Warnstreiks legen ÖPNV lahm: Das ist die Lage in München
Update, 10 Uhr: Der Warnstreik im ÖPNV hält in München die Pendler bei Atem. Am Ostbahnhof versuchen einige Münchner, auf alternativen Wegen ihr Ziel zu erreichen. Eine Dame wollte wohl, wenig erfolgreich, aufs Radl umsteigen. Der Lenker schlackert hin und her – die Frau hat sichtlich Mühe, voranzukommen. Der Reifen ihres blauen Fahrrads ist platt. Vermutlich erging es ihr wie vielen anderen Münchnern heute Morgen. Der Streik zwang sie, schnell eine Lösung zu finden, fernab des öffentlichen Nahverkehrs.
Ebenso geht es einer Frau, die am Ostbahnhof vor dem Bahnhofsgebäude wartet. Die 46-Jährige hält einen Kaffeebecher in der einen und eine Bäckertüte in der anderen Hand. Über eine Durchsage in der Bahn habe sie von dem Streik erfahren, erzählt sie. „Als ich am Freitag davon gehört hab, dass nichts fährt, hab ich mir gedacht: Schön, das passt ja wieder ins Bild.“
Pendler zeigen Verständnis, aber sind auch gestresst
Sie ist Beamtin und hat an diesem Tag Termine in der ganzen Stadt verteilt. „Morgen wäre besser gewesen, da hätte ich keinen gehabt, aber das kann man sich eben nicht immer aussuchen“, sagt sie und lacht. Grundsätzlich könne sie aber verstehen, dass gestreikt wird: „Ich kenne Leute, die im öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, und ich weiß, dass die immer schon sehr schlechte Arbeitsbedingungen hatten.“
Stress bedeutet der Streik für sie heute trotzdem. Doch die Münchnerin hat Glück: Ein Kollege holt sie gleich ab und fährt sie zu ihrem ersten Termin ins Olympia-Einkaufszentrum. Während sie wartet, ziehen im Minutentakt Taxis an ihr vorbei. Immer wieder bremsen sie kurz, halten, um gleich darauf wieder auszuschwärmen - besetzt mit dem nächsten Fahrgast.
Erstmeldung, 8 Uhr: Wegen eines bundesweiten Warnstreiks der Gewerkschaft Verdi kommt es heute vielerorts ganztägig zu erheblichen Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV). Busse, Straßen- und U-Bahnen bleiben bei vielen kommunalen Verkehrsunternehmen infolge des Arbeitskampfs in den Depots. Betroffen sind nahezu alle 16 Bundesländer, wie Verdi mitteilte.
Münchner Hauptbahnhof: U-Bahn abgesperrt
Die Zugänge zu den U-Bahnen wurden wegen des Streiks am Münchner Hauptbahnhof mit Absperrgattern und Toren abgesperrt, damit sich während des Streiks keine Fahrgäste hierher verirren. Der U-Bahnverkehr ist komplett zum Erliegen gekommen.

Züge der Deutschen Bahn nicht betroffen: Münchner drängen in Regionalbahnen
Die Regional- und S-Bahnen der Deutschen Bahn fahren derweil ohne Einschränkungen. "Die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Nürnberg, Rhein-Main und der Regional- und Fernverkehr der DB werden als Unternehmen nicht von Verdi vertreten und sind daher von dem Streik nicht betroffen", teilte der bundeseigene Konzern mit.
Dementsprechend voll waren die Regionalzüge Richtung Münchner Innenstadt am Montagmorgen, wie Reporter vor Ort berichten. Dicht an dicht gedrängt standen Pendler in den Gängen, von freien Sitzplätzen weit und breit keine Spur.

Viele Münchner sind am Streiktag auf das Auto umgestiegen, man muss daher mit stockendem Verkehr oder Stau rechnen. Auf der Landshuter Allee Richtung Donnersbergerbrücke kommt es zu Verzögerungen, zeigt der Anbieter Google Maps (Stand: 9.25 Uhr).
Generell: Ein Blick auf die Verkehrskarten von Google Maps und Bayerninfo zeigt, dass sich auf Münchens Straßen der Verkehr erwartungsgemäß punktuell staut. Zumindest am Harras hielt der Autoverkehr sich auf dem Mittleren Ring um 8.30 Uhr in Grenzen, auf den ersten Blick scheint es hier kein stark erhöhtes Verkehrsaufkommen zu geben. In Sendling dagegen ist das Auto-Aufkommen sichtbar deutlich höher als sonst. Selbst in den Nebenstraßen staut es sich.
Busse fahren in größeren Abständen
Wie die MVG mitteilt, fahren die Busse in der Landeshauptstadt noch. Allerdings kommt es zu größeren Abständen im Fahrplan, auch Verspätungen und Ausfälle sind möglich. Man sollte also auch hier viel Geduld mitbringen. Die Linie 62 Richtung Rotkreuzplatz fährt so am Morgen nur etwa alle 45 Minuten. Über die genauen Fahrtabstände der einzelnen Buslinien können Fahrgäste sich auf der Homepage der MVG schlaumachen.
Die Tramlinien sind außer Betrieb. Nur die Linie 20 (Karlsplatz/Stachus - Moosach Bf.) fährt alle 10 Minuten. Der Betrieb ist derzeit bis ca. 13 Uhr sichergestellt, so die Verkehrsgesellschaft.
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