Wegen neuem Bußgeldkatalog: Parknot am Friedhof

Grund ist der neue Bußgeldkatalog: Aus Angst vor einem Punkt und Führerscheinverlust stellen Grabpfleger ihre Arbeit ein. Ein AZ-Leser fordert jetzt eine Sonderregelung von der Stadt.
| Emily Engels
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Idyllische Ruhestätte: Der Winthirfriedhof in Neuhausen
Petra Schramek Idyllische Ruhestätte: Der Winthirfriedhof in Neuhausen

München - Eigenständig kann Reinhard Maximilian Kraus (73) das Grab seiner Eltern am Winthirfriedhof nicht mehr pflegen. Seit der Münchner einen Unfall hatte, schafft er es körperlich einfach nicht mehr selbst – und hat deshalb eine Münchner Friedhofsgärtnerei dazu beauftragt.

Doch nun hat er einen Brief von der Gärtnerei bekommen: Sie müssten ihre Arbeit auf dem Friedhof "mit sofortiger Wirkung" einstellen, steht darin. Der Grund: Der neue Bußgeldkatalog, in dem auch Falschparken strenger geahndet wird – und mit einem Punkt bestraft werden kann.

Friedhofsgärnter können nicht parken

Für Gärtner gibt es am Friedhof keine Parkmöglichkeit oder Sondergenehmigung, auch Handwerkerausweise stehen Gärtnern nicht zu. In dem Schreiben der Gärtnerei an Kraus steht: "Da wir unsere Führerscheine benötigen und die Strafen für das Parken am Gehsteig oder in zweiter Reihe sehr hoch geworden sind, können wir die Grabpflegen am Friedhof Neuhausen (Winthirfriedhof) nicht fortführen." Die Gärtnerei selbst möchte ihren Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie sei mit der Stadt im Gespräch.

Idyllische Ruhestätte: Der Winthirfriedhof in Neuhausen
Idyllische Ruhestätte: Der Winthirfriedhof in Neuhausen © Petra Schramek

Auch Kraus hat bereits Kontakt mit der Stadt aufgenommen. Er hat die Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs (parteilos) angeschrieben – und sie dazu aufgefordert, den Gärtnern ein kostenfreies Parken rund um den Friedhof zu gestatten.

Das RGU kennt das Problem

"Es kann nicht der Sinn sein, die Friedhofskultur in München mit Parkgängeleien für Gewerbetreibende zu zerstören", beschwert er sich in dem Schreiben. Zumal auf dem kleinen einstigen Dorffriedhof viele Münchner Prominente und Persönlichkeiten ruhen. Darunter der Schöpfer der Bavaria, Ferdinand von Miller (1813-1887) und sein Sohn, der Gründer des Deutschen Museums, Oskar von Miller (1855-1934). Der Erzieher König Ludwigs I. Joseph Anton Sambuga (1752-1815), der AZ-Kolumnist und Schriftsteller Sigi Sommer (1914-1996), der Schauspieler Jörg Hube (1943-2009) oder der Bildhauer Johann Baptist Stiglmaier (1791-1844).

Und auch der ehemalige Chef des Kreisverwaltungsreferates (KVR), Hans-Peter Uhl, wurde dort vor wenigen Monaten begraben. Kraus: "Es ist ein sehr idyllischer Friedhof. Und jetzt lässt die Stadt zu, dass er verlottert."

Da Kraus bis heute noch keine Antwort vom Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) erhalten hat, hat die AZ nachgehakt. Das RGU bestätigt das Problem. "In der unmittelbaren Nähe zum Friedhof Neuhausen sind leider nur sehr wenige Parkplätze vorhanden. Diese werden vor allem von Anwohnern genutzt und sind daher belegt", schreibt es der AZ.

Ladezone soll Abhilfe schaffen

Dem RGU und den Städtischen Friedhöfen sei es aber ein Anliegen, Gewerbetreibenden das Parken zu erleichtern. "Daher haben wir das Kreisverwaltungsreferat (KVR) um Unterstützung gebeten und eine Ladezone für den Friedhof Neuhausen beantragt", schreibt das RGU weiter.

Das bedeutet, dass auf einer gekennzeichneten Fläche das Be- und Entladen von Fahrzeugen künftig erlaubt sein wird. Der Antrag für eine Ladezone vor dem Neuhauser Friedhof wird gerade vorbereitet. Wo genau die Parkplätze liegen würden und wie lange Gärtner und Steinmetze parken dürften, muss noch mit dem KVR abgestimmt werden.

Lesen Sie hier: Rathaus-CSU will öffentliche Boulderanlagen in der Stadt

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