Wie die Münchner Polizei eine Organtransplantation im letzten Moment gerettet hat

Ein Patient aus München wartet seit langer Zeit auf ein geeignetes Spenderorgan. Als dann plötzlich dem Uni-Klinikum Großhadern eines gemeldet wird, ist der Empfänger nicht zu erreichen. 
Ralph Hub |
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Im Klinikum Großhadern werden jedes Jahr rund 200 bis 250 Organtransplantationen durchgeführt.
Im Klinikum Großhadern werden jedes Jahr rund 200 bis 250 Organtransplantationen durchgeführt. © Tobias Hase

In ganz Bayern warten derzeit nach Angaben des Bayerischen Gesundheitsministeriums in München 1100 Patienten auf ein lebensnotwendiges Spenderorgan. Manche stehen viele Jahre auf der Liste, ohne dass sie zum Zuge kommen, weil viel zu wenige Menschen bereit sind, sich nach ihrem Tod als Organspender zur Verfügung zu stellen.

Besser als ein Sechser im Lotto

Ein 51 Jahre alter Patient aus München gehörte jetzt zu den wenigen Glücklichen. Der Vermittlungsstelle Eurotransplant in den Niederlanden war ein passendes Spenderorgan gemeldet worden. Ein absoluter Glücksfall für den Münchner.

Bei Organtransplantationen zählt jede Minute

Ein entnommenes Spenderorgan bleibt bei der klassischen Kühlung auf Eis allerdings nur wenige Stunden verwendbar. Ohne Sauerstoffversorgung nimmt es schnell Schaden. Für Herz oder Lunge gelten maximal vier bis sechs Stunden, Leber oder Bauchspeicheldrüse 12 bis 15 Stunden, bei Nieren sind es maximal 36 Stunden.

Frühmorgens um 4 Uhr klingelt die Polizei

Für den 51-jährigen Münchner kam die Treffermeldung in der Nacht auf Donnerstag. Im Klinikum Großhadern war alles vorbereitet, ein Ärzteteam hätte jederzeit operieren können. Was fehlte, war der Patient. Der war telefonisch nicht zu erreichen. Also bat die Klinik die Polizei um Hilfe. Eine Streife der PI 23 (Giesing) fuhr zu der Adresse des Patienten. Frühmorgens um 4 Uhr klingelten die Beamten den Münchner aus dem Bett und brachten ihn nach Großhadern. Gerade noch rechtzeitig für die lebensrettende OP. Im Klinikum Großhadern werden jedes Jahr rund 200 bis 250 Organtransplantationen durchgeführt.

Über 1000 Patienten warten in Bayern

Laut Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) warten im Freistaat derzeit etwa 1.100 Menschen auf ein lebenswichtiges Spenderorgan. "Auch wenn pro Spender in der Regel mehrere Organe vermittelt werden können, ist diese Lücke sehr bedrückend", sagte die Politikerin.

In Bayern sinken die Zahlen

Entgegen dem bundesweiten Trend ist die Zahl der Organspender sowie der Spenderorgane in Bayern im Jahr 2025 leicht zurückgegangen. Wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte, gab es im Freistaat 143 Organspender (2024: 157) und 454 Spenderorgane (2024: 497).

Leichter Anstieg bundesweit

Bundesweit stieg die Zahl der Organspender den Angaben nach um 32 auf 985. Das sei der höchste Wert seit 2012. Die Zahl der in Deutschland entnommenen Spenderorgane stieg von 2.855 auf 3.020. Jedoch: Die Zahl der Spenderorgane reiche weiterhin nicht aus, um allen Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten eine Transplantation zu ermöglichen, hieß es von der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Leicht gestiegen ist in Bayern die Zahl der transplantierten Organe, also derjenigen Organe, die bundesweit oder im Ausland entnommen und im Freistaat transplantiert worden sind. Die meisten Organspender gab es laut DSO in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Die Zahl betrug in diesen drei Ländern zusammengenommen gut 16 Organspender pro eine Million Einwohner. Der Bundesdurchschnitt liegt bei fast 12 Organspendern je eine Million Einwohner.

Streit um Widerspruchsregelung

Bisher gilt: Eine Organspende ist nur mit ausdrücklicher Einwilligung des Spenders möglich. Die sogenannte Widerspruchslösung soll das ändern: Diese würde bedeuten, dass die Organe nach dem Tod grundsätzlich für Spenden genutzt werden dürfen – es sei denn, der oder die Betreffende hat das vor dem Tod ausdrücklich abgelehnt. Momentan wird darüber im Parlament in Berlin leidenschaftlich diskutiert.

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