Wespenplage in München: Das hilft gegen die Störenfriede
Kaum eine Tageszeit, bei der sie gerade nicht nerven: Frühstückt man Spiegeleier und Speck im Freien, brummen Wespen heran und lassen sich auf dem Essen nieder. Dasselbe beim Kuchenessen oder Eisschlecken draußen. Und kaum steht ein süßes Saft- oder Schorlegetränk auf dem Schanigartentisch, kommt eine ganze Armada an gelbschwarzen Brummern angeflogen. Permanent also: Stichgefahr. Vor allem für Allergikerinnen und Allergiker in der Stadt ist das beängstigend.
Münchner Biergärten, Bäckereien und Eisdielen haben besonders mit Wespenattacken zu kämpfen. Am Viktualienmarkt etwa trifft die AZ auf Marcella (55), die gerade von einer Wespe gestochen worden ist. "Die Wespen nerven", sagt sie und zeigt ihr Bein, das an der Stichstelle angeschwollen ist. "Die haben mich beim Essen im Biergarten richtig gestresst." Ihr Eindruck? "Es ist eine Wespenplage da."

Warum wir diesen Sommer so viele Wespen sehen
Auch Wespenexperte Hans Greßirer vom Bund Naturschutz räumt ein, dass es diesen Sommer mehr Wespen gebe als in anderen Jahren. Genaue Zahlen für die Stadt ließen sich aber nicht ermitteln. "Plage" mag er das als Naturschützer freilich nicht nennen. Wespen, erklärt er, leisten einen wichtigen Beitrag für das Ökosystem. "Sie fressen Mücken, bestäuben Pflanzen und sind selbst Teil der Nahrungskette."
"Es gab heuer relativ günstige Phasen zur Staatengründung", sagt Greßirer. Etwa die Frostperioden im Frühjahr, denn Frost macht den Insekten nichts aus, anders als Phasen, in denen die Temperatur ständig wechselt. "Problematisch ist Klimawandel-Wetter mit ständigem Wechsel zwischen kalt und warm." Durch den trockenen Sommer hätten nun viele Wespenvölker Hunger, weil etwa Naturwiesen ausgeblüht seien. "Deshalb sieht man gerade so viele Wespen bei Bäckern", erklärt er. Dort fressen sie sich an den süßen Backsachen satt.
Bäckereien suchen nach Abhilfe
Bäckereien und Konditoreien in der Stadt suchen deshalb nach Abhilfe, um Wespen aus ihren Läden fernzuhalten. Die Eismanufaktur im Lehel zum Beispiel sprüht draußen aus Sprühflaschen einen feinen Wassernebel auf die Tische. Damit löst die Eisdiele gleich zwei Probleme: Zum einen freuen sich die Kundinnen und Kunden an der angenehmen Sprühwasser-Kühle. Zum anderen kann der feine Wassernebel Wespen vertreiben. Denn die Insekten nehmen ihn als Regen wahr – und suchen Schutz, damit ihre Flügel nicht nass werden und Fliegen unmöglich wird.
Aber wie sprüht man Wespen richtig mit Wasser an? "Mal kurz draufsprühen, reicht nicht", sagt Wespenexperte Hans Greßirer. "Wespen sind schlau genug und merken, dass doch gutes Wetter ist." Man müsse sie schon dauerhaft ansprühen, damit sie sich vom Wasser vertreiben lassen.
Weniger Licht, Wassernebel und Fallen
Die Rischart-Bäckereien in der Stadt versuchen, den Wespen möglichst wenige Anreize zu bieten. Auf AZ-Anfrage erklärt ein Sprecher, dass auch die Filialen diesen Sommer mehr Wespen beobachten. Man reduziere deshalb die Beleuchtung, um Wespen nicht über viel Licht anzuziehen. Und auch hier greifen die Mitarbeiter rund um die Auslage der Backwaren zum Sprühflaschen-Trick. "Außerdem setzen wir Lebendfallen ein, in denen die Wespen gefangen werden, ohne dass sie zu Schaden kommen", erklärt der Sprecher. "Die Tiere werden anschließend abends wieder in die Natur entlassen."
Die Bäckereikette Zöttl versucht es ebenfalls mit speziellen Fallen, die auf den Verkaufstresen platziert werden. So ein Gerät hat die AZ in der Filiale am Landaubogen entdeckt. Ein eingebauter Ventilator und UV-Licht sollen Wespen von Backwaren fernhalten. "Es hilft leider nicht so wirklich", sagt Verkaufsleiter Enrico Feßmann.

Was der Experte bei Wespenanflug rät
Was also tun, wenn Wespen doch nerven? "Nicht nach ihnen schlagen und vor allem nie anpusten. Das CO2 beim Ausatmen macht sie aggressiv", rät Wespenexperte Greßirer. Und sich eventuell doch bewusst machen, wie nützlich die Tiere eigentlich sind. Wespen halten schließlich das Ökosystem in Gang und seien "die Gesundheitspolizei der Natur".
- Themen:
- München
