Was Händler zur Bahnhofssanierung in München sagen

Geschäftsleute rund um den Schwammerl am Hauptbahnhof München sind wegen der langjährigen Baustelle angespannt, aber auch zuversichtlich.
| Hüseyin Ince
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen
So sieht die Baustelle rund um den Schwammerl derzeit aus. In einigen Monaten werden hier vier Meter hohe Schall- und Staubschutzmauern errichtet.
Daniel von Loeper 5 So sieht die Baustelle rund um den Schwammerl derzeit aus. In einigen Monaten werden hier vier Meter hohe Schall- und Staubschutzmauern errichtet.
Fritz Wickenhäuser vor seiner Münchner Stubn an der Bayerstraße. Einen großen Umsatzeinbruch befürchtet er derzeit nicht.
Daniel von Loeper 5 Fritz Wickenhäuser vor seiner Münchner Stubn an der Bayerstraße. Einen großen Umsatzeinbruch befürchtet er derzeit nicht.
Der Vorfall hat sich in der Schützenstraße ereignet. (Archivbild)
Daniel von Loeper 5 Der Vorfall hat sich in der Schützenstraße ereignet. (Archivbild)
Angelika Kubern, Filialleiterin der internationalen Apotheke an der Bayerstraße, direkt im Anschluss an die Schalterhalle. Schon jetzt ging Kuberns Umsatz zeitweise bis zu 50 Prozent zurück.
Daniel von Loeper 5 Angelika Kubern, Filialleiterin der internationalen Apotheke an der Bayerstraße, direkt im Anschluss an die Schalterhalle. Schon jetzt ging Kuberns Umsatz zeitweise bis zu 50 Prozent zurück.
Rewe-Inhaber Christian Dell in der Schützenstraße. "Ich fange den Tag häufig mit einem Eimer Wasser an, weil der Eingang verdreckt ist."
Daniel von Loeper 5 Rewe-Inhaber Christian Dell in der Schützenstraße. "Ich fange den Tag häufig mit einem Eimer Wasser an, weil der Eingang verdreckt ist."

München - Fritz Wickenhäuser (74) hat am Hauptbahnhof schon viel erlebt. Seine Familie betreibt im Viertel seit 107 Jahren Hotels und Gasthäuser. Auch ein Autohaus war schon dabei. Den Bahnhof kannte er seit Kindesbeinen. "Alles war zerbombt", erinnert sich Wickenhäuser, "meine Mutter nahm mich immer zu den Gleisen mit und hob mich hoch, damit ich die Dampflokomotiven besser sehen konnte."

Baustelle Hauptbahnhof: Händler rechnet mit Einbußen

Zerbombt ist heute natürlich nichts mehr. Aber seit Montagmittag ist an der Schalterhalle eine jahrelange Baustelle eingerichtet. Wickenhäusers Münchner Stubn an der Bayerstraße ist etwa 150 Meter entfernt. Noch stört das alles nicht. 500.000 Menschen laufen täglich am Bahnhof herum. Und die sogenannte Laufkundschaft ist schließlich essenziell für fast alle Geschäftsleute.

So sieht die Baustelle rund um den Schwammerl derzeit aus. In einigen Monaten werden hier vier Meter hohe Schall- und Staubschutzmauern errichtet.
So sieht die Baustelle rund um den Schwammerl derzeit aus. In einigen Monaten werden hier vier Meter hohe Schall- und Staubschutzmauern errichtet. © Daniel von Loeper

Dennoch ist Wickenhäuser ein wenig angespannt, was die nächsten Jahre betrifft. "Klar, wenn hier 50 Meter in die Tiefe gegraben wird, haben wir enormen Lärm und Dreck. Da könnte der Umsatz schon sinken", sagt Wickenhäuser. Neun Jahre Bauzeit sind insgesamt angesetzt für Schalterhalle und Zweite Stammstrecke. "Aber das glaub ich nicht, das wäre schon sehr zügig", sagt Wickenhäuser, "ich gehe von bis zu 15 Jahren aus."

Wickenhäuser, ein Mann mit Humor, macht noch einen Scherz, um später wieder ernst zu werden: "Vielleicht sollte ich mich zur Frau umwandeln lassen, dann erlebe ich den Neubau noch. Frauen haben ja bekanntlich eine höhere Lebenserwartung", sagt er; und: "aber klar ist auch, hier musste etwas passieren. Die Schalterhalle und die Umgebung ist ein einziges Stückwerk."

Fritz Wickenhäuser vor seiner Münchner Stubn an der Bayerstraße. Einen großen Umsatzeinbruch befürchtet er derzeit nicht.
Fritz Wickenhäuser vor seiner Münchner Stubn an der Bayerstraße. Einen großen Umsatzeinbruch befürchtet er derzeit nicht. © Daniel von Loeper

Händler begrüßen den Neubau der Schalterhalle

So wie Wickenhäuser sehen es offenbar die allermeisten Geschäftsleute im südlichen Bahnhofsviertel. Erst Dienstagabend versammelte sich der ähnlich klingende Verein "Südliches Bahnhofsviertel" im Hotel Cristal von Wickenhäuser. "Wir haben etwa 80 Vereinsmitglieder, 60 kamen.

Friseure, Bars, Cafés, Theater. Alle begrüßen den Neubau der Schalterhalle", sagt Wickenhäuser.

Der Vorfall hat sich in der Schützenstraße ereignet. (Archivbild)
Der Vorfall hat sich in der Schützenstraße ereignet. (Archivbild) © Daniel von Loeper

Hauptbahnhof-Apotheke: Sorge um das Equipment

Deutlich gravierendere Einschnitte als der Stubn-Chef nimmt die internationale Hauptbahnhof-Apotheke in Kauf. Sie muss aus dem Gebäude ausziehen, spätestens Mitte 2020. Danach wird schließlich das ganze Gebäude abgerissen. Doch was die Filialleiterin Angelika Kubern erzählt, ist ernüchternd: "Wir haben nach der Umzäunung der Schalterhalle bis zu 50 Prozent weniger Umsatz", sagt Kubern, "wir werden versuchen, deutlich vor Ende des Pachtvertrages innerhalb des Viertels umzuziehen." Viele der Kunden gelangten wohl über den nun verschlossenen Ost-Eingang des Bahnhofes zur Apotheke.

Kubern sorgt sich aber nicht nur um die Kundschaft. "Wir haben einen 300.000 Euro teuren Roboter im Keller, der alle Medikamente einsortiert und auch hochbefördert", sagt Kubern, "wenn der durch Baustaub beschädigt werden sollte, wäre das eine Katastrophe." Das wolle man verhindern.

Dass die Schalterhalle erneuert werden muss, steht für Kubern außer Frage. Sie hat zuletzt ihre Tochter in Hongkong besucht: "Dort ist alles so fantasievoll gestaltet. Eine Magnetschwebebahn fährt vom Bahnhof zum Flughafen – und man kann bereits am Bahnhof einchecken. Ehrlich gesagt leben wir hier im Vergleich dazu hinterm Mond."

Angelika Kubern, Filialleiterin der internationalen Apotheke an der Bayerstraße, direkt im Anschluss an die Schalterhalle. Schon jetzt ging Kuberns Umsatz zeitweise bis zu 50 Prozent zurück.
Angelika Kubern, Filialleiterin der internationalen Apotheke an der Bayerstraße, direkt im Anschluss an die Schalterhalle. Schon jetzt ging Kuberns Umsatz zeitweise bis zu 50 Prozent zurück. © Daniel von Loeper

Manche erwägen wegen teurer Pacht den Umzug

Auch Rewe-Boss Christian Dell in der Schützenstraße ist überzeugt: Hier muss was passieren. Er kämpft seit Jahren mit dem Trinker- und Drogen-Milieu. "Fäkalien, Müll, Urin... Ich fange den Tag häufig mit einem Eimer Wasser an, weil der Eingang verdreckt ist", sagt Dell, "wenn der Neubau fertig ist, kann das nur besser werden." Woran er fest glaubt: "Je sauberer und aufgeräumter der Bahnhof, desto angenehmer das Umfeld und Milieu."

Menschen meiden Baustellen bekanntlich. Und davon könnte die Schützenstraße bald besonders betroffen sein: auf der einen Seite der Königshof-Neubau, auf der anderen die Schalterhalle. "Es kann sein, dass der Umsatz zurückgeht. Dann müsste ich erst einmal Personal abbauen, so hart das auch ist."

Rewe-Inhaber Christian Dell in der Schützenstraße. "Ich fange den Tag häufig mit einem Eimer Wasser an, weil der Eingang verdreckt ist."
Rewe-Inhaber Christian Dell in der Schützenstraße. "Ich fange den Tag häufig mit einem Eimer Wasser an, weil der Eingang verdreckt ist." © Daniel von Loeper

An Umzug denkt Dell zwar nicht, der Eisverkäufer Marcel Ruhland, der ein paar Häuser weiter steht, hingegen schon. "Ich halte die Augen offen. Falls ich etwas Günstiges entdecken und mein Umsatz einbrechen sollte, ziehe ich um. Die Pacht hier ist wirklich nicht günstig", sagt Ruhland. Offiziell gelte die Schützenstraße nämlich als Bestlage der Stadt.

Lesen Sie hier: Die Schalterhalle am Münchner Hauptbahnhof ist endgültig dicht

Lesen Sie hier: U-Bahnhöfe der Olympialinie - Münchens neue Denkmäler

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren