Wegen Andechser am Dom Abriss: CSU-Brandbrief an Baron von Finck - "Spielen Sie nicht Monopoly!"

Die CSU in der Altstadt will sich mit dem Aus für den Andechser nicht abfinden - und packt Eigentümer von Finck dafür bei der Ehre.
| Florian Zick
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Aus, Schluss, vorbei: Ende Juni muss der Andechser am Dom zusperren. Doch so einfach will die CSU in der Altstadt nicht aufgeben.
Daniel von Loeper, dpa Aus, Schluss, vorbei: Ende Juni muss der Andechser am Dom zusperren. Doch so einfach will die CSU in der Altstadt nicht aufgeben.

Die CSU in der Altstadt will sich mit dem Aus für den Andechser nicht abfinden - und packt Eigentümer von Finck dafür bei der Ehre

München - Die CSU gründet natürlich auf vielen Werten. Aber man tut dieser Partei sicher kein Unrecht, wenn man behauptet: zwei davon sind Unternehmertum und das gemeinsame Bier im Wirtshaus.

Bis jetzt gab es zwischen diesen beiden Werten keinen Konflikt. Im Gegenteil: Wer würde Wirten schon die Geschäftstüchtigkeit absprechen? Und wenn das bedeutet, dass man in manchem Innenstadtlokal auch mal 4,90 Euro für eine Halbe Helles zahlen muss - mei, dann ist das halt so.

Nun scheint sich jedoch der Turbokapitalismus über die Münchner Altstadt herzumachen : Der Andechser am Dom muss Ende Juni schließen. Die Nymphenburg Immobilien AG, die zum weit verzweigten Firmengeflecht des schwerreichen August Baron von Finck gehört, will auf dem Grundstück neu bauen. Für die Traditionsgaststätte ist am Dom dann kein Platz mehr.

Die CSU beklagt die zunehmende Kommerzialisierung

Unternehmertum schön und gut - aber das ist der CSU dann doch zu viel. Der am meisten von dem Wirtshausschwund betroffene Ortsverband, die Altstadt-CSU, hat deshalb nun einen Brandbrief an Baron von Finck verfasst.

Die Lokalpolitiker beklagen darin, dass die Münchner City "immer mehr von einer lieblosen und austauschbaren Kommerzialisierung geprägt" sei. Denn was werde auf den Andechser vermutlich schon nachfolgen? Wohl doch wieder bloß die Outlet-Stores der immer gleichen Großmarken.

Die CSU appelliert deshalb an das gute Gewissen des adeligen Milliardärs. "Bitte handeln Sie mit Herz und Verstand für unsere Stadt München und spielen Sie kein Monopoly mit uns", steht in dem Brief an August von Finck.

Die CSU in der Altstadt ist auch deshalb so alarmiert, weil neben dem Andechser auch noch andere Wirtshäuser in Gefahr sind.

Zwar spricht der öffentlichkeitsscheue Baron nicht über seine Pläne. Bei der CSU befürchtet man aber, dass die Nymphenburg Immobilien AG in ihren Häusern grundsätzlich keine Lokale mehr haben möchte.

Der Franziskaner in der Residenzstraße zum Beispiel gehört auch zum Finck'schen Imperium. Da halten sich schon länger Gerüchte über eine bevorstehende Schließung. Wirt Edi Reinbold hat sich vorsorglich deshalb schon mal den Löwenbräukeller am Stiglmaierplatz gesichert (AZ berichtete).

Die Altstadt-CSU sieht dadurch das Münchner Lebensgefühl bedroht. "Möglicherweise ist Ihnen gar nicht bewusst, welche Auswirkungen Ihre Immobilien-Entscheidungen auf die Lebensqualität in der Münchner Innenstadt haben", steht in dem Brief an August von Finck.

"Das letzte Hemd hat keine Taschen"

Das Schreiben an den Baron ist im Ton freundlich gehalten. Tatsächlich hat sich bei der CSU aber auch ein gewisser Ärger angestaut. Statt auf seine alten Tage noch mehr Geld scheffeln zu wollen, sollte der 87-jährige von Finck lieber dafür sorgen, dass ihn die Münchner im guten Andenken behalten, findet beispielsweise Armin Gastl, der Chef der Altstadt-CSU.

"Das letzte Hemd hat bekanntlich keine Taschen", sagt Gastl. Reiche Herrschaften wie Baron von Finck hätten es also selbst in der Hand, sich anonym von der Welt zu verabschieden - oder sich zu Lebzeiten ein eigenes Denkmal zu setzen.

Gastl denkt dabei an eine Stiftung. Statt immer nur aufs Forbes-Ranking zu schielen, sollte unter den Wohlhabenden der Stadt grundsätzlich lieber mal ein Wettbewerb entstehen, wer der größte Wohltäter ist, findet Gastl.

Das Schreiben an von Finck ist übrigens als offener Brief angelegt. Bei den vielen Wohnsitzen, die der Baron unterhält, hatte die CSU schlicht keine Ahnung, wohin sie es adressieren sollte.

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