"Wie die Tour de France": Polizei geht gegen Rennradler in München vor

Es reicht: Nach zahlreichen Problemen und gestiegenen Unfallzahlen mit Rennradlern im Perlacher Forst greift die Polizei nun durch.
Lukas Plaschke |
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Die Fahrradstaffel der Polizei rückt aus im Perlacher Forst. Oft nimmt sie, auch ganz ohne Vergehen, Radler zur Seite und sensibilisiert sie für ein rücksichtsvolles Miteinander.
Die Fahrradstaffel der Polizei rückt aus im Perlacher Forst. Oft nimmt sie, auch ganz ohne Vergehen, Radler zur Seite und sensibilisiert sie für ein rücksichtsvolles Miteinander. © Lukas Plaschke

Welch ein Idyll im Perlacher Forst: Vögel zwitschern, der Wald spendet kühlenden Schatten. Wäre da nicht die Oberbiberger Straße, die zwischen Oberhaching und Harlaching durch den Forst verläuft und seit einiger Zeit zu einer Autobahn ohne Tempolimit verkommt. Hier rasen aber nicht Autos durch, sondern (Renn-)Radler.

Und genau die beschäftigen die Polizei. Denn: Anders als oft angenommen, ist die Oberbiberger Straße im Perlacher Forst keine vorfahrtsberechtigte Fahrradstraße. Fußgänger oder langsame Radler dürfen die Straße ebenso nutzen wie Rennradler. An Einmündungen mit Waldwegen gilt rechts vor links. Die Straße verläuft kerzengerade und ist schön glatt asphaltiert – sie verleitet daher zum Rasen. Die Folge: zahlreiche Crashs.

"Wie in der Tour de France"

Laut Tim Wiedecke von der Polizeiinspektion Unterhaching gab es letztes Jahr fünf Unfälle in der Oberbiberger Straße mit steigender Tendenz. "Manche Gruppen fahren wie in der Tour de France", sagt er. Nach AZ-Informationen sind es heuer schon elf Unfälle. Die Gemeinde Oberhaching hat daher Bremsschwellen auf der Straße installiert – leider mit mäßigem Erfolg (AZ berichtete).

Jetzt kontrolliert die Polizei

Den ganzen Mittwoch läuft daher im Perlacher Forst der sogenannte Fahrradschwerpunkt. Eine Kontrollaktion, bei der Polizisten schauen, ob sich alle an die Regeln halten. Eine Radlerin wird mit Handy in der Hand erwischt. "Das Bußgeld beginnt hier bei 55 Euro", sagt Polizeisprecherin Tamara Kraxenberger Djukaric.

Die meisten Radfahrer verhalten sich aber vorbildlich. "Viele fahren vorsichtiger, wenn sie die Uniformen sehen", sagt Polizist Daniel Schweiker von der Verkehrsüberwachung. Daher würden sich die Beamten in den Seitenstraßen aufstellen, um nicht gleich gesehen zu werden.

Förster fordern mehr Rücksicht

Ein alltäglicher Anblick sind die Polizisten im Forst nicht. Förster aber schon. Sie müssen mit Forstmaschinen auch über die Oberbiberger Straße fahren und auch unebenes Gelände erreichen. Revierförster Korbinian Staufer wünscht sich mehr Verständnis. "50 Prozent der Radler sind freundlich", sagt Staufer, "die anderen zeigen dir den Vogel, wenn du auf der Straße fährst." Die Bayerischen Staatsforsten stellen daher Schilder entlang der Straße auf, die für mehr Rücksicht plädieren.

Radler haben Verständnis

Doch was haben eigentlich die Radler selbst zu sagen? Peter Milla bleibt kurz stehen und ratscht mit Polizisten. Der AZ sagt er: "Ich finde die Kontrollen super. Doch das Problem ist nicht der Radler an sich, sondern der Mensch dahinter."

Christian Frank hat auf seinem Rennrad noch einen weiten Weg vor sich: Genau im Perlacher Forst beginnt der Stuttgarter seine Tour zum Gardasee. "Mich stören die Kontrollen nicht, ich habe nichts zu verbergen", sagt Frank. Ganz so vorbildlich sind im Perlacher Forst offenbar nicht alle unterwegs – wie die deutlich gestiegenen Unfallzahlen zeigen.

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  • Knoedel am 16.08.2026 20:37 Uhr / Bewertung:

    Ich bin ja auch ein radelnder Vielfahrer, alleine schon wegen der Arbeit.
    Was ich da schon so in den letzten 30 Jahren miterleben durfte ist manchmal schon der Wahnsinn.
    Das Dreiecksverhältnis Auto > Fußgänger > Radfahrer ist nicht immer einfach, auch baulich bedingt.
    Was mir auffällt ist das die Autofahrer und Fußgänger überwiegend fahrlässig handeln ohne böse Absicht.
    Bei Radlern sehe ich recht oft grobe Fahrlässigkeit bis hin zum Vorsatz sich und Andere in Gefahr zu bringen, teilweise unverschämt und rücksichtslos. Auch im Perlacher Forst.
    Es müsste mehr Polizei auf Rädern unterwegs sein und bei groben Verstößen auch deftige Bußgelder zu Verhängen. Bin ja schon selber einige Male angefahren worden, unter Anderem weil ich nicht schnell genug den Radweg frei gemacht habe.

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  • tutwaszursache am 17.08.2026 09:15 Uhr / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Knoedel

    Komisch, dass Sie da soviel Unterschied sehen zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern bzgl. Vorsatz/Fahrlässigkeit. Woran machen Sie das fest? Woran erkennen Sie, dass Autofahrer, die gar nicht erst den Versuch machen, bevorrechtigten Verkehr wahrzunehmen, dies "ohne böse Absicht" machen? Woran erkennen Sie, dass die ca. 2/3 der Überholmanöver KFZ-Fahrrad in München, die StVO-widrig zu dicht erfolgen, nicht "grob", sondern bloß "leicht" fahrlässig verursacht wurden?

    Ich will Ihre Beobachtungen nicht anzweifeln, aber ohne genauere Erläuterungen frage ich mich, ob Sie da nicht vielleicht doch unterschiedliche Maßstäbe anlegen.

    Vorsätzliche Gefährdungen anderer Verkehrsteilnehmer habe ich jedenfalls bislang ausschließlich von KFZlern erlebt (Abdrängen/Ausbremsen/Dichtüberholen mit Berührung zu Erziehungszwecken) in den letzten 45 Jahren.

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  • AK1 am 15.08.2026 06:21 Uhr / Bewertung:

    Woher kommt eigentlich die angebliche Annahme einer vorfahrtsberechtigten Fahrradstraße? Eine Fahrradstraße ist entsprechend beschildert, Vorfahrt hat man dadurch aber nicht. Wenn man sieht, was in München als Fahrradstraße ausgeschildert ist, immer mit kompletter Freigabe für den Kfz-Verkehr und teilweise intensiver Nutzung, durch diesen ist die Idee sowieso abwegig, aus dieser Annahme irgendwelche Rechte abzuleiten...

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