Verlängerung bald fertig: Ab 2027 fährt diese U-Bahn 950 Meter weiter
Rund 16.000 Fahrgäste steigen hier täglich ein- und aus: am U-Bahnhof Großhadern im Südwesten der Stadt. Morgens strömen Studentinnen und Studenten mit Rucksack aus der Bahn. Die jungen Leute laufen von hier. Oder sie steigen für ein oder zwei Stationen in den Bus: zu ihren Chemie-, Pharmazie- und Biologielehrveranstaltungen der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). Ein moderner Uni-Campus entlang der Würmtalstraße.
Später sind Ältere unterwegs: Eine Frau trägt ihren Dackel auf dem Arm, ein Vater schiebt den Kinderwagen, ein grauhaariger Mann mit Jutebeutel sucht in jedem Abfalleimer nach Dosen und Flaschen. Prekäre Lebensverhältnisse gibt es also auch im gutbürgerlichen Stadtviertel.

Ein Lichtblick für Großhaderner und viele Pendler: Der U-Bahn-Kiosk hat seit Ende Januar wieder geöffnet. Signalrote Wände, Kaffee, Butterbrezel, Snickers und Chupa-Chups-Lollis im Angebot. Seit Ende 2019 hatte der Kiosk zu, ganze sechs Jahre, bestätigt ein MVG-Sprecher auf AZ-Anfrage.
"Die Leute freuen sich, dass wir da sind. Am besten geht Tabak. Die Jungen kaufen Energydrinks und Vape-Zubehör", sagt Ali Dosti (27). Ältere U-Bahngäste fragen öfter, ob er Zeitungen hat. Das ist geplant. Andere möchten bei ihm Fahrkarten kaufen. "Wir machen Montag bis Freitag um halb 7 Uhr auf. Doch Fahrscheinverkauf hat uns die MVG bis jetzt noch nicht erlaubt", sagt der Kiosk-Betreiber.
Eine Butterbrezel kostet bei ihm 2,30 Euro. In Nebenraum will er eine Küche einrichten, um U-Bahn-Gästen belegte Semmeln verkaufen zu können. Die ruhige Stimmung und die "extreme Sauberkeit" dieser U-Bahn-Station taugt Ali Dosti sehr.
Seit 1993 gibt es den U6-Bahnhof Großhadern
Erst 1993 wurde die U-Bahn-Station Großhadern eröffnet. Sie ist bekannt für ihre Optik: Knallgelbe Säulen sind der Blickfang am Gleis. Die Wandbemalung zeigt geologische Gesteinsschichten in Braun- und Grautönen. Der Künstler Johannes Klinger hat das Riesengemälde im Münchner Untergrund realisiert.
Eine gute Nachricht: Die Toiletten funktionieren
Vor dem Aufgang Würmtalstraße/Heiglhofstraße leuchten die Türen der Toiletten für Damen, Herren und Rollstuhlfahrer. Ein Besuch kostet 60 Cent: Der Automat gibt Wechselgeld, das Drehkreuz rotiert, Toilettenpapier und Seife sind vorhanden: ein starker Pluspunkt für die U6-Station Großhadern.

Fahrgast David Stephenson (76) war früher Dozent für Organische Chemie an der Uni. Er hat Stöcke dabei und besucht seine alte Fakultät. Er lobt: "Mit Aufzug und Rolltreppe komme ich überall gut hin. Auch das Deutschlandticket ist praktisch. Früher bin ich Auto gefahren. Doch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bin ich jetzt zufrieden."
Nähe Heiglhofstraße ist die Einkaufsmeile
Wer den U-Bahn-Ausgang Heiglhofstraße nach oben nimmt, kommt ins Zentrum: Friseur, Rewe, die Apotheke, mehrere Banken gibt es und wichtig: Elemu Döner, den lieben die Studenten, auch die Pfleger und Ärztinnen vom nahen Klinikum Großhadern. Anders, als in der Innenstadt, steht an der U-Bahn kein Obst- und Gemüsestand.

Rentnerin Brigitte Seitz nutzt die U-Bahn gerne, um in die City zu fahren. Sie erinnert sich noch an die Zeit vor der U-Bahn, als hier nur alle 20 Minuten ein Bus fuhr: "Das war damals nicht so gut!" Ihr gefällt die ruhige Wohngegend direkt an der U-Bahn. Was ihr auffällt: "Immer mehr junge Leute ziehen nach Großhadern."


2027 ist Eröffnung der U6-Verlängerung nach Martinsried
Im Münchner Südwesten wird 2027 ein neues Kapitel aufgeschlagen: 2027 soll die U6-Verlängerung nach Martinsried eröffnen. Von der heutigen Endstation "Klinikum Großhadern" werden die Gleise um 950 Meter weitergelegt. 212 Millionen Euro soll der U-Bahn-Bau kosten.
Die Baustelle: Auf einer Breite von 17 bis 19 Metern entsteht der neue U-Bahn-Tunnel bis zu 20 Meter unter der Oberfläche. Die Nutzer der Zukunft: darunter Studenten und Lehrende der naturwissenschaftlichen Fakultäten der LMU, Campus Großhadern/Martinsried, auch der Max-Planck-Institute für Biochemie und des Innovations- und Gründerzentrums Biotechnologie Martinsried (IZB) mit seinen Start-ups.

