Wenn der Tierpark Hellabrunn erwacht: Frühschicht bei Elefant, Eisbär und Co.
Die Guten kommen in den einen Eimer, die weniger Guten in den anderen. Um kurz nach 7 steht Tierpflegerin Ildiko Paxon schon in Gummistiefeln in der "Futterwirtschaft". Ein paar Meter entfernt hängt ein Viertel Rind am Haken. Im Kühlraum nebenan lagert eine Eisscholle, selbst hergestellt mit eingefrorenen Fischen darin. Damit werden die Pinguine eine Weile beschäftigt sein.


Ildiko Paxon nimmt jede Sardine einzeln in die Hand. Pinguine sind wählerisch, sie fressen nur die unversehrten Fische. Anders die Eisbären: Die verschlingen auch Tierisches, das nicht mehr ganz so appetitlich ausschaut. Dafür sind die Zoo-Eisbären heikel mit Nahrung, an der noch Fell ist, sagt Florian Hundshammer. Er ist Tierpfleger und Teamleiter in der "Polarwelt" und führt die AZ herum, als der Tierpark erwacht. Besucher sind noch keine da. Die Kassenhäuschen öffnen erst in zwei Stunden.
Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Man hört keine Bimmelbahn und kein Kinderlachen, stattdessen lautes Vogelzwitschern und das Quaken der Frösche. In Hellabrunn haben sich auch viele heimische Tierarten angesiedelt, ganz freiwillig.



Eisbärmädchen Nanook wirkt um Viertel nach 7 noch ganz verschlafen. Sie liegt auf einem Felsen, dreht nur den Kopf nach den Reportern. Danach muss sie sich erst mal ausgiebig recken und strecken, bleibt dabei aber liegen.
Überhaupt nicht tiefenentspannt ist dagegen der Schnee-Eulen-Mann im Vogelgehege gegenüber. Er warnt seine Schnee-Eulen-Frau lautstark vor den frühen Besuchern. "Sie sitzt auf dem Nest", erklärt Hundshammer – sie brütet. In ein paar Minuten wird Tierpflegerin Sophia vorbeischauen. Bei ihr wird der Eulen-Mann ganz zahm, ihr frisst er sogar durch die Maschen des Geheges aus der Hand.
Die Wege sind menschenleer und wie geleckt, Kioske und Buden noch geschlossen. Doch hinter den Kulissen herrscht reges Treiben. Für einige hat die Schicht schon um 6 begonnen.


"Wenn wir anfangen, heißt es erst mal ackern", sagt Elefantenpflegerin Luisa Welzel (25). Das bedeutet: Mist wegschaufeln. Ihr Kollege Robert Ostermeier (53) rechnet mal eben durch: Ein Elefant frisst rund 80 bis 100 Kilo Pflanzenmaterial, mal fünf macht das 400 bis 500 Kilo. Davon verwerten die Tiere aber nur etwa zwei Drittel – macht... ganz schön viel Mist jeden Tag.
Aber so ist es halt. Ostermeier liebt seinen Beruf. 1994, als Elefantenbulle Gajendra (33) nach Hellabrunn kam, hat auch er im Elefantenhaus begonnen. "Er ist mei Bua. Wir sind schon über ein halbes Leben beinander", erzählt er der AZ.



Das Großreinemachen haben die Tierpfleger heute schon erledigt, zu dritt. Nun kommt ihre Belohnung: das Training. Während Ostermeier den Elefantenbullen mit dem Wasserschlauch abspritzt, gibt Luisa Welzel die Befehle: "Hinten Fuß!", "Vorne Fuß!" und "Lay down!", sagt sie ruhig. Der Elefant hört vorbildlich – viel besser als die meisten Hunde.
Das Training ist Beschäftigung und Gesundheitscheck zugleich. Popo, Füße, Zähne – die Pfleger schauen, ob alles passt. Direkt nach der Dusche suhlt sich Gajendra wieder ausgiebig im Sand. Die Schicht aus Sand und Schlamm schützt seine Haut vor Austrocknung und Insekten.


Derweil ist Lukas Schenk im Yak-Gehege noch am Saubermachen. Vorhin hat er nach den Elchbabys geschaut. Später soll das Geschlecht der Zwillinge bestimmt werden. Praktisch, dass sich Mama Elch mit ihren Kleinen schon in den hinteren Bereich des Geheges verzogen hat.
Schenk mag die morgendliche Stille. "Es ist die schönste Zeit." Der 27-Jährige fetzt mit Schubkarre, Schaufel und Besen übers Gelände. Auch wenn die zotteligen Rinder nicht ganz mit den Elefanten mithalten können: "Die Yaks machen auch sehr große Haufen", sagt er.

Um 9.30 Uhr lässt der Tierpfleger die Yaks wieder aus dem Stall. Als er die Stimmen der ersten Tierparkbesucher hört, hat er schon drei Stunden körperliche Arbeit hinter sich. Zeit für die Kaffeepause. Die hat er sich verdient!
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