Usutu-Virus: Neue Krankheit tötet Amseln - Bürger sollen helfen

Steht München ein vom Usutu-Virus ausgelöstes Amselsterben bevor – oder sind wir gar schon mittendrin? Bürger sollen helfen, das zu klären.
| Werner Stingl
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Derzeit sterben in München auffällig viele Amseln.
dpa/Frank Rumpenhorst Derzeit sterben in München auffällig viele Amseln.

München - Wer in Münchens Bäume schaut, sieht sie derzeit deutlich seltener: Amseln. Auch tote Vögel sind von Passanten schon gesichtet worden. Gibt es in München derzeit ein großes Amselsterben? Der Verdacht liegt nahe, denn ein neues Virus, die Infektion mit Usutu, geht derzeit bei Münchens Federvieh um.

Laut Information des bundesweit für Tierseuchen zuständigen Friedrich-Löffler-Institutes in Greifswald wurde das aus Afrika stammende und nach einem südafrikanischen Fluss benannte Usutu-Virus in Europa erstmals um die Jahrtausendwende in toten Wildvögeln, vorrangig Amseln, nachgewiesen.

Im Großraum Nürnberg sind dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern jüngst mindestens 55 tot aufgefundene Amseln gemeldet worden. Sie waren mit dem Virus infiziert.

300.000 Tiere starben bereits an dem Virus

In Deutschland kam es erstmals in den Jahren 2011 und 2012 entlang des Rheins von Freiburg bis Köln zu einem großen Amselsterben. Schätzungsweise 300.000 Tiere waren damals dem Usutu-Virus zum Opfer gefallen. Nach kleineren regionalen Vorkommnissen erfolgte in Deutschland 2016 eine weitere größere Ausbruchswelle, mit der sich das Infektionsgeschehen nach Norden und Osten ausbreitete.

Aussterben werden die Amseln durch das Usutu-Virus allerdings nicht. Denn über die Hälfte der infizierten Vögel überleben die Infektion und sind von da an gegen das Virus immun.

Noch ist unklar, wie das Virus von Afrika nach Europa kam. Einige Experten vermuten, dass infizierten und in Warentransporten versteckten Mücken der große Sprung gelungen sein könnte.

Andere bevorzugen die These, Zugvögel hätten den Krankheitserreger im eigenen Blut oder in anhaftenden Parasiten mitgebracht.

Inzwischen wird das Usutu-Virus in Deutschland jedenfalls überwiegend von heimischen Mücken wie etwa der Gemeinen Stechmücke (Nördliche Hausmücke) von Vogel zu Vogel übertragen. Theoretisch könnte eine virusbelastete Mücke auch Menschen mit dem Usutu-Virus infizieren. Praktisch kommt dies nach aktueller Erkenntnis aber höchst selten vor. Und selbst wenn, eliminiert ein halbwegs intaktes Immunsystem das Vogelvirus wieder, ohne dass man davon etwas merkt.

Könnten nun die auffälligen Amselbeobachtungen tatsächlich erste Anzeichen einer neuen Welle Usutu-Virus-bedingten Amselsterbens sein? Durchaus, so ein wissenschaftlicher Mitarbeiter von der Untersuchungsstelle für Usutu-Viren am Bernhard-Nocht-Institut (BNI) in Hamburg. Denn gegenwärtig würden gehäuft auch aus Bayern, das von vergangenen Wellen weitgehend verschont geblieben war, suspekte tote Amseln an sein Institut zur Analyse geschickt.

Aussagefähige Ergebnisse stehen allerdings noch aus.


Um möglichst umfassende Informationen zur Ausbreitung des eingeschleppten Virus in der heimischen Vogelpopulation zu gewinnen, wünscht sich das BNI zusammen mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) weitere Zusendungen.

Engagierte Bürger möchten doch bitte derzeit gefundene tote Vögel luftdicht in einem Gefrierbeutel verstaut via Päckchen an folgende Adresse schicken: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin Dr. Jonas Schmidt-Chanasit, Bernhard-Nocht-Straße 74, 20359 Hamburg

Das Porto ist leider vom Einsender zu tragen. Sonstige Kosten entstehen keine. Nach dem Einpacken Händewaschen nicht vergessen (selbst wenn’s bei diesem Virus wohl nichts ausmachen würde).

Sperber in der Stadt: Vogelwildes München

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