Verdi legt mit Warnstreik nach: Warum im Münchner Nahverkehr nichts passiert

Fahrgäste im öffentlichen Nahverkehr müssen diese Woche in einigen Städten erneut umplanen: Die Gewerkschaft Verdi setzt die Warnstreiks in Bayern fort. Was bedeutet das für München?
In Augsburg läuft der ÖPNV-Warnstreik schon
Bereits am frühen Morgen kam in Augsburg der Nahverkehr nach Angaben der Stadtwerke zum Erliegen. Es führen lediglich Busse auf einigen wenigen Linien, die an private Busunternehmen vergeben seien, hieß es. Die Stadtwerke Augsburg baten ihre Fahrgäste, vorsorglich auf andere Anbieter wie die Buslinien des AVV oder Regionalbahnen umzusteigen.
Verdi bestätigt: MVG-Fahrdienst von U-Bahn, Tram und Bus nicht betroffen
Auch in München sind Beschäftigte bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Der Fahrdienst mit Bussen, Straßenbahnen und U-Bahn ist allerdings nicht betroffen. Die Gewerkschaft begründete das mit Einschränkungen an der S-Bahn-Stammstrecke, sodass die Fahrgäste nicht über Gebühr in Mitleidenschaft gezogen würden.
Mitarbeiter in den Tram- und Automaten-Werkstätten sollen streiken
"Wir machen uns da schon unsere Gedanken, dass wir die ÖPNV-Nutzer in München nicht zu sehr belasten und auf die Pendler Rücksicht nehmen", sagte Haris Softic, Bezirksfachbereichssekretär bei Verdi München, der AZ: "Derzeit sind die Beschäftigten im Fahrdienst nicht zum Warnstreik aufgerufen, sondern lediglich die Mitarbeiter in den Tram- und Automaten-Werkstätten."
Initiative City Partner forderte Warnstreik-Aussetzung in München
City Partner München, die Unternehmensinitiative der Innenstadt, hatte bereits nach der vierten und ergebnislosen Verhandlungsrunde auf diese Problematik hingewiesen, nachdem klar war, dass Verdi weitere Warnstreiks vor der nächsten Runde am 15. April nicht ausschließt.
"Wir hoffen, der Gewerkschaft ist bekannt, dass in den gesamten Osterferien von Dienstag, 31. März durchgehend bis Montag, 13. April keine S-Bahnen auf der Stammstrecke zwischen Karlsplatz (Stachus) und Ostbahnhof fahren werden", wird City-Partner-Geschäftsführer Wolfgang Fischer in einer Mitteilung zitiert.
Da es keinen Ersatzverkehr gebe, sei zum Beispiel der Marienplatz während der S-Bahn-Einschränkungen nur über U-Bahnen erreichbar, andere Stationen seien nur per Tram erreichbar.
"Als branchenübergreifende Vereinigung der Unternehmen der Münchner Innenstadt ist es uns – angesichts der enormen wirtschaftlichen Schäden und der Beeinträchtigung der Beschäftigten – sowieso nicht nachvollziehbar, dass die Gewerkschaft eine Schlichtung, wie sie von der Arbeitgeberseite ins Spiel gebracht worden war, kategorisch ablehnt", so der Verein.
ÖPNV in Nürnberg und Landshut steht still
Am Mittwoch sind in Nürnberg und in Landshut ganztägige Arbeitsniederlegungen angekündigt. Betroffen sind laut Verdi in Nürnberg vor allem U-Bahn, Straßenbahn und Busverkehr, nicht aber die S-Bahn. Der Warnstreik dürfte sich auch auf Besucher des Nürnberger Volksfestes auswirken.
Verdi macht Druck vor neuer Verhandlungsrunde
Gegen Ende der Woche sind weitere Streikaufrufe in kleineren Städten möglich. Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 15. April solle es zu Aktionen kommen, hieß es. Diese würden aber rechtzeitig angekündigt, so dass sich Fahrgäste darauf einstellen könnten, sagte der stellvertretende Landesbezirksleiter von Verdi Bayern, Sinan Öztürk.
Bewegung – aber kein Durchbruch
Die Gewerkschaft fordert für die etwa 9000 Beschäftigten in mehr als 20 Unternehmen deutliche Lohnerhöhungen. Die Arbeitgeber hatten nach der jüngsten Verhandlungsrunde mitgeteilt, sie hätten ein verbessertes Angebot vorgelegt.
Bei einer Laufzeit von 24 Monaten habe man mehr als sechs Prozent Entgeltsteigerung geboten, bei 48 Monaten Laufzeit rund neun Prozent und die Reduzierung der Arbeitszeit um eine Stunde.
Die Gewerkschaft betonte, sie sei den Arbeitgebern deutlich entgegengekommen. Man fordere nun eine Entgelterhöhung von 550 Euro in zwei Stufen bei 24 Monaten Laufzeit. Die ursprüngliche Forderung hatte bei rund 670 Euro bei einem Jahr Laufzeit gelegen. Zudem will Verdi eine Reduzierung der Arbeitszeit. In anderen Bundesländern seien Tarifabschlüsse erzielt worden, die maximale Schichtlängen und bessere Mindestruhezeiten beinhalten.