Weltstars in München: Dieses Theater feiert sein 130-jähriges Bestehen

Das Deutsche Theater feiert heuer sein 130-jähriges Bestehen. Die AZ blickt zurück auf die bewegte Geschichte des Hauses an der Schwanthalerstraße – vom glanzvollen Debüt 1896 über vom Krieg geprägte Jahre bis zum Siegeszug der Musicals
Jan Krattiger |
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1982: Der Theatersaal des Deutschen Theaters mit Blick zur Bühne, nach der Sanierung.
1982: Der Theatersaal des Deutschen Theaters mit Blick zur Bühne, nach der Sanierung. © Deutsches Theater / Gert Krautbauer

"Mit einem Paukenschlag" hob sich der Vorhang des Deutschen Theaters im Jahr 1896, so erzählt es die hauseigene Chronik anlässlich des 130-jährigen Bestehens des Hauses an der Schwanthalerstraße.

Der Ballsaal im Jahr 1996, spektakulär dekoriert von Rolf Zehetbauer.
Der Ballsaal im Jahr 1996, spektakulär dekoriert von Rolf Zehetbauer. © Werner Janoud

Seit Eröffnung des Hauses ist es die Münchner Faschingshochburg. Neben dieser Konstante hat das Haus eine sehr wechselhafte Geschichte. 1929 zum Beispiel sollte die US-amerikanische Revuetänzerin Josephine Baker auftreten, was die Münchner Behörden dem Theater aber untersagten – ein Vorbote der kommenden Jahre unter der Herrschaft der Nationalsozialisten.

130 Jahre Deutsches Theater München: Fasching, Revue, Musical

Peter Kreuder und die „Tiller Girls“ im Jahr 1921.
Peter Kreuder und die „Tiller Girls“ im Jahr 1921. © Archiv Ingrid Kreuder

Karl Valentin, Zerstörung 1943, Musical-Ära

In den 30er-Jahren waren auch Karl Valentin und Liesl Karlstadt in vielen Stücken zu sehen, zum Beispiel in einer Parodie auf die Riemer Rennwochen oder als "Raubritter von München".

Liesl Karlstadt und Karl Valentin in einer Parodie auf die Riemer Rennwochen 1938.
Liesl Karlstadt und Karl Valentin in einer Parodie auf die Riemer Rennwochen 1938. © Deutsches Theater

1935 wurde der damalige Theaterleiter Hans Gruß gefeuert, weil er Stücke von jüdischen Autoren im Deutschen Theater aufführte und wegen "finanzieller Probleme", wie das Deutsche Theater auf seiner Webseite schreibt. Auf ihn folgte Paul Wolz, der die Mischung aus Revue und Varieté auch während des Zweiten Weltkriegs fortführte.

Blick in den am 9. März 1943 von Bomben zerstörten Zuschauerraum. Wo einst die Gäste saßen, nur noch Trümmer.
Blick in den am 9. März 1943 von Bomben zerstörten Zuschauerraum. Wo einst die Gäste saßen, nur noch Trümmer. © Archiv Dr. Kurt Plapperer

1943 wurde das Theater von Bomben zerstört, 1951 hat es nach einer "notdürftigen Renovierung" wiedereröffnet. Die Epoche der Musicals beginnt, "West Side Story" ist ein erster Exporterfolg vom New Yorker Broadway.

Maximilian Schell führte im Jahr 1968 bei Hamlet Regie und spielte auch selbst die Hauptrolle.
Maximilian Schell führte im Jahr 1968 bei Hamlet Regie und spielte auch selbst die Hauptrolle. © Felicitas Timpe

Teure Sanierung und große Erfolge

In den folgenden Jahrzehnten geben sich Stars wie Harald Juhnke oder Marcel Marceau die Klinke in die Hand, aber auch klassisches Sprechtheater hat hier seinen Platz. 1968 zum Beispiel gibt Maximilian Schell als Regisseur auch gleich selbst den Hamlet. 1977 beschließt der Stadtrat dann eine ordentliche Sanierung, die anstatt der ursprünglich geplanten sechs Monate ganze fünf Jahre in Anspruch nimmt. Die Kosten explodieren, statt drei Millionen kostet sie 54 Millionen Mark.

David Copperfield sorgte im Jahr 1993 bei seiner Europapremiere im Deutschen Theater für magische Momente.
David Copperfield sorgte im Jahr 1993 bei seiner Europapremiere im Deutschen Theater für magische Momente. © Archiv Deutsches Theater

1983 feiert das Deutsche Theater den ersten Europa-Auftritt des Magiers David Copperfield, außerdem sind große Musicals, Tanztheater, Ballett, Operette und Shows zu sehen.

Ein Beispiel: Die deutsche Schauspiel-Legende Mario Adorf war 1995 mit seinem Programm "Al Dente" zu Gast, die große Silvesterfeier 1983/1984 schmiss Udo Jürgens gemeinsam mit dem Schweizer Pepe-Lienhard-Show-Orchester.

Der Münchner Hugo Strasser, hier 1986 fotografiert, prägte mit seinem Orchester ab den 1950er Jahren die Ballsaisons im Deutschen Theater.
Der Münchner Hugo Strasser, hier 1986 fotografiert, prägte mit seinem Orchester ab den 1950er Jahren die Ballsaisons im Deutschen Theater. © Helmut F. Röhrig

Eine erneute Zäsur im Jahr 2003: Der Stadtrat rechnet mit 119 Millionen Euro Sanierungskosten für das Deutsche Theater und will es verkaufen. Nach einem Bürgerbegehren beschließt die Stadt eine Notsanierung. Der Verkauf gestaltet sich schwierig, das Haus bleibt in städtischem Besitz, bis heute.

Eine Szene aus dem Musical „My Fair Lady“ mit Richard Chamberlain (re.) und Meg Tolin im Jahr 1994.
Eine Szene aus dem Musical „My Fair Lady“ mit Richard Chamberlain (re.) und Meg Tolin im Jahr 1994. © Archiv Deutsches Theater

In den 2000er-Jahren macht das Haus künstlerisch Schlagzeilen, zum Beispiel mit der "Palast Revue" von Max Raabe, mit Musicals wie "Tanz der Vampire" oder dem Musical zum Bully-Film "Der Schuh des Manitu", das in München Premiere feierte.


Im Anschluss an die Premiere von "Der Glöckner von Notre Dame" am 7. Oktober feiert das Deutsche Theater mit den Gästen die eine Premieren- und Geburtstagsparty

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