Von wegen "Bau-Turbo": Das bremst den Aufschwung in Bayern aus
Vor knapp drei Monaten haben Israel und die USA begonnen, den Iran zu bombardieren. Die Auswirkungen der Krise sind nicht nur an den Zapfsäulen zu spüren, sie schlagen sich auch auf die Geschäftslage der bayerischen Baufirmen nieder. Georg Gerhäuser, Präsident des Landesverbandes Bayerischer Bauinnungen (LBB) sagt: "Die leise Hoffnung unter unseren Mitgliedsbetrieben, es könne mit der Baukonjunktur im Jahr 2026 wieder bergauf gehen, hat sich leider jäh zerschlagen."
Am Mittwoch hat Gerhäuser die Frühjahrs-Konjunkturumfrage im Münchner Presseclub vorgestellt. Demnach beurteilen nur noch 13,3 Prozent der Baufirmen in München und Bayern ihre gegenwärtige Situation als positiv.
"Besonders drastisch" zeige sich die Lage, so Gerhäuser, im Öffentlichen Hochbau. 76 Prozent der Unternehmen bezeichnen ihre Geschäftslage als schlecht.
Aufträge reichen nur bis zu zwei Monate – bei den meisten
Aktuell sind in Bayern etwa 164.000 Menschen in 12.650 Baubetrieben beschäftigt. Der Verband vertritt 2700 mittelständische bayerische Bauunternehmen. Für die Umfrage wurden Antworten von 278 Betrieben ausgewertet.
Bitter: Laut Umfrageergebnis reichen die Aufträge bei mehr als der Hälfte der Firmen über alle Bausparten hinweg nur noch bis zu zwei Monate.

"Eine niederschmetternde Bilanz"
"Sorgenkind ist und bleibt der öffentliche Hochbau, wo 72,5 Prozent der Unternehmen zu wenige Aufträge beklagen", so Gerhäuser. 2025 hätten viele noch auf Maßnahmen und zusätzliche Investitionen der Bundesregierung gehofft. Doch von dem angekündigten "Bau-Turbo" hätte die Hälfte der Betriebe bisher nichts mitbekommen, sie spüren keine Effekte.
Auch das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaschutz habe nicht zur Vergabe von mehr öffentlichen Aufträgen geführt, gaben drei Viertel der Betriebe an. "Das ist eine niederschmetternde Bilanz", so Verbandspräsident Gerhäuser.
Wie schon 2025 bremst auch der Arbeitskräftemangel die Bautätigkeit aus. Durch die Iran-Krise sind nun laut LBB neue Preisanstiege und erste Lieferschwierigkeiten von Baumaterial (37,6 Prozent) dazugekommen. "96,4 Prozent der Unternehmen beklagen deutlich oder zumindest leicht gestiegene Einkaufskosten." Rund die Hälfte der Baufirmen rechne mit sinkenden Umsätzen für 2026.

Eine positive Entwicklung gibt es aber
Einen kleinen Lichtblick gibt es aber für Bayern. Laut Landesamt für Statistik ist die Zahl der Baugenehmigungen von Januar bis März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 12,1 Prozent auf 15.325 Wohnungen gestiegen. Auch wenn dies eine positive Entwicklung auf niedrigem Niveau sei und die Wohnungen erst in zwei Jahren fertig werden, lasse das doch hoffen, so Gerhäuser.
Allerdings trifft der zarte Trend nicht überall zu. In diesen Regierungsbezirken sind die Baugenehmigungen für Wohnungen zurückgegangen: in Oberfranken (-19,2 Prozent), in Niederbayern (-4,1) und Schwaben (-2,5). Und in München war die Zahl der Baugenehmigungen 2025 mit 4348 so extrem niedrig, dass ein kleines Plus noch nicht viel bedeutet.
Um die Investitionen im Wohnungsbau anzukurbeln, fordert Verbandspräsident Gerhäuser einen etwas geringeren Energieeffizienz-Standard für Neubauten sowie steuerliche Abschreibungsmöglichkeiten für Selbstnutzer.
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