Warnstreiks auch in München: Metaller blockieren Produktion

Rund 10.000 Mitarbeiter treten diese Woche in Warnstreiks. Sie fordern sechs Prozent mehr Lohn und das Recht auf kürzere Arbeitszeit.
| Irene Kleber
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Warnstreik am Dienstag bei F.X. Meiller Kipper in München.
IG Metall Warnstreik am Dienstag bei F.X. Meiller Kipper in München.

München - Um 9 Uhr am Dienstagmorgen geht nichts mehr bei der Firma Voith Turbo in Garching. An die 200 Mitarbeiter sammeln sich mit roten Fahnen und Warnwesten vor dem Tor – und blockieren beim Zulieferer für Industrieausrüstung die Produktionsbänder. Wenig später marschieren weitere 200 Leute vor dem Lkw-Teile-Hersteller F.X. Meiller Kipper in Moosach auf.

Damit sind die Warnstreiks der IG Metall auch in München angekommen, wo 115.000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie arbeiten. Bei BMW zum Beispiel, beim Lkw- und Busbauer MAN Truck & Bus an der Dachauer Straße, nebenan bei MTU Aero Engines, wo Luftfahrtteile hergestellt werden, oder in Allach bei Krauss-Maffei Wegmann, wo Metaller Panzer produzieren.

Sechs Prozent mehr Lohn will die Gewerkschaft in dieser Tarifrunde mit Warnstreiks erstreiten. Außerdem das Recht, die Arbeitszeit (für eine bestimmte Zeit) auf bis zu 28 Wochenstunden zu reduzieren – wobei bei Schichtarbeit, Kindererziehung oder Pflege eines Angehörigen ein gewisser Lohnausgleich erfolgen soll.

Auch am Mittwoch wird gestreikt

Am Mittwoch gehen die Warnstreiks weiter. Rund 5.000 Metaller bei MAN, Krauss-Maffei, Siemens, Atos und anderen sollen nachziehen. Bis zu 10.000 Leute werden wohl im Lauf der Woche streiken.

Aktuell verdient ein ungelernter Arbeiter (wie Pförtner oder Lagerarbeiter) laut Tarif bei einer 35-Stunden-Woche (Standardarbeitszeit) 2.255 Euro brutto. Ein Mechanikergeselle rund 3.300 Euro und ein Ingenieur 5.470 Euro oder mehr. Warum sie alle sechs Prozent mehr bekommen sollen? "Weil die Metall- und Elektroindustrie wächst", argumentiert Münchens IG-Metall-Chef und SPD-Stadtrat Horst Lischka. "Die Rendite bei den börsennotierten Unternehmen liegt bei 11,6 Prozent, davon sollten die Mitarbeiter auch etwas haben."

Die Münchner Metaller seien "wild entschlossen", ihre Forderungen "zur Not auch im Konflikt durchzusetzen", sagt Lischka. In München sind mehr als 45.000 Beschäftigte in der IG Metall organisiert.

Die Verhandlungen der IG Metall verfolgen alle Branchen mit Spannung: Denn was im größten Industriesektor Deutschlands herauskommt (bei Autokonzernen, Maschinenbauern und Medizintechnikfirmen), kann Auswirkungen auf die Gehälter in vielen anderen Branchen haben. Bisher bietet die Metallindustrie nur eine Lohnerhöhung von zwei Prozent an. Bei der Arbeitszeit ist man sich ebenfalls uneinig. Hier fordern die Arbeitgeber sogar, künftig mehr Beschäftigte länger als 35 Stunden die Woche arbeiten zu lassen. Die nächste Verhandlungsrunde steht Ende Januar an. Bis dahin werden die Münchner sich noch gehörig ins Zeug legen.

 

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