Weil die Straße zugeparkt ist: Seit Wochen bleibt hier in München der Müll liegen
Als der Müll in der Großvenedigerstraße im Januar zum ersten Mal nicht abgeholt wurde, dachten sich Tatjana K. und ihre Schwiegertochter Evelina M. zunächst nichts dabei. Doch auch in den Wochen danach blieben die Tonnen stehen. Die Müllcontainer quollen über, Anwohner stapelten volle Müllsäcke in ihren Garagen oder auf dem Gehweg.
Straße wegen Gehwegpark-Verbot zu eng
Der Grund: Weil inzwischen durch das Gehwegparken-Verbot deutlich mehr Autos auf der Fahrbahn stehen, – also dort, wo sie laut Gesetz hingehören – passen die Müllfahrzeuge nicht durch und die Tonnen bleiben ungeleert in der Großvenedigerstraße stehen.
Die AZ trifft Tatjana K. an einem verregneten Mittwoch vor ihrem Haus. Sie wirkt erstaunlich gut gelaunt. "Wir haben uns fast totgelacht", sagt sie zur Begrüßung. Kurz vor dem Besuch der Reporterin habe ein kleiner weißer Transporter die Restmülltonnen geleert. Ob das mit einer Anfrage zusammenhängt, die die AZ tags zuvor an den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) geschickt hatte? Möglich wär´s. Später fährt der Miniwagen erneut vorbei und holt auch den Biomüll ab, schreibt K. später per WhatsApp und schickt ein Beweisfoto. Der AWM bestätigt auf Anfrage, dass der Müll an diesem Mittwoch mit dem Mini-Fahrzeug "erfolgreich geleert" wurde.

AWM versucht, Situation zu entschärfen
Davor allerdings waren die Tonnen drei Wochen lang nicht geleert worden. Tatjana K., ihre Schwiegertochter und weitere Anwohner wandten sich mehrfach an Mobilitätsreferat, AWM und Bezirksausschuss. Einige Schreiben liegen der AZ vor.
Dem AWM ist das Problem seit Monaten bekannt. "Die zuständige Einsammelpartie versucht wiederholt, die Straße anzufahren und die Tonnen zu leeren, was jedoch nicht immer gelingt. Das bedeutet einen erheblichen logistischen Mehraufwand und eine zusätzliche Belastung für die Partien", erklärt eine Sprecherin auf Anfrage

Mitte März verschickte der Betrieb ein Schreiben an die Anwohner, das der AZ vorliegt. Darin bittet der AWM darum, "die Straße nicht beidseitig zu verparken". Eine Durchfahrtsbreite von drei Metern müsse frei bleiben, "bei wechselseitig versetztem Parken eine Lücke von mindestens sechs Metern". Ein Versuch, die Anwohner "zu sensibilisieren", wie der AWM die eigene Maßnahme beschreibt.
Darüber kann K. nur den Kopf schütteln. Das habe wenig gebracht, sagt sie. Schließlich parkten dort auch Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen, oder Besucher des nahen Michaelibads. Für sie ist klar: "Die Lösung wäre, dass die Parksituation so ist, dass die Müllabfuhr durchkommt."
Noch deutlicher formuliert es Evelina M.: "Wir wünschen uns, dass die Stadt ein dauerhaftes Halteverbot erlässt."

Mobilitätsreferat ebenfalls involviert
Auch das Mobilitätsreferat versucht inzwischen, das Problem in den Griff zu bekommen. Von Anfang April an wurden für drei Wochen mobile absolute Haltverbote auf einer Seite aufgestellt, "um den Autofahrer*innen eine rechtskonforme Parkordnung aufzuzeigen, die sie bestenfalls auch danach, also nach Entfernung der Schilder, dauerhaft beibehalten", teilt das Referat mit.
Das Halteverbot hat gut funktioniert, sagt K. Der Müll wurde in dieser Zeit wie gewohnt abgeholt. Doch kaum war das temporäre Parkverbot weg, war die Straße auch schon wieder zugeparkt. Der Wunschfall des Mobilitätsreferats trat nicht ein.

Während des AZ-Besuchs trudelt eine Mail des Mobilitätsreferats bei Tatjana K. und Evelina M. ein. Die AZ hatte am Vortag ebenfalls eine Anfrage gestellt. Darin teilt das Referat mit, man arbeite bereits seit Ende April "an einer neuen – dauerhaften – Lösung", die sich "auch an den Parkbedürfnissen der Anwohner*innen orientiert". An die AZ schreibt das Referat, dass sich nicht nur daran, sondern auch "an anderen Belangen, beispielsweise jenen der Rettungskräfte oder des Straßenbaulastträgers" orientiert werden muss. Aus diesem Grund sei "eine dauerhafte Lösung leider nicht sofort umsetzbar".
Nach "verwaltungsinterner Prüfung" wäre ein "einseitiges halb aufgesetztes Gehwegparken vorstellbar" mit einer verbleibenden Restbreite von 1,80 bis zwei Metern, heißt es in der E-Mail an K. Doch dazu brauche es die Erlaubnis vom Baureferat – und die stehe noch aus.
Bis dahin sollen mobile einseitige Haltverbote helfen – allerdings nur an den Müllabfuhrtagen und zu den jeweiligen Leerungszeiten. Diese Übergangslösung soll bis Mitte Juli gelten, heißt es außerdem in der E-Mail an K.
“Wir waren wirklich geduldig und werden die ganze Zeit nur vertröstet”, sagt K. Mit Sorge blickt sie auf die wärmeren Tage. "Müll steht ganz klar vor Parken."

Offenbar ist eine Leerung trotz der engen Straße zumindest teilweise möglich – das zeigte sich schließlich beim Besuch der AZ. Das weiße Spezialfahrzeug sei besonders schmal, so eine AWM-Sprecherin auf Anfrage. Jedoch werde dieses "bezirksweit benötigt" und komme "aufgrund der Parksituation" trotzdem nicht immer durch.
Die Anwohner werden laut Mobilitätsreferat zeitnah vom AWM durch einen Flyer über die geplante Zwischenlösung informiert. Für die Anwohner der Großvenedigerstraße bleibt zu hoffen, dass daraus eine dauerhafte Lösung entsteht.
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