Von wegen Waldperlach: Warum das Heartbeatz-Festival jetzt in die Stadt umzieht

Das Heartbeatz-Festival geht nicht im beschaulichen Waldperlach über die Bühne, sondern steigt mitten in München. Hinter der neuen Location steht Michi Kern, Experte in Sachen Zwischennutzung. Die Veranstalter haben offenbar auf die aufkeimende Kritik reagiert.
von  Guido Verstegen
Der DJ und Produzent Robin Schulz ist Headliner beim Heartbeatz-Festival.
Der DJ und Produzent Robin Schulz ist Headliner beim Heartbeatz-Festival. © imago images/Gonzales Photo

Die Veranstalter kündigen es groß an: "Ein noch schöneres Gelände, besserer Sound und ein Line-up, das es in sich hat!" Ursprünglich sollte das erstmals stattfindende Heartbeatz-Festival in einer stillgelegten Kiesgrube in Waldperlach steigen (AZ berichtete). Jetzt geht das Festival mit seinem Fokus auf sozialem Engagement an anderer Stelle über die Bühne – nach Protesten von Anwohnern und Naturschützern. 

Heartbeatz-Festival zieht um: "Ein besseres, kompakteres und intensiveres Festivalerlebnis" 

"Mitten im Zwischennutzungsquartier am Oberwiesenfeld feiern wir im Juni zwischen ikonischem blauem Stern, urbanen Flächen und sommerlicher Festival-Atmosphäre. Lucky Star verbindet Events, Konzerte, Kulinarik und Community – der perfekte Spot für Heart BeatZ 2026", teilen die Veranstalter via Instagram mit. 

Das Lucky-Star-Gelände nahe dem Oberwiesenfeld und dem Olympiapark (Moosacher Straße 70, 80809 München) soll am 13. und 14. Juni (Samstag/Sonntag) "ein besseres, kompakteres und intensiveres Festivalerlebnis" bieten. Hinter der Festival-Idee stehen Leo Wagenhofer und Christopher Kersten, hinter dem Lucky Star steht Michi Kern.

Heartbeatz-Festival: "Veranstaltung bringt das Leben dieser Tiere in Gefahr und zerstört ihre Lebensräume"

"Das wird etwas, das München so noch nicht gesehen hat“, hatte Wagenhofer beim Besuch der AZ auf dem vorgesehenen Gelände an der Putzbrunner Straße im Münchner Osten angekündigt. Geplant waren in dem ehemaligen Kieswerk, direkt neben einem Landschaftsschutzgebiet, drei Festivaltage. Täglich sollten dort rund 20.000 Menschen zu nationalen und internationalen Musikstars feiern – das sind fast doppelt so viele Menschen, wie Waldperlach Einwohner hat. Headliner ist und bleibt DJ Robin Schulz. Aber es sind nur noch zwei Festivaltage. 

Leo Wagenhofer (l.,18) und Christian Kersten (37) sind die Veranstalter des Heartbeatz-Festivals, das ursprünglich in einem ehemaligen Kieswerk in Waldperlach stattfinden sollte. Bis zu 60.000 Besucher sollten dort an drei  Tagen feiern.
Leo Wagenhofer (l.,18) und Christian Kersten (37) sind die Veranstalter des Heartbeatz-Festivals, das ursprünglich in einem ehemaligen Kieswerk in Waldperlach stattfinden sollte. Bis zu 60.000 Besucher sollten dort an drei Tagen feiern. © Niclas Vaccalluzzo

Mehrere Anwohner hatten sich mit ihren Bedenken an den Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach gewandt, und der BA lehnte das Großevent in einer Stellungnahme ab. "Sowohl in der Kiesgrube selbst als auch in der Umgebung leben streng geschützte Tiere wie zum Beispiel der Europäische Laubfrosch. Die geplante Veranstaltung bringt das Leben dieser Tiere in Gefahr und zerstört ihre Lebensräume", protestierten schließlich auch  die Münchner Kreisgruppen des Landesbundes für Vogel- und Naturschutz (LBV) und vom Bund Naturschutz (BN).

Bund Naturschutz: "Wir sehen hier das Tötungsverbot betroffen"

Von außen möge die ehemalige Kiesgrube "ein wenig öde aussehen", doch tatsächlich strotze sie nur so vor Leben – sie sei Lebensraum, unter anderem für viele Amphibien. "Wir gehen von aktuellen Vorkommen von Europäischem Laubfrosch, Wechselkröte und Erdkröte in und um die Kiesgrube aus", sagt Katharina Spannraft, stellvertretende Geschäftsführerin des LBV München.

Rund 40.000 Quadratmeter groß ist die Baugrube, die der Lucky Star umspannt. (Archivbild)
Rund 40.000 Quadratmeter groß ist die Baugrube, die der Lucky Star umspannt. (Archivbild) © Philip Heuhserer

Wenn es endlich regne, würden die verdichteten Mulden im Gelände zu geeigneten Laichgewässern für die Tiere. "Alleine schon die bereits begonnenen Vorbereitungen des Geländes rauben den Amphibien potenziellen Lebensraum und können Kröten, die sich oft unter großen Steinen verstecken, töten", heißt es in einer Mitteilung der Naturschützer.

Hans Greßirer, stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe München des Bund Naturschutz, verwies auf die Gesetzeslage: "Wir sehen hier das Tötungsverbot betroffen: Denn §44 des Bundesnaturschutzgesetzes besagt, dass es verboten ist, besonders geschützte Arten zu fangen, zu töten, zu verletzen, zu stören oder ihre Lebensräume zu beschädigen oder zu zerstören. Alle Amphibienarten und alle Vogelarten zählen zu den besonders geschützten Arten.“

Finale Genehmigung liegt offenbar noch nicht vor

Den Angaben zufolge haben zahlreiche Brutvögel dort ihre Reviere und Nester. "Störungsempfindliche Arten haben ihre Schmerzgrenze bei rund 50 dB. Wird diese überschritten, kann es dazu kommen, dass Elterntiere ihre Brut aufgeben. Die Folge ist, dass die Jungen in den Nestern verhungern", betonte Christina Schneider, 1. Vorsitzende des LBV München. Die vom Veranstalter für die nächstgelegene Wohnbebauung in Aussicht gestellten Laustärken von 65 bis 70 dB lägen hier klar über diesen Toleranzwerten, und das mitten in der Vogelbrutzeit.

 

Mit dem jetzt in Aussicht gestellten "Major Upgrade" reagieren die Veranstalter offensichtlich auf die Kritik. Auf Anfrage der AZ teilte das Kreisverwaltungsreferat (KVR) Ende April mit, dass für das Festival am Standort Waldperlach noch keine Genehmigung vorliege. Das ursprüngliche Genehmigungsverfahren sei noch nicht abgeschlossen gewesen, vermeldete "BR 24" jetzt unter Berufung auf das KVR. Das Referat bestätigte, dass die Veranstalter selbst die Verlegung des Festivals beantragt hätten und jetzt ein neues Verfahren für die andere Location laufe. Eine finale Genehmigung ist demnach noch nicht erteilt worden.


Alle Informationen rund ums Heartbeatz-Festival gibt's hier

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