Verwunschen zwischen alten Eichen: Münchens geheimes Naturparadies

Sie haben schon viele Generationen von Menschen und Tieren überdauert: die knorrigen Stieleichen im verwunschenen Kapuzinerhölzl. Bis zu 200 Jahre sind die ältesten Exemplare inzwischen alt – und sie können noch weitere 800 Jahre alt werden, wenn alles gut geht.
In früheren Zeiten weideten im Kapuzinerhölzl Tiere. Die Rinde der Eichen wurde abgeschält, um damit Leder zu gerben. Und mit den jungen Blättern und den Eicheln wurden Schweine gefüttert, die sich die Mönche des Kapuzinerklosters München hier draußen vor den Toren der Stadt hielten. Auch das Laub, das die Bäume im Herbst abwarfen, verwendeten die Mönche für ihre Schweine: als Einstreu im Winter. Da der Boden durch das Entfernen des Laubs nicht gedüngt wurde, entstanden im Kapuzinerhölzl sehr nährstoffarme Böden.
Heute sind die bis zu 40 Meter hohen, prächtigen Stieleichen und die Lichtungen in den Wäldern Teil eines einzigartigen Landschaftsschutzgebiets mit Biotop im Nordwesten der Stadt. Statt Schweinen leben hier nun seltene Schmetterlinge und viele Vogel- und Insektenarten.

Die Gegend ist mit Naherholungsgebieten reich gesegnet: Der Nymphenburger Schlosspark und der Botanische Garten sind nicht weit. Das Kapuzinerhölzl ist ein Überbleibsel der Münchner Lohwälder, naturbelassener und wilder. Dem kann nicht einmal die nahe, stark befahrene Menzinger Straße etwas anhaben.
Über 100 seltene Pflanzenarten wachsen hier
Seit 2005 werden die Lichtungen im Kapuzinerhölzl vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) betreut. Die Mitarbeiter erhalten die Magerwiesen. „Durch die Kombination aus den Stieleichenbeständen mit den offenen Lichtungen, auf denen artenreiche Magerrasen gedeihen, finden sich hier viele seltene Pflanzenarten“, sagt Raphaela Karl vom LBV. „Allein wir konnten schon über 100 seltene Arten nachweisen.“ Darunter ist die Traubige Graslilie.


Die seltenen Pflanzen ziehen wiederum seltene Schmetterlingsarten an. Über 200 seien es, sagt Umweltplanerin Karl. Eine dieser Arten ist ein behaarter Nachtfalter mit dem lustigen Namen Gelbfühler-Dickleibspanner. Sehr selten sei auch die Gestreifte Zierwanze, die ihre Eier am Wiesen-Wachtelweizen ablegt. „Sie kommt im ganzen Stadtgebiet nur noch im Kapuzinerhölzl vor“, so Karl.
Einkehren im Traditionslokal Fasanerie fällt leider aus
Der LBV hat einen 1,5-stündigen Rundweg durchs Kapuzinerhölzl und den angrenzenden Hartmannshofer Park zusammengestellt, bei dem man viel erfahren kann. Los geht es an der Bus- und Trambahnhaltestelle Amalienburgstraße. Nur schade, dass auf dem Rundweg das traditionelle Einkehrlokal Fasanerie noch immer ausfällt. Es ist schon seit zwei Jahren geschlossen.

Ein wunderbarer Spielplatz für Kinder ist das niedrige Teufelsbacherl ("Deifesbacherl") gleich zu Beginn des Rundweges: In dem Bächlein können sie im Wasser pritscheln und Frösche und kleine Fische beobachten.