"Wie die Tour de France": Polizei geht gegen Rennradler vor

Welch ein Idyll im Perlacher Forst: Vögel zwitschern, der Wald spendet kühlenden Schatten. Wäre da nicht die Oberbiberger Straße, die zwischen Oberhaching und Harlaching durch den Forst verläuft und seit einiger Zeit zu einer Autobahn ohne Tempolimit verkommt. Hier rasen aber nicht Autos durch, sondern (Renn-)Radler.
Und genau die beschäftigen die Polizei. Denn: Anders als oft angenommen, ist die Oberbiberger Straße im Perlacher Forst keine vorfahrtsberechtigte Fahrradstraße. Fußgänger oder langsame Radler dürfen die Straße ebenso nutzen wie Rennradler. An Einmündungen mit Waldwegen gilt rechts vor links. Die Straße verläuft kerzengerade und ist schön glatt asphaltiert – sie verleitet daher zum Rasen. Die Folge: zahlreiche Crashs.
"Wie in der Tour de France"
Laut Tim Wiedecke von der Polizeiinspektion Unterhaching gab es letztes Jahr fünf Unfälle in der Oberbiberger Straße mit steigender Tendenz. "Manche Gruppen fahren wie in der Tour de France", sagt er. Nach AZ-Informationen sind es heuer schon elf Unfälle. Die Gemeinde Oberhaching hat daher Bremsschwellen auf der Straße installiert – leider mit mäßigem Erfolg (AZ berichtete).
Jetzt kontrolliert die Polizei
Den ganzen Mittwoch läuft daher im Perlacher Forst der sogenannte Fahrradschwerpunkt. Eine Kontrollaktion, bei der Polizisten schauen, ob sich alle an die Regeln halten. Eine Radlerin wird mit Handy in der Hand erwischt. "Das Bußgeld beginnt hier bei 55 Euro", sagt Polizeisprecherin Tamara Kraxenberger Djukaric.
Die meisten Radfahrer verhalten sich aber vorbildlich. "Viele fahren vorsichtiger, wenn sie die Uniformen sehen", sagt Polizist Daniel Schweiker von der Verkehrsüberwachung. Daher würden sich die Beamten in den Seitenstraßen aufstellen, um nicht gleich gesehen zu werden.
Förster fordern mehr Rücksicht
Ein alltäglicher Anblick sind die Polizisten im Forst nicht. Förster aber schon. Sie müssen mit Forstmaschinen auch über die Oberbiberger Straße fahren und auch unebenes Gelände erreichen. Revierförster Korbinian Staufer wünscht sich mehr Verständnis. "50 Prozent der Radler sind freundlich", sagt Staufer, "die anderen zeigen dir den Vogel, wenn du auf der Straße fährst." Die Bayerischen Staatsforsten stellen daher Schilder entlang der Straße auf, die für mehr Rücksicht plädieren.
Radler haben Verständnis
Doch was haben eigentlich die Radler selbst zu sagen? Peter Milla bleibt kurz stehen und ratscht mit Polizisten. Der AZ sagt er: "Ich finde die Kontrollen super. Doch das Problem ist nicht der Radler an sich, sondern der Mensch dahinter."
Christian Frank hat auf seinem Rennrad noch einen weiten Weg vor sich: Genau im Perlacher Forst beginnt der Stuttgarter seine Tour zum Gardasee. "Mich stören die Kontrollen nicht, ich habe nichts zu verbergen", sagt Frank. Ganz so vorbildlich sind im Perlacher Forst offenbar nicht alle unterwegs – wie die deutlich gestiegenen Unfallzahlen zeigen.