Weil Krawatte fehlt: Anwalt ist raus

Der Ex-Stadtrat Bernhard Fricke wird von einem Amtsrichter aus dem Sitzungssaal gewiesen, weil er ohne Schlips erschienen ist. Jetzt kämpft er gegen das Auftrittsverbot.
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Bernhard Fricke
Martha Schlüter Bernhard Fricke

 

Der Ex-Stadtrat Bernhard Fricke wird von einem Amtsrichter aus dem Sitzungssaal gewiesen, weil er ohne Schlips erschienen ist. Jetzt kämpft er gegen das Auftrittsverbot.

MÜNCHEN Früher saß Bernhard Fricke für „David gegen Goliath“ im Stadtrat. In München kennt man ihn als Baumbesetzer und streitbaren Tierfreund. Jetzt hat der Rechtsanwalt Ärger – mit Amtsrichter Thomas M. (52). Der Richter hat Fricke aus dem Gericht verwiesen, weil der ohne Krawatte erschienen ist.

Fricke empört: „Ich habe dann im Justizzentrum jemanden gesucht, der mir seine Krawatte leiht. Der nette Herr Wachtmeister an der Pforte gab mir seine. Die war zwar grün, aber ich hatte eine Krawatte.“ Ein ihm bekannter Richter sah ihn dann und hatte Mitleid: „Er lieh mir seine weiße Krawatte.“

So kehrte Fricke zurück ins Verfahren um gefährliche Körperverletzung: „Das war lächerlich. Die Frage war, ob ein Ei, dass mein Mandant geworfen hat, ein gefährliches Werkzeug ist.“ Er ging noch vor dem Prozess-Ende. Fricke: „Der Verhandlungsstil war unmöglich. Ich habe den Saal verlassen, den Fall meinem Kollegen überlassen.

Ich weiß, dass mein Mandant verurteilt wurde, obwohl das Ei niemanden getroffen hat.“ Fricke reagierte gereizt auf den richterlichen Krawatten-Zwang: „Ich besitze nicht einmal eine. Das war mein erstes Auftrittsverbot in meiner 30-jährigen Strafverteidigerzeit.“ Es war kein guter Tag für ihn: „Ich war durch meine vielfältigen Aktivitäten am 26. Tschernobyl-Jahrestag nicht in einer sehr ausgeglichenen Stimmung und hätte leicht meine Contenance verlieren können.“

Für einen wie Fricke ist der Fall noch lange nicht erledigt. Wer ihn kennt, der weiß, dass er kein leichter Gegner ist: „Ich werde dieses entwürdigende Auftrittsverbot unter allen rechtlichen Gesichtspunkten einer Prüfung unterziehen und dazu den Gerichtspräsidenten, die Rechtsanwaltskammer, den Anwaltsverein und den Bundesverband der Strafverteidiger einschalten.“

Ihm sei bekannt, dass vor vielen Gerichten Robenzwang bestehe, aber selbst darauf werde man hin und wieder verzichten. Bleibt nur die Frage: Wie hat Fricke den Amtsrichter M. nur so verärgert, dass dieser ihn wegen einer fehlenden Krawatte gerügt hat? Der Richter ist bekannt für einen eher lockeren Verhandlungsstil. Nach AZ-Information kam Fricke verspätet zum Prozess.

 

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