Vermisster Rentner: Allein, hilflos, krank

Ein Rentner (72) irrt stundenlang durch München, bis er in einem Hinterhof an Herzversagen stirbt. Hätte das Unglück verhindert werden können?
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Seit 27. Dezember wurde Baldur P. vermisst. Er verschwand im C&A an der Kaufinger Straße. Fünf Tage später wurde er fünf Kilometer entfernt tot aufgefunden.
Polizei München Seit 27. Dezember wurde Baldur P. vermisst. Er verschwand im C&A an der Kaufinger Straße. Fünf Tage später wurde er fünf Kilometer entfernt tot aufgefunden.

Ein Rentner (72) irrt stundenlang durch München, bis er in einem Hinterhof an Herzversagen stirbt. Hätte das Unglück verhindert werden können?

München - Wahrscheinlich irrte der demenzkranke Rentner Baldur P. (72) fast 24 Stunden hilflos, frierend und hungrig durch München. Fünf Kilometer legte der Rentner aus Chemnitz (Sachsen) zurück: vom C&A in der Kaufinger Straße bis zum Hinterhof des leer stehenden Hotels „Holidy Inn“ an der Leopoldstraße. Dort wurde der 72-Jährige am Sonntag per Zufall gefunden - tot (AZ berichtete).

Am Dienstag gab die Polizei die Todesursache bekannt: Baldur P. starb an Herzversagen. Vermutlich hatte er sich so aufgeregt in der fremden Stadt, dass sein Herz, das bereits krank war, nicht mehr mitmachte.

Fünf Kilometer durch München und vorbei an unzähligen Menschen – offensichtlich hatte niemand die Hilflosigkeit des 72-Jährigen bemerkt. Zumindest rief niemand rechtzeitig um Hilfe. „Wir haben jeden Monat so traurige Fälle“, sagt Klaus Gmelch, Chef der Vermisstenstelle bei der Münchner Polizei.

Wie viele Menschen werden in München vermisst?
Die Kripo sucht jährlich nach etwa 1600 als vermisst gemeldeten Menschen. Darunter sind viele Jugendliche, aber auch Menschen mit Suizidabsicht. Die meisten tauchen nach kurzer Zeit wieder auf. Statistisch gesehen verschwindet etwa alle 36 Stunden ein älterer Mensch, der hilflos ist, sagt Klaus Gmelch.

Wie sucht die Polizei? Die Hauptarbeit besteht zunächst in der Absuche von Örtlichkeiten und vielen Telefonaten. Allein die Abfrage der Kliniken bedeute rund 50 Anrufe. Je nach Fall werden auch Hunde zur Suche oder Hubschrauber mit Wärmebildkamera eingesetzt. Eine Fahndung über die Medien gilt bei der Suche meist als letztes Mittel. Denn dabei wird viel Privates (Krankheiten, Foto, etc.) preis gegeben. „Wenn der Gesuchte wieder da ist, bleiben die Informationen im Internet. Der Mensch hat seinen Stempel weg“, so Gmelch. Bei einer Öffentlichkeitsfahndung müssen die Angehörigen einverstanden sein.

Wie können Bürger bei der Suche helfen?
Gmelch: „Hilflose Menschen sind oft stolz und gschamig. Von sich aus sprechen sie niemanden an, sie gestehen sich ihre Hilflosigkeit nicht ein. Wenn Sie denken, dass jemand Hilfe braucht, sprechen Sie die Person direkt an. Bestätigt sich Ihr Eindruck, rufen Sie gleich 110.“

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