Zweiter Raketenstart von Isar Aerospace: Das sind die Ziele

Das bayerische Start-up Isar Aerospace startet diesen Mittwochabend erneut seine Rakete vom Weltraumbahnhof Andøya in Norwegen. Was der Konzern von dem Qualifikationsflug erwartet – und wie es danach weitergeht.
Maximilian Neumair |
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Die erste Rakete auf dem Weltraumflughafen in Norwegen. Das Unternehmen hat aus dem ersten Test viele Daten gewonnen, die geholfen haben, die "Spectrum" zu verbessern.
Die erste Rakete auf dem Weltraumflughafen in Norwegen. Das Unternehmen hat aus dem ersten Test viele Daten gewonnen, die geholfen haben, die "Spectrum" zu verbessern. © Wingmen Media (Isar Aerospace)

Im Januar hat die Technik nicht mitgespielt, am Montag hat das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Diesen Mittwochabend ist es am Weltraumbahnhof Andøya Spaceport in Norwegen aber endlich soweit: Die zweite Testrakete des bayerischen Start-ups Isar Aerospace aus Ottobrunn soll abheben – und es im Optimalfall bis ins All schaffen.

Das gelang beim ersten Versuch im März zwar nicht, aber der 30 Sekunden lange Flug der "Spectrum" gilt in der Branche gemeinhin als Erfolg. Der Grund: Raketen sind kompliziert. So viele Teile greifen bei einem Flug ineinander, die von keinem Computer der Welt simuliert werden können. Das heißt: Es braucht Tests in der echten Welt.

Isar Aerospace: Rakete war schon im Januar repariert

"Natürlich wollen wir so weit wie möglich kommen", sagt eine Sprecherin der AZ. Demnach wäre es bereits ein großer Erfolg, wenn die 28 Meter lange Trägerrakete weitere Meilensteine im Flug besteht wie zum Beispiel "MaxQ". Das sei der Moment, in dem durch die dichte Erdatmosphäre der größte physikalische Druck entsteht und die Rakete mechanisch maximal belastet wird.

Von links nach rechts: Markus Brandl, Daniel Metzler und Josef Fleischmann sind die Gründer von Isar Aerospace. Das Unternehmen ist seit 2019 von 20 auf über 400 Mitarbeiter gewachsen.
Von links nach rechts: Markus Brandl, Daniel Metzler und Josef Fleischmann sind die Gründer von Isar Aerospace. Das Unternehmen ist seit 2019 von 20 auf über 400 Mitarbeiter gewachsen. © - (Isar Aerospace)

Diese Hürde muss die "Spectrum" bereits relativ früh meistern. Sie folgt nach dem kerzengeraden Aufstieg und der anschließenden Ausrichtung der Flugbahn. Danach trennt sich die Rakete in zwei Teile, wobei der vordere Teil mit der Fracht mit einem eigenen Triebwerk weiter beschleunigt. Er steuert mit voller Geschwindigkeit den Orbit an, wo schließlich die Fracht an Bord entlassen wird. Die besteht aus Satelliten von Universitäten und Firmen, die im Rahmen eines Wettbewerbs des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) ausgewählt wurden.

Dass der eigentlich für Januar angesetzte Flug verschoben werden musste, lag laut Isar Aerospace an einem defekten Ventil. Von denen sind Hunderte verbaut, die aufgrund ihrer Komplexität als häufigste Ursache für Probleme bei Raketenstarts gelten. Die kaputten Teile wurden laut der Sprecherin noch im Januar ausgetauscht – seitdem hat das Unternehmen auf einen freien Termin beim Weltraumflughafen in Norwegen gewartet. Für den muss extra der See- und Luftraum gesperrt werden, was wegen anderer Kampagnen nicht möglich war.

Isar Aerospace baut bereits weitere Raketen

Schon jetzt bereitet Isar Aerospace weitere Flüge vor. "Rakete drei wird gerade fertiggestellt", sagt die Sprecherin. Die Raketen bis zur Nummer sieben sind bereits in Produktion. Mit einer 40.000 Quadratmeter großen Fabrik in der neuen Firmenzentrale in Vaterstetten möchte das Unternehmen die Herstellung seiner Raketen hochskalieren.

Der Screenshot aus einem Video von Isar Aerospace zeigt die Rakete "Spectrum", die zum Ende des Testflugs im März 2025 explodierte.
Der Screenshot aus einem Video von Isar Aerospace zeigt die Rakete "Spectrum", die zum Ende des Testflugs im März 2025 explodierte. © Isar Aerospace / Handout (NTB)

Gelingt der Qualifikationsflug an diesem Abend, lassen sich mit den neuen Modellen bereits erste kommerzielle Aufträge erfüllen. Die stapeln sich bei den Raketenherstellern bereits: Laut Isar Aerospace sind die Start-Kapazitäten bis 2028 ausverkauft. Der Grund: Seit Jahren befördert Elon Musks Raumfahrtunternehmen Space X europäische Satelliten in den Orbit, wofür die Firmen dahinter dem US-Unternehmen umfangreiche Daten über ihre Projekte zugänglich machen müssen.

Um sich davon frei zu machen, ist Isar Aerospace die große Hoffnung für mehr Souveränität. In Europa gab es 2025 nur acht Raketenstarts. Im selben Zeitraum schossen die USA 198 Raketen ins All, der Rest der Welt 124. Für die europäische Raumfahrt wäre es also ein wichtiger Schritt, wenn der Flug glückt. CEO und Mitgründer Daniel Metzler sagt: "Wir haben ein gutes Gefühl."

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