Warum diese Münchner U-Bahn-Station sogar schon in der New York Times gezeigt wurde
Wer in einer U-Bahn in die Station Westfriedhof einfährt, zuckt kurz zusammen – plötzlich kurz Tageslicht, dann raue felsige Wände, blau-schimmernd, und riesige, farbige Lampen. Der U-Bahnhof Westfriedhof ist eine der sehenswertesten U-Bahn-Stationen der Stadt – und vielleicht auch die bekannteste.
Die innovative Gestaltung des Architekturbüros Auer und Weber und vor allem das Lichtdesign von Ingo Maurer (1932-2019), der auch den U-Bahnhof Münchner Freiheit gestaltete, macht die Station zu einem beliebten Fotomotiv – für Hobbyfotografen genauso wie für Werbeagenturen. Auf Plattencovern, aber auch auf einer Briefmarke wurde sie schon verewigt.
Ein Foto vom Bahnhof in der New York Times
Sogar international berühmt wurde der Bahnhof während der Coronazeit, als die New York Times Fotografen losschickte, öffentliche Orte zu dokumentieren. Ein Bild vom U-Bahnhof Westfriedhof der Fotografin Laetitia Vacon erschien zum Times-Artikel "Die große Leere" im März 2020. Im Onlineshop der Times ist das Foto bis heute zu kaufen – ab 50 Dollar aufwärts.

Kein Wunder – die elf tief hängenden Leuchten in blau, rot und gelb mit ihren 3,80 Meter Durchmesser tauchen den Bahnsteig in verschiedene Farbschattierungen. Zusätzlich wird die felsige Oberfläche der Seitenwände, die so belassen sind, wie sie in den Boden hineingefräst wurden, blau angestrahlt. Nur ein Netz verhindert, dass Steine aus der Wand bröckeln.
Und noch etwas ist besonders an dieser Station: Am südlichen Ende des Bahnsteigs zur Dantestraße hin, fällt von oben Tageslicht bis nach unten auf den Bahnsteig. Die Treppen von der Oberfläche ins Zwischengeschoss und zur Bahnsteigebene scheinen zu schweben. All das gibt dem Besucher das Gefühl, in eine Höhle hinabzusteigen.

Einst gab es Ärger wegen eindringendem Wasser
Der Bahnhof, der an der Grenze zwischen Gern, das zum Stadtbezirk Neuhausen-Nymphenburg gehört, und Moosach liegt, wurde am 24. Mai 1998 eröffnet und war – so mancher wird sich erinnern – bis 2003 die Endhaltestelle der Linie U1 und der Tram 21. Mittlerweile wurde die U-Bahn bis zum Olympia-Einkaufszentrum verlängert, die Tram fährt bis Moosach.

Schon 2014 also nur 16 Jahre nach der Eröffnung gab es mächtig Ärger. Wie sich zeigte, war beim Bau des U-Bahnhofs eine Fuge zwischen Decke und Wänden rund um das Bauwerk nicht abgedichtet worden – weil’s nicht in der Bauvorschrift stand. Wasser drang ein. Die Sanierung dauerte zwei Jahre, die Kosten gingen in die Millionen.
Viele nutzen den Westfriedhof als Knotenpunkt
Den U-Bahnsteig fürs Foto menschenleer zu erwischen, klappt, wenn überhaupt, nur ganz kurz, wenn gerade die Bahnen in beide Richtungen abgefahren sind. Gut besucht ist der Bahnhof auch, weil sich hier gleich mehrere Buslinien, die Trambahnen 20 und 21 und die U1 und U7 kreuzen. Alle paar Minuten strömen Fahrgäste aus der U-Bahn nach oben zum Busbahnhof und Trambahnsteig – oder umgekehrt.

Bis nach Allach, Pasing, zum Kieferngarten oder in die Parkstadt Solln kann man von hier aus mit dem Bus fahren. Die Tram fährt bis zum Moosacher Bahnhof und stadteinwärts die Dachauer Straße hinunter bis zum Stachus oder sogar ans ganz entgegengesetzte Ende der Stadt zur St.-Veit-Straße in Berg am Laim. Auch Besucher des SAP-Garden werden – Wegweiser verraten es – von hier aus zum Ziel gelotst, der Olympiapark ist nicht weit.
An dieser Station stimmt der Mobilitätsmix

Auch sonst stimmt der Mobilitätsmix rund um die Station: Neben dem U-Bahn-, Bus- und Tramanschluss, gibt es reichlich überdachte Abstellmöglichkeiten für Radl und Stellplätze für Pkw – sogar in Form einer Park & Ride-Tiefgarage mit über 200 Stellplätzen, die über den Streckentunnel gebaut ist. Behindertenparkplätze mit barrierefreiem Zugang zum Lift gibt es außerdem. Die MVG-Rad-Station ist freilich gerade außer Betrieb und wartet auf das neue Verleihsystem.
Auch im Zwischengeschoss, in heimeligem Rostrot gehalten, findet sich alles, was der ÖPNV-Nutzer braucht, ein Kiosk und moderne Toiletten, auch für Rollstuhlfahrer.

An der Oberfläche wird's idyllisch
Begibt man sich an die Oberfläche, steht man – eh klar – am Westfriedhof. Es zwitschert und blüht – 1898 angelegt und 1950/51 erweitert, ist er ein Idyll in der Stadt. Die markante und wunderschöne Aussegnungshalle am Haupteingang an der Baldurstraße wurde 1902 von Architekt Hans Grässel fertiggestellt, der alle vier Münchner Großfriedhöfe plante und auch die Aussegnungshalle am Nordfriedhof baute. Auf dem Friedhof ruhen einige prominente Personen: Malerfürst Franz von Lenbach, Ex-Kaiserin Soraya oder auch TV-Star Robert Lembke sind hier bestattet.

Garteln mit Blick auf Hochhaus und Olympiaturm
Die Kirschbäume treiben auf dem Bussteig und erst recht gegenüber, denn hier schließt eine Kleingartenanlage an. In der dazugehörigen Gaststätte Zur Gartenlaube, eine griechische Taverne mit rustikalem Charme drinnen und einem gemütlichen Wirtsgarten draußen, kostet die Halbe 5,10 Euro, die kalten gemischten Vorspeisen 14,90 Euro. Für den urbanen Touch gibt’s den Blick auf das O2-Hochhaus und den Olympiaturm dazu. Wer hier spazieren möchte – gleich dahinter käme die Borstei, die einzigartige Wohnanlage aus den 20er-Jahren, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist. Oder man flaniert einfach nach Gern hinein.

Beim Bau gab's einen Zwischenfall
Gegenüber der Haltestelle gelegen sind das Dantestadion und das Dantebad, Münchens einziges Warmfreibad.
Beim Bau des U-Bahntunnels unter dem Stadion hindurch, gab es 1994 einen Zwischenfall. Durch die Bauarbeiten kam Material, mit dem ein darüberliegender Bombenkrater verfüllt worden war, ins Rutschen und sackte ab. Dadurch tat sich während eines Regionalligaspiels ein gut 90 Zentimeter breites und 30 Zentimeter tiefes Loch auf dem Spielfeld auf – nur fünf Wochen nach dem Kraterunglück in Trudering. Das Spiel wurde abgebrochen, passiert ist, anders als in Trudering, zum Glück niemandem etwas.
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