Wegen Mega-Arena in Freising: "Ich fürchte den GAU für den Olympiapark"
Seit der Freisinger Stadtrat grünes Licht gegeben hat für die Errichtung der geplanten Konzertarena nahe dem Münchner Flughafen, droht München ein riesiges Problem: Wird die Olympiahalle in naher Zukunft überhaupt noch gebucht werden?
Clemens Baumgärtner, der designierte Nachfolger von Marion Schöne, die den Olympiapark nur noch bis Ende des Jahres als Geschäftsführerin leitet, hatte schon vor einem halben Jahr in der AZ gewarnt: "Ich fürchte in der Tat den GAU für den Olympiapark als städtische Tochtergesellschaft. Die Konsequenz einer Halle für 20.000 Besucher am Flughafen wäre, dass in der Olympiahalle wenig bis gar nichts mehr stattfindet. Sie ist aber der zentrale Gewinnbringer. Die städtischen Zuschüsse werden steigen, die Steuereinnahmen sinken."
Ein Meilenstein für Freising
Baumgärtner schlägt eine Ertüchtigung der Olympiahalle vor, alternativ den Bau einer neuen, geeigneten Halle anstelle der Eissporthalle. Vielleicht wird er sich selbst ab 1. Januar 2027 darum kümmern können, aber die Pläne sind reine Zukunftsmusik, während in Freising konkret planungsrechtliche Grundlagen für den Bau geschaffen wurden. Der Geschäftsführer des Projektentwicklers, Lorenz Schmid, sprach von einem Meilenstein, immerhin habe das kommunale Bauleitplanverfahren vier Jahre gedauert.

Die "Munich Arena" soll in Zusammenarbeit mit dem Konzertveranstalter Live Nation entstehen - und dementsprechend vor allem auf Konzerte bekannter Künstlerinnen und Künstler ausgelegt sein. "Sämtliche Bereiche der Arena werden konsequent auf ein bestmögliches Konzerterlebnis ausgerichtet", heißt es vom Projektträger. Es gehe um hochwertige Akustik, gute Sicht auf die Bühne und optimale Produktionsbedingungen für Veranstalter. Als offene Veranstaltungsstätte soll die "Munich Arena" allen Künstlern, Veranstaltern und Promotern gleichermaßen zur Verfügung stehen.
Die Eröffnung der Arena ist laut SWMunich Real Estate GmbH für das Jahr 2029 geplant. Der Termin für den Baubeginn sei aber noch nicht belastbar, sagte ein Sprecher des Projektentwicklers auf Nachfrage. "Bis dahin stehen noch verschiedene Planungs- und Projektschritte an, die noch etwas Zeit in Anspruch nehmen."
München kann nicht tatenlos zusehen
Die Multifunktionshalle, die mit ihren rautenförmigen Verstrebungen ein Blickfang am Flughafen-Zubringer und dort per Auto und S-Bahn erreichbar sein soll, ist auch als mögliche Spielstätte in der Bewerbung Münchens um Olympische und Paralympische Sommerspiele eingeplant: Sie erfüllt die Voraussetzungen, um dort Schwimmwettbewerbe zu veranstalten.

Aber was ist mit der Anbindung an München? Einem geläufigen Scherz zufolge ist der Münchner Flughafen ja der einzige, der nur aus der Luft zu erreichen ist. Laut Projektentwickler gibt es ein ein gemeinsam mit erfahrenen Verkehrsplanern entwickeltes multimodales Verkehrskonzept, das die Arena in die bestehende Mobilitätsinfrastruktur einbindet und S-Bahn, Regionalverkehr, Bus, Pkw, Taxi, Ride-Sharing und Fahrrad miteinander verknüpft. Diese Planungen werden gemeinsam mit den zuständigen Partnern kontinuierlich konkretisiert und weiterentwickelt.
Von der S-Bahn-Haltestelle "Besucherpark" gelangen Gäste in rund 10 bis 15 Minuten zu Fuß zur Arena. Die Wegstrecke ist vergleichbar mit der Distanz zwischen der U-Bahnhaltestelle Fröttmaning und der Allianz Arena.
Klar ist, dass München nicht einfach tatenlos zusehen kann, wenn das internationale Tourneegeschäft künftig am Olympiapark vorbeiziehen sollte. Es geht nicht nur um einen Imageverlust, sondern auch um viel Geld: Eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte zeigt, dass die Munich Arena nach der Eröffnung für eine Bruttowertschöpfung in Höhe von rund 355 Millionen Euro pro Jahr sorgen wird.
