"Unglaublich bitter!" – Münchner Galeria-Filiale droht das Aus
Galeria am Rotkreuzplatz droht das Aus. Der neue Eigentümer OFB plant an dem Standort eine "umfassende Neuentwicklung", wie er der AZ am Dienstag mitteilte. Zwar ist laut Projektentwicklungsgesellschaft auch ein "großer Einzelhandelsanteil" geplant, aus einem Tagesordnungspunkt für die nächste Sitzung der Stadtgestaltungskommission am 24. März geht allerdings hervor, dass dafür aktuell nur noch das Erdgeschoss und das Untergeschoss vorgesehen sind.
Weite Teile des Kaufhausgebäudes sollen offenbar abgerissen werden. Geplant ist demnach eine gemischt genutzte Immobilie mit Wohnungen, Büros und einem Hotel.

"Der Eigentümer hat die Karten in der Hand."
Seit 45 Jahren steht das große Warenhaus (früher Kaufhof) am Rotkreuzplatz. Aus Galeria-Kreisen heißt es: "Wir wollen den Standort erhalten." Doch: "Der Eigentümer hat die Karten in der Hand", so ein Galeria-Mann. Die Immobilie war Ende 2024 aus der Insolvenzmasse des pleitegegangenen Signa-Konzerns von René Benko verkauft worden. OFB, eine Immobilienfirma der Landesbank Hessen-Thüringen, schlug zu. Rund 80 Millionen Euro hat sie laut Medienberichten gezahlt.
Im Zuge der Verkaufsverhandlungen mit dem Insolvenzverwalter wurden auch neue Mietkonditionen ausgehandelt. Nach AZ-Informationen läuft der Mietvertrag mit Galeria in Neuhausen nur noch bis 2027.

Die Mitarbeiter der Filiale und die Neuhauser, die gern in dem Warenhaus einkaufen, sind Kummer gewohnt. Schon mehrmals war der Standort gefährdet. "Wir sind jedes Mal wieder schockiert – und jedes Mal waren wir froh, wenn er gerettet wurde", sagt Leonie Lobinger, die Vorsitzende des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg.
"Das Kaufhaus ist ein wichtiger Nahversorger."
Die Grüne weiter: "Ein Wegfall wäre unglaublich bitter." Das Kaufhaus präge den Stadtviertelkern und sei Anziehungspunkt für kleinere Geschäfte, die sich rundum angesiedelt haben. "Es ist auch ein wichtiger Nahversorger, gerade für Menschen ohne Auto und für Ältere", so Lobinger.
Betriebsrat Alfred Birkenmayer versucht, Ruhe zu bewahren. "Dass es endet, ist relativ sicher", glaubt er. Ein Sozialplan müsse erstellt werden. "Für uns wäre wichtig, zu erfahren, wie lange wir bleiben können“, sagt er. Aktuell seien rund 90 Galeria-Mitarbeiter am Rotkreuzplatz beschäftigt, dazu kämen weitere 30 bis 40 Mitarbeiter in der Lebensmittelabteilung.
"Worst case wäre, wenn das Gebäude jahrelang leer steht."
Sowohl Birkenmayer als auch die BA-Vorsitzende Lobinger hoffen, dass Galeria noch möglichst lange in dem Gebäude bleiben kann. Einen Kaufhausbetrieb bei laufenden Abriss- und Baumaßnahmen kann sich Betriebsrat Birkenmayer allerdings nicht so recht vorstellen. Beide gehen jedoch davon aus, dass die Planungs- und Genehmigungsprozesse einige Zeit in Anspruch nehmen werden. "Es wird auch ein neuer Bebauungsplan erstellt werden müssen" sagt Lobinger. Sollte Galeria dann eines Tages ausziehen müssen, hofft sie, dass das Gebäude danach nicht noch jahrelang leer steht, bevor es mit dem Neubau los geht: "Das wäre der worst case", sagt sie.

Insgesamt acht Galeria-Filialen droht die Schließung.
Ungewiss ist nicht nur die Zukunft des Galeria-Standorts in München-Neuhausen. Auch bei sieben weiteren der aktuell noch 83 Galeria-Filialen in Deutschland sind laut einer Unternehmenssprecherin Schließungen möglich. Betroffen sind die Filialen in Aschaffenburg, Mannheim und Braunschweig sowie je zwei in Berlin und Köln. Auch hier laufen Mietverträge bald aus, sie müssen neu verhandelt werden. Und teils haben Vermieter auch andere Pläne – wie in Neuhausen.
Philipp Kretzer, Chief Sales Officer von Galeria: "Wir kämpfen für den Erhalt unserer Filialen und möchten an den Standorten bleiben."
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