Weniger Narben, schneller gesund: Hightech-Neuerung soll in Bogenhausen Patienten vieles ändern

Die chirurgischen Techniken in München entwickeln sich rasant: kleinere Narben, schnellere Genesung.
Als erste Klinik in Deutschland – und als zweite neben Barcelona in Europa – operiert das Klinikum Bogenhausen Patienten mit dem neuen Roboter „Shurui“ – eine große Maschine, die mitten im OP-Saal steht. Sie wurde extra aus China eingeflogen.
Wichtig zu wissen: Die Nebenniere oder einen Speiseröhrenkrebs operiert nicht der Roboter, sondern es sind die Chirurgen im Klinikum. „Niemand muss Angst haben. Es passiert nichts automatisiert. Der Mensch hat bei der OP immer die Kontrolle“, erklären Mediziner in Bogenhausen im Gespräch mit der AZ. Der Roboter der neuen Generation wirke als „verlängerter Arm“ – und ermögliche Präzisionsarbeit, die menschliche Hände allein nicht leisten.

Das Besondere für Patienten in München: „Über nur einen einzigen, drei Zentimeter langen Schnitt, gelangen Kamera und die schlangenartigen Instrumente in den Körper“, sagt Professor Johannes Bodner (Single-Port-Technik). Im Vergleich dazu werden bei der konventionellen minimalinvasiven OP-Technik bis zu fünf kleine Schnitte in den Körper benötigt.

Vorteil der Technik: Weniger Blutverlust und schnellere Wundheilung
Der Chirurg und Chefarzt ist auf komplexe Lungenoperationen bei Krebspatienten spezialisiert. Mit Schlüssellochtechnik entfernt er regulär Teile der Lunge. Seit einem Monat nun auch mit Roboter „Shurui“. In einer Ecke des OP steht eine große Konsole. „Ich sitze daran und steuere den Eingriff fern vom Patienten, schneide mit der Schere, veröde Gefäße. Die Kamera liefert mir 20-fach-vergrößerte 3D-Bilder“, so der Mediziner.
Die Ärzte der städtischen München Klinik fasziniert die neue Technik. Patienten bringe ihr Einsatz weniger Blutverlust und schnellere Wundheilung. Knapp 20 Patienten in Bogenhausen wurden bislang mit der neuen Technik operiert.

Die neue Technik steht allen zur Verfügung
Muss die roboterassistierte Behandlung mit „Shurui“ privat bezahlt werden? Thorax-Chirurg Professor Johannes Bodner informiert: „Wir sind eine kommunale Klinik. Die neue Technik steht allen zur Verfügung. Es gibt eine Warteliste. Anders, als wenn man sich herkömmlich minimalinvasiv operieren lässt.“

Chirurgie ist etwas für Hirn, Herz, Hand – und die Füße
Im 40 Quadratmeter großen OP-Saal sitzt sein Kollege im türkisen Kasack an der mächtigen Konsole und steuert die Kamera: „Ein Philosoph meinte: Chirurgie ist etwas für Hirn, Herz und Hand. Das reicht nicht mehr aus. Jetzt kommen die Füße dazu“, sagt Professor Ayman Agha, Chefarzt der Allgemein- und Bauchchirurgie in Bogenhausen.
Er zeigt auf vier gelbe und blaue Pedale am Gerät. „Das ist jetzt wie beim Pilot, beim Fliegen. Links kann ich noch zoomen und über die Sprechanlage mit meinem Team sprechen. Ich bin sehr zufrieden mit der Innovation.“ Er hat schon über 1000 reguläre minimalinvasive OPs gemeistert. "Der neue Roboter ist wichtig", sagt er: "Man braucht Mut, muss aber auch die Grenzen kennen". Nach einem Monat Übung beherrscht er das innovative Instrument.
Erst seit einem Jahr operieren die Chefärzte nicht mehr im Keller
Die mehr als 15 OP-Säle in Bogenhausen sind hochmodern. Erst seit einem Jahr operieren die Chirurgen nicht mehr im Keller. Sie sind umgezogen in den Klinik-Neubau – „endlich zwischendurch Tageslicht!“, sagt Professor Johannes Bodner. Die Innovation, in München patientenschonender zu operieren, sei ihm „eine große Freude“.