"War’s das jetzt oder kommt da noch was?": So lief Münchens Silvestermeile für 40 Euro Eintritt

Ein kaltes Lüftchen weht am Silvesterabend über die Ludwigstraße, die sich für einen Abend – und für 40 Euro Eintritt – in eine Partymeile verwandeln sollte. Der Atem der Menschen steht in kleinen Wolken in der Luft.
Vor dem Haupteingang am Siegestor ist der Andrang um halb zehn gering, die Security-Kräfte sind zahlreich und routiniert. Rund 10.000 Besucher sollen gekommen sein, sagt der Veranstalter "Gral“ später – doppelt so viele waren vonseiten der Stadt erlaubt worden.

Besucher bibbert: "Leider ist es sehr kalt"
Einer von ihnen ist Jochen Müller, der extra aus Augsburg angereist ist. "Ein Arbeitskollege hat mich auf das Event aufmerksam gemacht“, sagt er und zieht die Schultern hoch. "Leider ist es sehr kalt, sonst wäre die Stimmung sicher besser.“

Die Livemusik gefällt ihm trotzdem: Die Münchner Urban Brass Band Moop Mama steht da gerade auf der Hauptbühne und hat Mühe, die in dicke Winterjacken eingepackte Meute richtig in Bewegung zu bringen. Dass die Stadt den Platz für eine große Silvesterfeier freigemacht hat, findet Müller richtig: "So was sollte man öfter machen.“
So viel kostet das Bier auf der Silvestermeile
Warm trinken können sich die Münchner bei Bierpreisen zu sechs Euro für 0,4 Liter Giesinger Bräu oder Wein für neun Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber – um es mal positiv zu sehen – dafür herrscht selten reger Andrang an der Getränkebar.
Noch mehr wärmt natürlich so ein Glühwein, den auch Sylvia und Thomas für sich entdeckt haben. Was sie hier erwarten? Ganz einfach: "Spaß”. Und der darf was kosten: "Den Preis von 40 Euro finden wir ok, man darf nicht vergessen, dass hier viele Livebands spielen und Mitarbeiter engagiert sind”, sagt Sylvia (58).

Von vier Bühnen aus werden die Besucher beschallt. Mit je einer Hip-Hop- und Techno-Stage sowie einer Sing-Songwriter-Bühne und der Hauptbühne, ist für viele Geschmäcker etwas dabei. Ein bisschen ist es oft aber so, als hätte einfach jemand das Radio eingeschaltet und es würde irgendetwas im Hintergrund laufen.

Schön anzusehen sind die bewegten Fassadenprojektionen, die die Ludwigskirche und die Fassaden am Geschwister-Scholl-Platz sowie das Siegestor in bunte Farben und Formen hüllen. Das findet auch Sylvia: "Die sind toll.”
Drei Freunde landen zufällig auf der Silvestermeile
Bis kurz vor Mitternacht kommen vereinzelt Gäste über die Abendkasse – an den Zäunen ums Areal tummeln sich Schaulustige. Das Event spricht sich auch am Abend noch herum.
Jakob Hagner (19) und seine Freunde waren in der Gegend essen und suchten spontan eine Gelegenheit zum Feiern: "Viele Silvesterpartys sind schon ausverkauft und deshalb sind wir hierher“, sagt er. "Wir wissen wirklich gar nicht, was uns hier erwartet.” Ein Feuerwerk fände er schön, worauf er allerdings vergeblich hoffen darf.

Eine umweltfreundliche Lichtshow sollte ein Feuerwerk mit Raketen und Krachern ersetzen – für die Besucher der Meile waren eigene Böller und dergleichen sowieso verboten.

Von oben zumindest sieht die Ludwigstraße an diesem Abend wohl aus wie eine Diskothek. Aber auch hier hat der Veranstalter etwas Wetterpech: In der trockenen Luft kommt die Lichtshow nicht wirklich gut zur Geltung. Etwas Nebel hätte geholfen.
Besucherin findet: "Für das Geld war es zu wenig Programm"

"Die Lasershow hätte ich mir größer und spektakulärer vorgestellt”, erzählt Saskia Seibold (30). "Um kurz nach Mitternacht dachte man sich: War’s das jetzt oder kommt da noch was?” Ihr Hauptkritikpunkt ist aber der Preis. Fiona meint: "Für das Geld war es zu wenig Programm. Es war nicht unspaßig, aber für 40 Euro hat es sich nicht gelohnt. Beim Essen war für Vegetarier und Veganer extrem wenig geboten. Für zwei Veggieburger haben wir 23 Euro gezahlt, und die waren nichts Besonderes.” Auch die Toilettensituation fanden sie etwas chaotisch.

Ein fairer Preis? 15 Euro fänden sie. Oder zumindest ein Glas Prosecco aufs Haus. "Ein echtes Highlight hat gefehlt”, fasst Saskia Seibold zusammen.
So bleibt das Event allgemein etwas unter seinen Möglichkeiten, auch wenn die Organisation reibungslos klappt. Als um kurz nach Mitternacht der Partyklassiker "Krawall und Remmidemmi” der Band Deichkind aufgelegt wird, mutet es doch etwas ironisch an. "Yippie yippie yeah, Krawall und Remmidemmi”, dröhnt es aus den Boxen. Im Publikum sieht man: weder noch.
Aber vielleicht ist genau das die Qualität der Silvestermeile: Keiner muss fürchten, dass einem der Arm weggeböllert wird oder die Raketen um die Ohren sausen. Eine ausgelassene Fete ist es in der Disko Ludwigstraße aber eben nicht.