Steckerlfisch und familiäre Atmosphäre: Am Steg 1 findet jeder seinen Lieblingsplatz

Wie eine große Familie, so fühlen sich Team und Gäste am Steg 1 in Possenhofen. Welche Neuerungen es heuer gibt.
von  Eleni Christoforis
Der Steg 1 am Starnberger See.
Der Steg 1 am Starnberger See. © privat

Der Name ist Programm. Das Erholungsgebiet unterhalb des Possenhofener Sisi-Schlosses heißt "Paradies" – und wer am Steg 1 ankommt, versteht schnell, warum: Palmen im Kies, kostenlose Liegestühle direkt am Ufer, die Alpenkette am Horizont, und morgens schon die Ersten im Handtuch, lange bevor der Kiosk aufsperrt.

Seit zwölf Jahren führt Cathrin Dierks (59) diesen Ort – in dieser Zeit hat sich beinahe alles verändert: die Karte, das Team, der Grundriss. Nur eines ist gleich geblieben: Wenn die Sonne scheint, ist der Steg 1 auf – das ganze Jahr über.

Genau dieses Nebeneinander aus Wandel und Beständigkeit schätzt Betriebsleiterin Edita Bedrolli (29) an ihrem Job am meisten. "Es ist ein Ort für alle", sagt sie im Gespräch mit der AZ.

Ein Team wie eine Familie

Rund 44 Mitarbeitende zählt der Steg 1 inzwischen. Viele kennen sich schon, bevor sie hier anfangen, oder werden sich spätestens im ersten Sommer kennenlernen – Freundeskreise überschneiden sich, Geschwister jobben nacheinander im selben Team. Auch bei den Dierks bleibt es in der Familie: Beide Töchter von Cathrin Dierks haben hier schon gejobbt.

Seit zwölf Jahren leitet Cathrin Dierks den Steg 1.
Seit zwölf Jahren leitet Cathrin Dierks den Steg 1. © privat

Koordiniert wird all das von Edita Bedrolli: Sie kümmert sich um Mitarbeiterbestellungen und den laufenden Betrieb im Häuschen. Bevor sie vor zweieinhalb Jahren extra für den Job an den Starnberger See zog, hatte sie fünf Jahre lang aus Niederbayern gependelt – täglich eineinhalb Stunden pro Strecke.

Was sie am Team schätzt, ist genau das, was sie auch den Gästen zuschreibt: dass hier jede und jeder seinen Platz findet, vom 16-jährigen Ferienjobber bis zur Kollegin, die schon seit Jahren dabei ist.

"Ich bin ein nordisches Kind"

In die Gastronomie ist Cathrin Dierks eher zufällig gerutscht: Ursprünglich hat sie Kitas geplant. Über einen Studienjob ihrer Tochter kam der Kontakt zum Steg – und blieb. Dabei war der Starnberger See schon lange vorher der Lieblingsbadeplatz der Familie. "Ich bin ein nordisches Kind und liebe das Wasser, es beruhigt mich irgendwie", erzählt sie über ihre Entscheidung, den Steg 1 vor zwölf Jahren zu übernehmen.

„Ein Ort für alle": der Steg 1 am Starnberger See.
„Ein Ort für alle": der Steg 1 am Starnberger See. © privat

"Sie ist einfach sehr offen für neue Dinge und probiert gerne etwas aus", sagt ihr Sohn Mats Dierks (33) über seine Mutter. "Und wenn es nicht funktioniert, ist es auch kein Problem, es wieder sein zu lassen."

Spanische Tapas etwa hat man mal versucht – zu aufwendig für einen Betrieb, der von schönem Wetter lebt. Geblieben ist die klassische Biergartenkarte mit Steckerlfisch (19,90 Euro) als Publikumsliebling, dazu seit diesem Jahr eine neue Frühstückskarte: frische Stullen mit Avocado-Hummus (7,50 Euro) oder Rote Bete und Lachs (8,50 Euro).

Seit diesem Jahr neu auf der Karte: frische Stullen mit Avocado-Hummus (7,50 Euro).
Seit diesem Jahr neu auf der Karte: frische Stullen mit Avocado-Hummus (7,50 Euro). © privat

Über Winter und Frühling wurde zudem umgebaut: Aus einer offenen Lagerfläche wurde eine zweite Ausgabe, dazu ein Getränkeautomat für den schnellen Durst zwischendurch. "Dieses Jahr ist es richtig toll geworden", sagt Mats Dierks, der selbst hier aufgewachsen ist, früher mit Kumpels abhing und heute zum Kaffeetrinken und Angeln vorbeikommt.

Der Umbau habe dafür gesorgt, dass bei 35 Grad und vollem Betrieb die Warteschlangen spürbar entzerrt wurden. So bleibt der Steg 1 im Kern derselbe Ort wie vor zwölf Jahren – nur ein bisschen frischer jedes Jahr.

Der Sup-Verleih.
Der Sup-Verleih. © privat

Von Sup-Yoga bis Cosmic-Party

Wie vielfältig dieser Ort für alle gedacht ist, zeigt sich am Veranstaltungskalender. Neben Sup-Yoga und Sundowner-Touren mit dem hauseigenen Sup-Verleih – seit diesem Jahr online reservierbar – finden hier Hochzeiten statt, dazu Cosmic-Partys, Live-Musik, Zumba und dieses Wochenende (25. Juli) der "La Dolce Vita Abend" mit DJ, italienischen Klassikern und Pinsa (ab 9,90 Euro) aus dem Ofen. Wichtigste Regel dabei: Niemand wird gestört, feste Endzeiten werden eingehalten.

Der Steg, den keiner abreißen wollte

Wie sehr der Steg den Menschen am Westufer fehlen würde, zeigte sich in diesem Frühjahr auf drastische Weise. Ende April ließ das Baureferat der Stadt München, der das "Paradies" gehört, die Stege 1 bis 3 wegen Einsturzgefahr mit Bauzäunen sperren (AZ berichtete).

Der Kneipp-Verein Starnberg startete eine Petition, die binnen weniger Tage über 1800 Unterschriften sammelte. Kurz darauf bot ein Münchner Holzbau-Start-up die kostenlose Instandsetzung an.

Die Sanierung des Steg 1 war ein voller Erfolg.
Die Sanierung des Steg 1 war ein voller Erfolg. © privat

"Da haben alle Interessengruppen echt sehr gut miteinander zusammengearbeitet", erzählt Bedrolli. Der Steg 1 war noch vor den Pfingstferien wieder begehbar. Für Mats Dierks steht außer Frage, warum das Thema so viele bewegt hat: Der Steg ist der barrierefreie Zugang zum Wasser – für ältere Menschen ebenso wie für die Frühschwimmer um sechs Uhr morgens.

Ob er selbst den Betrieb einmal übernehmen will? "Auf jeden Fall", sagt Mats Dierks. "Es ist einfach ein toller Ort." Sein Lieblingsgericht wechselt mit der Laune – mal Obazda mit Breze (9,80 Euro), mal Flammkuchen (ab 12,90 Euro), mal der Steckerlfisch (19,90 Euro). Dazu gibt es auf der Speisekarte Burger (ab 12,90 Euro) oder Schnitzel mit Pommes (13,50 Euro), zum Trinken ein Tegernseer Hell (0,5 l, 4,90 Euro), aus der langen Spritz-Karte Aperol, Hugo, Limoncello oder den hauseigenen Steg 1 Spritz (alle 7,50 Euro) – oder einfach einen Cappuccino (3,80 Euro).

Echtes Beach-Club-Flair am Starnberger See.
Echtes Beach-Club-Flair am Starnberger See. © privat

Die neue Webseite mit allen Informationen

Der Steg 1 liegt im Badegelände "Paradies" in Possenhofen und hat je nach Wetter täglich geöffnet – die Tageszeiten werden online tagesaktuell angepasst. Wer öffentlich anreist, nimmt die S6 (München– Tutzing) bis Possenhofen und geht von dort etwa 15 Minuten zu Fuß, alternativ die Buslinien 964, 978 und 982. Der Sup-Verleih kostet 16 Euro pro Stunde inklusive Einweisung, Touren gibt es auf Anfrage. Reservierungen, Event- und Hochzeitsanfragen laufen über das Kontaktformular auf steg1possenhofen.de, Neuigkeiten postet das Team auf Instagram unter @steg1possenhofen.

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