gilt. Sie verpflichtet Airbnb & Co., ausschließlich Angebote mit behördlich erteilter Registrierungsnummer zu veröffentlichen. Außerdem müssen sie den Ämtern nicht nur die exakte Adresse jeder einzelnen Unterkunft, sondern Monat für Monat die aktuelle Buchungslage übermitteln. Mehr Handlungsspielraum soll den Kommunen ein weiterer Vorstoß der EU vom Mittwoch geben: Sie will Städten und Kommunen eine einheitliche Rechtsgrundlage liefern, auch inhaltlich Kurzzeitvermietungen stärker einzuschränken, etwa durch Quoten in bestimmten Vierteln. Bisher drohten langwierige Gerichtsverfahren.
Beatrix Zurek und Christian Schottenhamel haben ein gemeinsames Ziel: Auswüchse bei Airbnb und Co. eindämmen und dem regulären Mietwohnungsmarkt wieder mehr Wohnungen zuzuführen. Sie sagen: "Wohnen ist ein Grundrecht und nicht dafür da, maximale Renditen zu erwirtschaften."