Verdi-Warnstreiks im öffentlichen Dienst in München: Das sind die Folgen

Bei Streiks im öffentlichen Dienst legen 3.000 Beschäftigte die Arbeit nieder. Weitere Aktionen sollen folgen.
| Florian Zick
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Am Donnerstag blieben die Mülltonnen in München stehen.
dpa/az Am Donnerstag blieben die Mülltonnen in München stehen.

München - Der Streik im öffentlichen Dienst hat die Stadt am Donnerstag teilweise lahmgelegt. Vor allem bei der Müllabfuhr und in den städtischen Kitas blieb viel Arbeit liegen.

Die Gewerkschaft Verdi sprach von rund 3.000 Angestellten der Stadt, die dem Streikaufruf gefolgt seien. Diese versammelten sich bei strahlendem Sonnenschein an der Zentrale des Kommunalen Arbeitgeberverband Bayern in der Nähe des Hauptbahnhofs und kesselten diese mit einer Menschenkette ein.

Der Wettergott habe es mit den Streikenden gut gemeint, so der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner. "Wir haben die Arbeitgeber in den Schwitzkasten genommen", sagte er mit Verweis auf die Menschenkette. Ob das etwas gebracht hat, wird sich allerdings erst Mitte April zeigen. Dann findet die nächste Verhandlungsrunde mit den öffentlichen Arbeitgebern statt.

Kaum eine Mülltonne wurde geleert

Verdi will für die Bediensteten der Stadt eine Gehaltserhöhung von sechs Prozent durchsetzen - 200 Euro mehr sollen es dabei aber mindestens sein. Es brauche ein Angebot, "das den Beschäftigten im teuren Ballungsraum München wieder Luft zum Atmen bringt", so Birner.

Der Verdi-Chef schloss weitere Streikaktionen nicht aus. Aber auch die aktuelle Arbeitsniederlegung bekamen die Münchner bereits direkt zu spüren: 90 Prozent der Mülltonnen, die am Donnerstag hätten geleert werden sollen, sind stehengeblieben. Die Wertstoffhöfe waren ebenfalls zu. Und auch die Abholung von Sperrmüll wurde streikbedingt abgesagt.

Ein ähnliches Bild gab es bei den städtischen Kitas. Mindestens 209 der insgesamt 430 Einrichtungen blieben gestern ganztägig geschlossen. Die Eltern mussten sich selbst um eine Ersatzbetreuung kümmern.

Verdi: Vollzeitstelle im öffentlichen Dienst reicht oft nicht zum Leben

Bei mehrtägigen Streiks sei die Stadt um Ersatzlösungen bemüht, hieß es aus dem zuständigen Bildungsreferat. Bei eintägigen Aktionen jedoch sei das nicht möglich. Organisatorisch bekomme man das auf die Schnelle einfach nicht hin.

Wer keine Kinder hat und wer auch nicht an einer Abholroute wohnt, wo am Donnerstag regulär der Müll geholt wird, war vom Streik womöglich trotzdem direkt betroffen. Wer zum Schwimmen ins Nordbad nach Schwabing wollte oder ins Bad im Forstenrieder Park, der musste unverrichteter Dinge wieder umdrehen. Die beiden von den Stadtwerken betriebenen Bäder blieben gestern ebenfalls geschlossen. Auch dort kam es zu Arbeitsniederlegungen.

Die sechs Prozent mehr Lohn hält Verdi-Chef Birner nicht für verhandelbar. Vor allem die unteren Einkommensgruppen im öffentlichen Dienst hätten dringend nötig.

"Ich bin erschüttert, dass inzwischen immer mehr neben dem Vollzeitarbeitsplatz im öffentlichen Dienst auch noch einen Nebenjob aufnehmen müssen", sagt Birner. "Das ist nicht die Gesellschaft, in der wir alle leben wollen", so der Verdi-Chef.

In den nächsten Tagen will die Gewerkschaft über mögliche weitere Streikaktionen entscheiden.

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