"Völlig unverantwortlich": Deutliche Kritik an neuer Olympia-Bewerbung für München
Es ist der nächste große Schritt nach dem Bürgerentscheid zu Olympia vom vergangenen Herbst: Das Sportreferat hat weiter an der Bewerbung für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 gefeilt. Es eilt: Die endgültige Bewerbung und die Antworten zu einem umfangreichen Fragenkatalog müssen sie bis Anfang Juni einreichen. Davor muss aber der Stadtrat noch das Konzept absegnen, bei dem einiges inhaltlich noch einmal verändert wurde.
Über die neu geplanten Sportarten und die Änderungen bei den Austragungsorten hatte die AZ am Freitag berichtet – unter anderem soll nun auch im Grünwalder Stadion Fußball gespielt werden. Und auch, dass das neue Konzept mit 12,5 Millionen erwarteten Zuschauern noch einmal größer wurde, ließ aufhorchen.
Neue Olympiabewerbung: Angepasste Pläne sorgen für Kritik
Zur Einordnung: Für die Olympischen Spiele von Paris wurden laut Sportreferat 9,5 Millionen Tickets verkauft und es gab 11,2 Millionen Besucher.
Nach wie vor unklar ist, was das alles kosten würde. Schon bevor überhaupt klar ist, ob die Spiele nach München kommen. Sollte München am 26. September den Zuschlag bekommen, muss die Stadt als nächsten Schritt eine internationale Bewerbung vorbereiten.
Laut Stadtratsvorlage rechnet man dafür mit Kosten von rund 10 Millionen Euro, aufgeteilt auf Bund, Land und Stadt. Die Stadt rechnet damit, dass sie davon 3 bis 4 Millionen Euro übernehmen muss. Aber: Darin nicht enthalten sind laut Vorlage unter anderem die eigenen Personal- und Planungskosten.
Sollte München den Zuschlag bekommen, will das Sportreferat diese Kosten "im Zuge der Konzeptschärfung" berechnen und den Stadtrat erneut darüber abstimmen lassen.
"Wir rasen mit verbundenen Augen in ein enormes finanzielles Risiko hinein", findet darum der Linken-Stadtrat Stefan Jagel. "In der aktuellen Haushaltslage völlig unverantwortlich."
Seine Parteikollegin, die Linken-Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke, hat beim Bund in einer kleinen Anfrage wissen wollen, wie sich Berlin konkret finanziell an einer Olympiabewerbung beteiligt.
"Keinerlei konkrete Zusagen": Kritik an der neuen Münchner Olympiabewerbung vor Stadtratsentscheid
Bisher offiziell zugesagt sind vom Finanzministerium bis zu 6,9 Millionen Euro für die Bewerbung, für die Jahre 2024 bis 2027. Alles Weitere ist offen, dafür soll das Sondervermögen angezapft werden. Also "keinerlei konkrete Zusagen" gebe der Bund, sagt Gohlke zur AZ. "Im Gegenteil: Die finanzielle Unterstützung wird nur je nach Haushaltslage zugesagt – und die sieht aktuell alles andere als rosig aus", so die Abgeordnete.
Kritik am neuen Bewerbungskonzept üben auch Verbände, die sich mit dem öffentlichen Verkehr befassen. Pro Bahn und der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr im Münchner Forum (AAN) bemängeln in einer gemeinsamen Mitteilung, dass im neuen Konzept zwar der Ausbau von U- und S-Bahn vorgesehen sind, aber nicht von Tramlinien.
"Die U9/U29 zwischen Implerstraße und Theresienstraße ist – ebenso wie der S-Bahn-Nordring – eine sinnvolle Maßnahme", sagt dazu Andreas Frank von Pro Bahn. "Unverständlich ist jedoch, dass im Gegensatz zur Kurzanalyse jetzt keine Tramprojekte mehr geplant werden." Mit der Kurzanalyse meint Frank die Studie zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit der Olympiabewerbung, die das TU-Beraterunternehmen "MCube Consulting" im Auftrag der Stadt im Herbst veröffentlicht hat.
Keine Tram im Olympia-Plan: Kritik von Münchner Verbänden
Die empfiehlt, "kleinere, flexiblere Maßnahmen mit schneller Umsetzbarkeit" den "großen, kostenintensiven Projekten vorzuziehen". U-Bahn-Großprojekte seien "langfristig ein finanzielles Risiko", Tramlinien, Radschnellwege oder Parkmeilen dagegen "schneller umsetzbar, kostengünstiger und mit einem geringeren Risiko verbunden".
Das Sportreferat (RBS) sagt zu dieser Kritik auf AZ-Anfrage, dass die geplanten Infrastrukturmaßnahmen in der Bewerbung "durch eine enge Zusammenarbeit" mit den relevanten städtischen Referaten "ausgewählt und weiter konkretisiert" wurden. Außerdem sei dies "in Abgleich mit der IOC-Reformagenda" und "auf Grundlage bestehender Planungen" geschehen.
Und das RBS weist auch darauf hin, dass die MCube-Analyse neben dem Tram-Ausbau den Ausbau von Parkmeilen und des Radschnellwegs München Nord empfiehlt. Den Empfehlungen der Analyse werde also "bereits in erheblichem Maße Rechnung getragen", so ein Sprecher.
In wenigen Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob die Stadt damit – und mit den vielen weiteren Aspekten der Olympia-Bewerbung – beim Deutschen Olympischen Sportbund punkten kann. Jetzt ist der Ball aber erst mal beim Stadtrat.

