Warnstreik droht: Münchens Nahverkehr vor massiven Ausfällen

"Sehr enttäuschend" war die erste Verhandlungsrunde am 19. Januar, so das Fazit der Münchner Verdi-Bezirksvorsitzenden Claudia Weber gegenüber der AZ. Bevor am 13. Februar die zweite Verhandlungsrunde ansteht, wird es ernst: Warnstreiks stehen im Raum, die werden auch "definitiv" kommen, sagt Haris Softic am Dienstag zur AZ.
Streik im öffentlichen Verkehr: Was auf München zukommt
Er ist der zuständige Bezirkssekretär von Verdi München. Es ist nur noch nicht ganz klar, wann genau U-Bahnen, Trambahnen und Busse in München stillstehen – und für wie lange. Mindestens 50 Prozent der MVG-Mitarbeiter sind laut Verdi gewerkschaftlich organisiert und somit dem Flächentarifvertrag angeschlossen.
Es sei "untypisch", dass vonseiten der Arbeitgeber kein Entgegenkommen zu spüren gewesen sei, sagt Softic. "Die Arbeitgeber sind mit ihrem Angebot sogar noch unter dem geblieben, was im vergangenen Jahr im Gespräch war". Der erste Streiktag wird bundesweit stattfinden. Nach AZ-Informationen könnte es bereits Ende dieser, eher aber Anfang nächster Woche losgehen. Spätestens 24 Stunden bevor der Streik beginnt, informiert die Gewerkschaft die Öffentlichkeit.
Wenn sich die beiden Seiten nicht einig werden, könnte schlimmstenfalls sogar ein unbefristeter Streik drohen. Das war laut Softic zuletzt 2015 bei der Deutschen Post der Fall. Der Streik dauerte damals vom 8. Juni bis Anfang Juli.
MVG: "Wir sind gewappnet"
Bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) ist man schon seit letzter Woche vorbereitet. "Wir wissen natürlich von den Streikabsichten", sagte MVG-Sprecher Maximilian Kaltner vergangene Woche der AZ: "Ziel der Warnstreiks ist ja, dass sie uns unvorbereitet treffen, aber wir sind gewappnet."
Es gibt laut Kaltner ein Notprogramm, bei dem Linien priorisiert werden. Man werde außerdem die Leitstelle der U-Bahn im Blick haben. "Dort ist es angesichts der Sicherheitsvorschriften wichtig, dass das unverzichtbare Personal arbeitet", so Kaltner. Insbesondere viel befahrene Strecken wie die U3 und die U6 sind bei einem Streik im Fokus. Bei der Tram die Linien 20 und 25. Am wenigsten problematisch sind die Busse, weil dort auch viele Privatunternehmen im Einsatz seien.
Sobald ein Streik bekannt wird, informiert die MVG "vorab über alle Kanäle die drohenden Einschränkungen", so Kaltner. Die Fahrgäste würden während des Streiks stets auf dem Laufenden gehalten.
Mehr Lohn, weniger Arbeit: Was die Gewerkschaft Verdi fordert
Die Liste an Forderungen seitens der Gewerkschaft ist lang: Unter anderem enthält sie eine Erhöhung der Tarifgehälter um 668,75 Euro pro Monat sowie den Wechsel von einer 38,5-Stunden-Woche auf 35 Stunden bei vollem Lohnausgleich. Außerdem ein um fünf Prozentpunkte höherer Sonntagszuschlag von 30 Prozent, eine tarifliche Regelung für eine Mindestruhezeit von elf Stunden sowie für die Arbeitnehmer günstigere Regelungen dazu, was vor Fahrtbeginn und nach Fahrtende als Arbeitszeit angerechnet wird. Als Laufzeit strebt Verdi zwölf Monate an.
Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) Bayern nannte die Forderungen nach der ersten Verhandlungsrunde realitätsfern: "Sie übersteigen das von jedem Unternehmen wirtschaftlich Leistbare bei Weitem".
Man habe stattdessen unter anderem eine Erhöhung der Tarifgehälter um mindestens 5,0 Prozent in zwei Schritten vorgeschlagen. Zudem sollten Ausbildungsgehälter in zwei Schritten um insgesamt 150 Euro steigen – jeweils bei einer Laufzeit bis Ende 2027. Haris Softic von Verdi sagt, er hoffe, dass nach einem ersten Warnstreik keine weiteren nötig sind. "Dann müsste man auch die Geduld der Mitmenschen nicht unbedingt mehr strapazieren".