Vielerorts in München zu sehen: Was sind das für Boxen in den Straßen?

Seit einigen Tagen sind in München und im Umland zahlreiche orange-graue Boxen zu sehen. Was hat es damit auf sich?
von  André Wagner
Diese orange-grauen Boxen, sogenannte Geophone, sind Teil eines großen Forschungsprojektes, welches derzeit in und um München durchgeführt wird.
Diese orange-grauen Boxen, sogenannte Geophone, sind Teil eines großen Forschungsprojektes, welches derzeit in und um München durchgeführt wird. © André Wagner

Wer aktuell durch München oder das nähere Umland läuft, dem wird vielleicht bereits die eine oder andere orange-graue Box aufgefallen sein, die auf dem Gehweg oder auch leicht im Gebüsch versteckt herumliegt. Unzählige davon sind derzeit in München verteilt, doch was hat es mit diesen Boxen auf sich?

Dabei handelt es sich um sogenannte Geophone, Messgeräte, die Schwingungen im Erdreich registrieren sollen. Sie sind Teil der groß angelegten Seismik-Messkampagne in und rund um München, die vor Kurzem gestartet ist.

Forschungsprojekt in und um München gestartet

Bei dem Forschungsprojekt namens GIGA-M ermitteln Spezialfahrzeuge, sogenannte Vibrotrucks, im Auftrag der Technischen Universität München (TUM), der Stadtwerke München und weiterer Partner das Potenzial der Tiefengeothermie in München und der Region.

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Es ist die bislang umfassendste seismische Untersuchung eines Geothermiepotenzials in Deutschland.

Mittels Rüttelplatten erzeugen diese Vibrotrucks kontrollierte Schallwellen und geben diese in den Untergrund ab. Die von Gesteinsgrenzschichten reflektierten Schallwellen werden von den tausendfach ausgelegten Geophonen aufgefangen und registriert.

Der Vibrotruck sendet Schallwellen in den Untergrund, die Geophone registrieren die reflektierten Signale.
Der Vibrotruck sendet Schallwellen in den Untergrund, die Geophone registrieren die reflektierten Signale. © Grafik: SWM

Diese müssen während der Messungen an Ort und Stelle verbleiben. "Jeder Messpunkt zählt", erklären die Stadtwerke in einer Pressemitteilung. In dieser bitten sie darum, herausgezogene oder beschädigte Geophone unter Telefon 01 72 / 1 41 42 18 zu melden.  

Aus den Daten soll ein  "Ultraschallbild der Erde" entstehen

Und was geschieht mit den registrierten Daten? Diese werden ausgewertet und daraus soll anschließend ein hochauflösendes dreidimensionales Modell des Untergrunds entstehen, "vergleichbar mit einem Ultraschallbild der Erde", wie es in der Mitteilung weiter heißt. Ziel ist es, auf Basis der gewonnenen Daten die Erdwärmenutzung im Großraum München voranzubringen.

Die dafür notwendigen Messungen haben vergangene Woche im südlichen Landkreis München begonnen. In den kommenden Tagen sind die Vibrotrucks in Dietramszell, Schäftlarn, Egling, Baierbrunn, Holzkirchen, Otterfing, Valley, Brunnthal, Aying, Pullach, Sauerlach, Straßlach-Dingharting, Taufkirchen, Neubiberg, Unterhaching, Grünwald, Oberhaching, Ottobrunn, Forstenrieder Park, Grünwalder und Perlacher Forst unterwegs.

Hier werden in den nächsten Wochen Messungen vorgenommen

Im September wird in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau sowie in Teilen des westlichen Münchner Stadtgebiets gemessen.

Ab Oktober werden neben Teilen des nördlichen und östlichen Münchner Stadtgebiets auch der nördliche und östliche Landkreis München sowie die Landkreise Dachau und Freising vermessen. Dort sowie auch in den Landkreisen Ebersberg und Erding finden dann die abschließenden Messungen statt.

Arbeiten an den Messpunkten dauern nur kurz und dürften als leichtes Vibrieren zu spüren sein

An jedem Messpunkt dauern die Arbeiten lediglich wenige Minuten. In einer Pressemitteilung der Stadtwerke München (SWM) heißt es, dass die Messungen vor Ort nur "geringe Auswirkungen" haben werden. Anwohner würden sie meist als leichtes Vibrieren wahrnehmen, ähnlich wie bei einem vorbeifahrenden Zug oder Schwertransport. 

Die Stadtwerke betonen, dass "die ausgeführten Schwingungen innerhalb definierter Anhaltswerte nach DIN-Norm liegen und kontinuierlich überwacht werden."

"Zusätzlich begleiten Fachkräfte die Arbeiten vor Ort, kontrollieren die Einhaltung aller Vorgaben und stehen als Ansprechpartner zur Verfügung." Auch bestehende Infrastruktur wie unterirdische Leitungen würde in die Planungen und Überwachungsmaßnahmen einbezogen.

Nach Projektabschluss wird allen Interessierten im Großraum München über das Bayerische Landesamt für Umwelt kostenlos ein geologisches 3D-Modell zur Verfügung gestellt.


Informationen zum aktuellen Fortschritt der Messkampagne gibt es auf der Projekt-Webseite www.giga-m.de/seismik und auf Social Media: https://giga-m.de/linktree

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