Von wegen "Bau-Turbo": Das bremst den Aufschwung in Bayern aus

Zu wenige Aufträge und steigende Kosten: Die Hälfte der befragten Baufirmen in München und Bayern bewertet die aktuelle Lage als schlecht. Auch die Iran-Krise trägt ihren Teil dazu bei. Nur in einem Bereich gibt es einen zarten Hoffnungsschimmer.
von  Nina Job
Von wegen "Bau-Turbo": Öffentliche Aufträge – wie hier vor der Münchner Agentur für Arbeit – gibt es viel zu wenige, beklagen bayerische Firmen.
Von wegen "Bau-Turbo": Öffentliche Aufträge – wie hier vor der Münchner Agentur für Arbeit – gibt es viel zu wenige, beklagen bayerische Firmen. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Vor knapp drei Monaten haben Israel und die USA begonnen, den Iran zu bombardieren. Die Auswirkungen der Krise sind nicht nur an den Zapfsäulen zu spüren, sie schlagen sich auch auf die Geschäftslage der bayerischen Baufirmen nieder. Georg Gerhäuser, Präsident des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen (LBB) sagt: "Die leise Hoffnung unter unseren Mitgliedsbetrieben, es könne mit der Baukonjunktur im Jahr 2026 wieder bergauf gehen, hat sich leider jäh zerschlagen."

Am Mittwoch hat Gerhäuser die Frühjahrs-Konjunkturumfrage im Münchner Presseclub vorgestellt. Demnach beurteilen nur noch 13,3 Prozent der Baufirmen in München und Bayern ihre gegenwärtige Situation als positiv.
"Besonders drastisch" zeige sich die Lage, so Gerhäuser, im Öffentlichen Hochbau. 76 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als schlecht.

Aufträge reichen nur bis zu zwei Monate – bei den meisten

Aktuell sind in Bayern etwa 164.000 Menschen in 12.650 Baubetrieben beschäftigt. Der Verband vertritt 2700 mittelständische bayerische Bauunternehmen. Für die Umfrage wurden Antworten von 278 Betrieben ausgewertet.
Bitter: Laut Umfrageergebnis reichen die Aufträge bei mehr als der Hälfte der Firmen über alle Bausparten hinweg nur noch bis zu zwei Monate.

Zu wenig zu tun haben viele bayerische Bauunternehmen.
Zu wenig zu tun haben viele bayerische Bauunternehmen. © IMAGO/Markus Matzel

"Eine niederschmetternde Bilanz"

"Sorgenkind ist und bleibt der öffentliche Hochbau, wo 72,5 Prozent der Unternehmen zu wenige Aufträge beklagen", so Gerhäuser. 2025 hätten viele noch auf Maßnahmen und zusätzliche Investitionen der Bundesregierung gehofft. Doch von dem angekündigten "Bau-Turbo" hätte die Hälfte der Betriebe bisher nichts mitbekommen, sie spüren keine Effekte.

Auch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz habe nicht zur Vergabe von mehr öffentlichen Aufträgen geführt, gaben drei Viertel der Betriebe an. "Das ist eine niederschmetternde Bilanz", so Verbandspräsident Gerhäuser.

Wie schon 2025 bremst auch der Arbeitskräftemangel die Bautätigkeit aus. Durch die Iran-Krise sind nun laut LBB neue Preisanstiege und erste Lieferschwierigkeiten von Baumaterial (37,6 Prozent) dazugekommen. "96,4 Prozent der Unternehmen beklagen deutlich oder zumindest leicht gestiegene Einkaufskosten." Rund die Hälfte der Baufirmen rechne mit sinkenden Umsätzen für 2026.

Georg Gerhäuser (r.), Präsident des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen, und Hauptgeschäftsführer Andreas Demharter.
Georg Gerhäuser (r.), Präsident des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen, und Hauptgeschäftsführer Andreas Demharter. © Nina Job

Eine positive Entwicklung gibt es aber

Einen kleinen Lichtblick gibt es aber für Bayern. Laut Landesamt für Statistik ist die Zahl der Baugenehmigungen von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,1 Prozent auf 15.325 Wohnungen gestiegen. Auch wenn dies eine positive Entwicklung auf niedrigem Niveau sei und die Wohnungen erst in zwei Jahren fertig werden, lasse das doch hoffen, so Gerhäuser.
Allerdings trifft der zarte Trend nicht überall zu. In diesen Regierungsbezirken sind die Baugenehmigungen für Wohnungen zurückgegangen: in Oberfranken (-19,2 Prozent), in Niederbayern (-4,1) und Schwaben (-2,5). Und in München war die Zahl der Baugenehmigungen 2025 mit 4348 so extrem niedrig, dass ein kleines Plus noch nicht viel bedeutet.

Um die Investitionen im Wohnungsbau anzukurbeln, fordert Verbandspräsident Gerhäuser einen etwas geringeren Energieeffizienz-Standard für Neubauten sowie steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Selbstnutzer.

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