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"Unerträglich": Neu-OB Krause äußert sich nach Anschlag auf israelisches Restaurant in München

Unbekannte haben die Scheiben eines israelischen Restaurants in der Maxvorstadt beschädigt und Pyrotechnik geworfen. Die Polizei vermutet ein antisemitisches Motiv und hat den Staatsschutz eingeschaltet.
AZ/dpa/hub |
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Das Fenster des Lokals wurde beschädigt.
Das Fenster des Lokals wurde beschädigt. © Felix Hörhager/dpa

Nach dem Angriff auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt geht die Polizei von einem antisemitischen Motiv der Täter aus. Der Staatsschutz ermittelt. Verletzt wurde niemand, der oder die Täter konnten bisher nicht gefasst werden. "Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurden die Schaufensterscheiben gewaltsam beschädigt und pyrotechnische Gegenstände in das Restaurant geworfen", teilte die Polizei mit. "Um welche Art es sich dabei handelte, ist Gegenstand der Ermittlungen." Der Sachschaden wurde auf mehreren Tausend Euro geschätzt. 

Der Morgen nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt.
Der Morgen nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt. © Daniel von Loeper

Die Einsatzzentrale der Polizei habe gegen 00.45 Uhr einen Anruf erhalten, wonach es in der Maxvorstadt an dem Lokal drei laute Knallgeräusche gegeben habe, sagte Polizeisprecher Tobias Schenk. Eine Streife stellte demnach vor Ort fest, dass Fensterscheiben des Lokals an drei Stellen defekt waren. 

Polizei sichert jüdische Einrichtungen in München

Noch in der Nacht habe man damit begonnen, die Sicherheitskonzepte jüdischer Einrichtungen, Lokale, etc. anzupassen, so ein Polizeisprecher auf AZ-Nachfrage.  Die Schutzobjekte seien überprüft worden und entsprechend die jeweiligen Maßnahmen angepasst worden. Je nach Einzelfallprüfung wurden entsprechende Maßnahmen getroffen. Aus "einsatztaktischen Gründen" sagt die Polizei nicht, um welche Objekte es sich dabei handelt. 

Nun hat der zentrale Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Justiz die Ermittlungen übernommen. Verletzt wurde niemand, der oder die Täter wurden zunächst nicht gefasst. 

Der Antisemitismusbeauftragte der bayerischen Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU) verurteilte den Angriff als einen "feigen Übergriff" auf einen "wunderbaren Ort der Begegnung".

Polizei geht von antisemitischem Tatmotiv aus

Vor dem Angriff von Unbekannten auf ein israelisches Restaurant in München hat es nach Angaben des Lokals keine konkreten Drohungen gegen die Einrichtung gegeben. "Es gab keine direkten Drohungen", sagte der Schwager des Betreibers und Mitarbeiter des Lokals, Grigori Dratva, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben uns eigentlich in München immer sehr sicher gefühlt." Am Donnerstagabend sei das Restaurant bis 23.00 Uhr geöffnet gewesen. "Wir werden auch heute wieder öffnen", kündigte Dratva am Morgen an. "Wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir machen auf."

Er vermutet, dass die Täter politisch motiviert waren. "Also wir wollen natürlich nichts erfinden, niemandem was unterstellen, aber wir sind natürlich ein sichtbares israelisches Lokal, und da liegt halt die Vermutung nahe", sagte Dratva. 

Seinen Angaben zufolge sind die Scheiben des Restaurants, das im Innenbereich etwa 70 Plätze für Gäste anbietet, mittlerweile provisorisch verklebt. Sie sollen später repariert werden. 

Der Morgen nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt: Polizei ist vor Ort.
Der Morgen nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt: Polizei ist vor Ort. © Daniel von Loeper

Es ist nicht das erste Mal, dass es an diesem Restaurant zu einem solchen Vorfall kommt. Bereits in der Silvesternacht 2018/2019 wurde dort ein rassistischer Brief aufgefunden, der "mit fremdenfeindlich geprägten Inhalten in diffamierender Weise an die Veranstalter, beziehungsweise Teilnehmer der vorangegangenen Feierlichkeiten gerichtet war", berichtete die Polizei damals. 

Nach dem Überfall islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023 habe jemand einmal einen Aufkleber an eine Fensterscheibe geklebt mit dem propalästinensischen Slogan "Free Palestine". Die Polizei sei eingeschaltet worden, die Hintergründe seien allerdings unklar geblieben, sagte Dratva. 

Worte der Solidarität und geplante Kundgebung

Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, findet deutliche Worte für den Angriff auf das Restaurant:

Es sei "mehr als eine Attacke auf ein israelisches Restaurant—es ist ein Angriff auf eine Institution Münchner Geselligkeit und einen wichtigen Raum für die jüdische Gemeinschaft", schreibt Knobloch auf der Plattform "X" (ehemals Twitter). "Hier kommen Menschen zusammen, um es sich miteinander gut gehen zu lassen. Wer dort angreift, stößt ins Herz unserer Weltstadt. Dabei geht mehr als Glas zu Bruch: Der Überfall trifft das ohnehin erschütterte Sicherheitsgefühl jüdischer Menschen. Judenhass ist präsent, er droht überall—in Wort und Tat. Die Stadtgesellschaft darf dazu nicht schweigen!"

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"Unerträglich": Bürgermeister Krause verurteilt Brandanschlag

Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) verurteilt in einer Mitteilung den Brandanschlag: "Mit großer Bestürzung habe ich die Nachricht erhalten, dass das israelische Restaurant Eclipse in der Maxvorstadt in der Nacht Ziel eines Brandanschlags geworden ist", so Krause. "Gerade auch vor dem Hintergrund einer massiven Zunahme von (israelbezogenem) Antisemitismus seit dem Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 geht das Polizeipräsidium München von einem antisemitischen Motiv aus. Das ist unerträglich."

Er verfolge die Ermittlungen der Polizei "sehr aufmerksam", so Krause weiter. "Meine große Hoffnung ist es, dass die Täter*innen bald gefasst werden und die Stadtgesellschaft im Kampf gegen Antisemitismus noch näher zusammenrückt."

Es werde ein Schwerpunkt seiner kommenden Amtszeit als Oberbürgermeister sein, gegen jede Form des Antisemitismus zu kämpfen. "Unser Ziel, Anspruch und unsere Verpflichtung als Stadtverwaltung und -gesellschaft muss es sein, dass jüdisches Leben in dieser Stadt sicher und sichtbar ist."

"Besuchen und gutes Essen genießen": Israelische Botschafterin nach Angriff auf Restaurant

Am Freitagvormittag hat sich auch die israelische Botschafterin Talya Lador auf der Plattform "X" (ehemals Twitter) zu dem Anschlag geäußert: "Die beste und vernünftigste Antwort auf diesen Anschlag ist, das Eclipse-Restaurant zu besuchen und dort gutes Essen zu genießen. Zu Hause zu bleiben und den Kopf zu schütteln, ist keine gute Strategie", schreibt sie. 

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Das Bündnis "Jewish Life Munich"/DACH gegen Hass ruft für den Donnerstagabend um 17 Uhr zur Solidaritätskundgebung vor dem Restaurant Eclipse in der Hessstraße auf: "Wir kommen zusammen. Sichtbar. Friedlich. Entschlossen. Antisemitismus darf keinen Platz haben. Nicht hier. Nicht heute. Nicht jemals", schreiben die Initiatoren auf Instagram:

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"Dieser Anschlag ist kein Einzelfall, sondern Teil eines gefährlichen Trends, den wir seit dem 7. Oktober 2023 sehen: wachsender Hass gegen Juden – offen, aggressiv, enthemmt", sagte der Generalsekretär der in München ansässigen Konferenz der Europäischen Rabbiner (CER), Gady Gronich. "Ein Angriff auf ein jüdisches Restaurant ist feige und ein Angriff auf unser Zusammenleben. München war bislang ein sicherer Ort für Juden, und es muss es bleiben."

Auch das Jüdische Museum hat sich zum Angriff geäußert. Es sei "schon viele Jahre mit dem Team des israelischen Lokals verbunden", schreibt das Museum auf Instagram. "Unsere Gedanken sind bei Euch, den Betreiber*innen, den Mitarbeitenden und allen, die durch diesen Angriff verunsichert und bedroht wurden. Ein Restaurant ist ein Ort der Begegnung, der Gastfreundschaft und des Miteinanders. Wer einen solchen Ort angreift, greift nicht nur einzelne Menschen an, sondern das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft. Gewalt und Einschüchterung haben nichts mit Meinung oder Debatte zu tun. Wir zeigen unsere Haltung für Demokratie und Diversität und sind solidarisch."

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Bereits Angriff in Haidhausen kurz vor Ostern

Eine massive Drohung gegen jüdische Menschen gab es kurz vor Ostern an die Tür eines Ladens in Haidhausen. Ein Unbekannter sprühte eine antisemitische Parole an das Schaufenster eines Modegeschäfts an der Weißenburger Straße. „Da kriegt man schon Angst“, sagt die Inhaberin in einem Instagram-Video. „Zios jagen“ und „Zionisten sind Faschisten“ lauteten die Graffiti.

Die Schmierereien könnten im Zusammenhang mit zwei Aufklebern gegen Antisemitismus stehen, die die Geschäftsinhaberin nach eigenen Angaben bereits vor zehn Jahren an der Ladenfront angebracht hatte. Der Staatsschutz ermittelt.

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Erstmeldung vom 10. April, 7 Uhr: In der Maxvorstadt hat es in der Nacht einen Vorfall mit Schäden an einem israelischen Restaurant gegeben. Die Einsatzzentrale habe gegen 0.45 Uhr einen Anruf erhalten, wonach es in der Maxvorstadt an einem Lokal drei laute Knallgeräusche gegeben habe, sagte Polizeisprecher Tobias Schenk der dpa. Eine Streife stellte demnach vor Ort fest, dass die Fensterscheibe des Lokals an drei Stellen eingeschlagen war. 

Polizeieinsatz bei israelischem Restaurant in München

"Das Besondere bei diesem Einsatz ist die politische Brisanz, die dahintersteckt. Die Betreiber dieses Restaurants sind jüdischen Glaubens", sagte Schenk. Vor Ort sei geprüft worden, ob etwa Pyrotechnik Auslöser für die Knallgeräusche gewesen sei. Weitere Details nannte er zunächst nicht. 

Auch der Staatsschutz sei involviert, aber man ermittle in alle Richtungen, sagte Schenk.


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