"Blutrot": Bekennerschreiben zu Farbangriff auf US-Konsulat aufgetaucht

Eine neu formierte linke Gruppe hat das US-Konsulat in der Maxvorstadt mit roter Farbe beschmiert. Sie will mit der Aktion ihre Ablehnung des Iran-Kriegs zeigen. Die Polizei nimmt einen Aktivisten fest.
von  AZ/dpa
US-Generalkonsulat
US-Generalkonsulat © Daniel von Loeper

Sie bezeichnen sich als die Nachfolge-Organisation der Letzten Generation und als Gerechtigkeitsbewegung: Das Widerstandskollektiv. Wie viele Mitglieder die Gruppe hat, ist unklar. Klar ist, dass sie sich zu einem roten Farbanschlag bekannt hat, der am Freitagabend (23. April) kurz vor 18 Uhr am US-Konsulat an der Südspitze des Englischen Gartens stattgefunden hat. 

Offenbar aus Protest gegen den Iran-Krieg haben die Aktivisten die Pforte des US-Konsulats in München mit roter Farbe beschmiert, "blutrot", wie sie es selbst im Bekennerschreiben nennen, das auch der Abendzeitung vorliegt. Darin wird der US-Krieg als völkerrechtswidrig eingeordnet. Die Rede ist von einer "aggressiven Intervention der US-Regierung". 

Die Gruppe Widerstandskollektiv argumentiert und rechtfertigt den Farbanschlag weiter: "Nach dem Motto ‚selber machen‘ sind wir hier stellvertretend für einen Bundeskanzler, der nicht die Eier hat, den US-Botschafter einzubestellen.“ Was genau die Gruppe an die Pforte geschrieben hat, ist kaum zu lesen. Lediglich beim ersten Buchstaben ist ein "A" zu erahnen.

"Ziemlich sicher nicht mit Spraydose besprüht"

Laut Polizei ist die Farbe ziemlich sicher nicht mit Spraydose angebracht worden. "Es sieht eher danach aus, als ob man aus einer Flasche oder etwas Ähnlichem die Farbe herausgespritzt hat", sagte ein Polizeisprecher. 

Im Bekennerschreiben steht weiter: "Die aktuelle Kriegstreiberei, die den ganzen nahen Osten in ein Pulverfass verwandelt und Zehntausende Menschen getötet und Hunderttausende ins Elend getrieben hat, kann nicht einfach so hingenommen werden." Man befinde sich in einer absurden Situation, dass ein Kriegseintritt auf der Seite des Iran wegen der Völkerrechtswidrigkeit legitim wäre, so die Gruppe. 

Ein Mann sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Es handelt sich dabei mutmaßlich um den Mann, der die Farbe angebracht hat. Nach der Festnahme und der Feststellung der Identität ist der Mann nach einer Anzeige wegen Sachbeschädigung wieder freigelassen worden. Es handelt sich um einen 24-Jährigen aus München. Der Staatsschutz sei hinzugezogen worden.

Zentrales Thema der Aktivisten scheint weiterhin Klimaschutz zu sein

Klimawandel scheint eigentlich das zentrale Thema der Gruppe zu sein, die sich zu dem Anschlag bekannt hat. Das Widerstandskollektiv hat sich offenbar auf die Fahnen geschrieben, nun aktiv gerechten Klimaschutz zu betreiben. Die Gruppe findet es offenbar sinnlos, die Bundesregierung an dieser Stelle unter Druck zu setzen. Sie sei schlicht unwillig, etwas zu bewegen, so die Argumentation. 

Am Ende ihres Bekennerschreibens kündigt das Kollektiv bereits weitere Aktionen an: "Durch ungehorsame Versammlungen sollen Konzernzentralen, Flughäfen oder Baustellen besetzt werden. Umweltschäden werden direkt verhindert, etwa durch die Stilllegung klimaschädlicher Anlagen oder das öffentliche Bloßstellen von klimaschädlichen Konzernen."

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