"War’s das jetzt oder kommt da noch was?": So lief Münchens Silvestermeile für 40 Euro Eintritt

Zum ersten Mal seit 25 Jahren lockt wieder eine Silvestermeile ans Siegestor. Organisatorisch läuft es glatt. Doch die Besucher sind nicht alle auf ganzer Linie zufrieden. Ein AZ-Rundgang.
Florian Kraus |
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Eine Lasershow auf der Silvestermeile auf der Ludwigstraße in München.
Eine Lasershow auf der Silvestermeile auf der Ludwigstraße in München. © Florian Kraus

Ein kaltes Lüftchen weht am Silvesterabend über die Ludwigstraße, die sich für einen Abend – und für 40 Euro Eintritt – in eine Partymeile verwandeln sollte. Der Atem der Menschen steht in kleinen Wolken in der Luft.

Vor dem Haupteingang am Siegestor ist der Andrang um halb zehn gering, die Security-Kräfte sind zahlreich und routiniert. Rund 10.000 Besucher sollen gekommen sein, sagt der Veranstalter "Gral“ später – doppelt so viele waren vonseiten der Stadt erlaubt worden.

Die Lasershow auf der Silvestermeile war von Weitem zu sehen.
Die Lasershow auf der Silvestermeile war von Weitem zu sehen. © Florian Kraus

Besucher bibbert: "Leider ist es sehr kalt"

Einer von ihnen ist Jochen Müller, der extra aus Augsburg angereist ist. "Ein Arbeitskollege hat mich auf das Event aufmerksam gemacht“, sagt er und zieht die Schultern hoch. "Leider ist es sehr kalt, sonst wäre die Stimmung sicher besser.“

„Leider sehr kalt“: Jochen Müller aus Augsburg findet, dass die Party unter den frostigen Temperaturen gelitten hat.
„Leider sehr kalt“: Jochen Müller aus Augsburg findet, dass die Party unter den frostigen Temperaturen gelitten hat. © Florian Kraus

Die Livemusik gefällt ihm trotzdem: Die Münchner Urban Brass Band Moop Mama steht da gerade auf der Hauptbühne und hat Mühe, die in dicke Winterjacken eingepackte Meute richtig in Bewegung zu bringen. Dass die Stadt den Platz für eine große Silvesterfeier freigemacht hat, findet Müller richtig: "So was sollte man öfter machen.“

So viel kostet das Bier auf der Silvestermeile

Warm trinken können sich die Münchner bei Bierpreisen zu sechs Euro für 0,4 Liter Giesinger Bräu oder Wein für neun Euro. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber – um es mal positiv zu sehen – dafür herrscht selten reger Andrang an der Getränkebar.

Noch mehr wärmt natürlich so ein Glühwein, den auch Sylvia und Thomas für sich entdeckt haben. Was sie hier erwarten? Ganz einfach: "Spaß”. Und der darf was kosten: "Den Preis von 40 Euro finden wir ok, man darf nicht vergessen, dass hier viele Livebands spielen und Mitarbeiter engagiert sind”, sagt Sylvia (58).

Die Partygäste Sylvia und Thomas finden den Eintrittspreis in Ordnung, schließlich würde ja auch viel geboten.
Die Partygäste Sylvia und Thomas finden den Eintrittspreis in Ordnung, schließlich würde ja auch viel geboten. © Florian Kraus

Von vier Bühnen aus werden die Besucher beschallt. Mit je einer Hip-Hop- und Techno-Stage sowie einer Sing-Songwriter-Bühne und der Hauptbühne, ist für viele Geschmäcker etwas dabei. Ein bisschen ist es oft aber so, als hätte einfach jemand das Radio eingeschaltet und es würde irgendetwas im Hintergrund laufen.

Projektionen auf Gebäuden sollten für gute Stimmung sorgen.
Projektionen auf Gebäuden sollten für gute Stimmung sorgen. © Florian Kraus

Schön anzusehen sind die bewegten Fassadenprojektionen, die die Ludwigskirche und die Fassaden am Geschwister-Scholl-Platz sowie das Siegestor in bunte Farben und Formen hüllen. Das findet auch Sylvia: "Die sind toll.”

Drei Freunde landen zufällig auf der Silvestermeile

Bis kurz vor Mitternacht kommen vereinzelt Gäste über die Abendkasse – an den Zäunen ums Areal tummeln sich Schaulustige. Das Event spricht sich auch am Abend noch herum.

Jakob Hagner (19) und seine Freunde waren in der Gegend essen und suchten spontan eine Gelegenheit zum Feiern: "Viele Silvesterpartys sind schon ausverkauft und deshalb sind wir hierher“, sagt er. "Wir wissen wirklich gar nicht, was uns hier erwartet.” Ein Feuerwerk fände er schön, worauf er allerdings vergeblich hoffen darf.

Jakob (l.), Sebastian (M.) und Felix sind eher zufällig hier gelandet. Die meisten Silversterpartys seien halt ausverkauft gewesen.
Jakob (l.), Sebastian (M.) und Felix sind eher zufällig hier gelandet. Die meisten Silversterpartys seien halt ausverkauft gewesen. © Florian Kraus

Eine umweltfreundliche Lichtshow sollte ein Feuerwerk mit Raketen und Krachern ersetzen – für die Besucher der Meile waren eigene Böller und dergleichen sowieso verboten.

Besucher auf der Ludwigstraße in München.
Besucher auf der Ludwigstraße in München. © Florian Kraus

Von oben zumindest sieht die Ludwigstraße an diesem Abend wohl aus wie eine Diskothek. Aber auch hier hat der Veranstalter etwas Wetterpech: In der trockenen Luft kommt die Lichtshow nicht wirklich gut zur Geltung. Etwas Nebel hätte geholfen.

Besucherin findet: "Für das Geld war es zu wenig Programm"

Saskia und Fiona kritisierten den Preis für das Ticket.
Saskia und Fiona kritisierten den Preis für das Ticket. © Florian Kraus

"Die Lasershow hätte ich mir größer und spektakulärer vorgestellt”, erzählt Saskia Seibold (30). "Um kurz nach Mitternacht dachte man sich: War’s das jetzt oder kommt da noch was?” Ihr Hauptkritikpunkt ist aber der Preis. Fiona meint: "Für das Geld war es zu wenig Programm. Es war nicht unspaßig, aber für 40 Euro hat es sich nicht gelohnt. Beim Essen war für Vegetarier und Veganer extrem wenig geboten. Für zwei Veggieburger haben wir 23 Euro gezahlt, und die waren nichts Besonderes.” Auch die Toilettensituation fanden sie etwas chaotisch.

Manchen Besuchern war auf der Silvestermeile in München zu wenig geboten.
Manchen Besuchern war auf der Silvestermeile in München zu wenig geboten. © Florian Kraus

Ein fairer Preis? 15 Euro fänden sie. Oder zumindest ein Glas Prosecco aufs Haus. "Ein echtes Highlight hat gefehlt”, fasst Saskia Seibold zusammen.

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So bleibt das Event allgemein etwas unter seinen Möglichkeiten, auch wenn die Organisation reibungslos klappt. Als um kurz nach Mitternacht der Partyklassiker "Krawall und Remmidemmi” der Band Deichkind aufgelegt wird, mutet es doch etwas ironisch an. "Yippie yippie yeah, Krawall und Remmidemmi”, dröhnt es aus den Boxen. Im Publikum sieht man: weder noch.

Aber vielleicht ist genau das die Qualität der Silvestermeile: Keiner muss fürchten, dass einem der Arm weggeböllert wird oder die Raketen um die Ohren sausen. Eine ausgelassene Fete ist es in der Disko Ludwigstraße aber eben nicht.

 

 

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  • Alexxx vor 12 Stunden / Bewertung:

    Überall sehr viele schlechte Bewertungen über das Spektakel. Jeder Dackel wusste, wie es kommen wird - und auch kam.

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  • sircharles vor 16 Stunden / Bewertung:

    Wie blöd muss man sein dass man in der Saukälte 40 € bezahlt für im Endeffekt nichts.

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  • ChriTen vor 18 Stunden / Bewertung:

    Waren gestern dort und es war eine Enttäuschung. Überteuert, die Licht- und Lasershow war fürn Eimer und sieht auf Social Media komischerweise sehr viel besser aus. Auf Google gibt es schon 30+ 1-Sterne-Bewertungen, was für sich spricht.
    Die Toilettensituation war zu ungenügend und wo waren eigentlich die Sicherheitskontrollen? Man hätte alles mit aufs Gelände schleppen können, da es quasi keine Kontrollen gab.

    Die Veranstalter reagieren auch eher bockig und uneinsichtig, schränken Kommentare auf u.a. Instagram ein oder haben die Funktion komplett abgestellt.

    Definitv keine 40€ wert 😅

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