Sanatorium in Ambach: Einst Frischzellen-Klinik für Promis - heute Ruine

Heinz Rühmann, Mosi, Inge Meysel: Alle kurten in Ambach. Heute lockt das Haus ganz andere an.
| Nina Job
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Einst ein beliebtes Motiv auf Klinik-Ansichtskarten: der Pool.
Einst ein beliebtes Motiv auf Klinik-Ansichtskarten: der Pool. © lost-places.com

Lang ist's her, als das Sanatorium von Dr. Fritz Wiedemann alle nach Ambach lockte, die Rang und Namen hatten: Die Schauspieler Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Inge Meysel, Harald Juhnke und Heidi Kabel waren hier zu Gast, genau wie der Selbstdarsteller Rudolph Moshammer, der es von München nicht weit hatte - und viele andere.

1956 wurde das Sanatorium eröffnet, 50 Jahre lang florierte das Geschäft.

Himmelbetten, schwere Vorhänge und offene Patientenakten

Der Arzt Fritz Wiedemann hatte eine ganzheitliche Serum-Therapie entwickelt, die die körpereigenen Selbstheilungs- und Regenerationskräfte stimulieren sollte. Sie versprach längere Jugend, Gesundheit und Vitalität. Der Arzt arbeitete mit homöopathischen Wirkstoffen, Spurenelementen und Vitaminen. Dazu gab's Physiotherapie und Elemente aus der fernöstlichen Medizin.

Roter Teppich und Schnörkel.
Roter Teppich und Schnörkel. © lost-places.com

Ein schickes Ambiente in dem 50er-Jahre-Bau war natürlich auch Teil des Erhol- und Wohlfühlkonzepts: In den Zimmern der prominenten Gäste hingen schwere Vorhänge und überm Bett Baldachine, die Treppenhäuser waren teilweise mit (rotem) Teppich ausgelegt. Außer einem Pool gab es ein Hallenbad und für die Dame, die auch während der Kur perfekt onduliert sein wollte, einen hauseigenen Frisiersalon.

Die Haare schön machen konnten sich die Damen im hauseigenen Salon.
Die Haare schön machen konnten sich die Damen im hauseigenen Salon. © lost-places.com

Alte Patientenakten waren frei zugänglich

Von diesem Glanz vergangener Jahrzehnte ist schon lange nichts mehr übrig. 2004 verkaufte Wiedemanns Sohn das Sanatorium an das italienische Unternehmen Sanacare, das wenig später pleite ging. Seitdem ist die frühere Promi-Klinik dem Verfall preisgegeben. "Die Ruine ist kein Aushängeschild für die Gemeinde", sagt Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler).

Dem Verfall preisgegeben: ein gekachelter Raum.
Dem Verfall preisgegeben: ein gekachelter Raum. © lost-places.com

Scheiben und Kacheln sind eingeschlagen, im Garten erobert sich die Natur ihren Raum zurück. Jahrelang war das Gelände frei zugänglich. Im Innern der Gebäude standen Möbel, Computer, Röntgengeräte und ein Lehrskelett herum. Und schlimmer: Auch alte Patientenakten - darunter von Schwarzwaldklinik-Doktor Klausjürgen Wussow - waren frei zugänglich.

Arztzimmer mit Röntgengerät und Infusionsständer: Die Fotos sind 2014 entstanden.
Arztzimmer mit Röntgengerät und Infusionsständer: Die Fotos sind 2014 entstanden. © lost-places.com

Sanatorium in Ambach als "Lost Place": Polizei musste mehrmals eingreifen

Das sorgte 2016 für einen kleinen Skandal, in den sich sogar Bayerns oberster Datenschützer einschaltete. Die Ermittlungen verliefen allerdings im Sande. Genau wie die Ermittlungen gegen Besucher, die heimlich und unbefugt auf das Gelände und in die Gebäude eingedrungen waren.

Im April 2016 hat das Kuratorium Wohnen im Alter das Areal gekauft. Es will alles abreißen und neu bauen, hat aber noch keine Baugenehmigung. "Anfangs haben wir sogar einen Wachdienst engagiert", sagt KWA-Chef Horst Schmieder. Die Gebäude wurden ausgeräumt, das Gelände umzäunt.

Charme einer vergangenen Zeit: Die blauen Fliesen im Salon galten als besonders edel.
Charme einer vergangenen Zeit: Die blauen Fliesen im Salon galten als besonders edel. © lost-places.com

Doch im Frühjahr gab's neuen, vorgesehenen Ärger: Die Ruine oder "Geisterklinik", wie sie auch genannt wird, zieht offensichtlich Menschen an, die sogenannte Lost Places aufsuchen, verlassene, geheimnisvolle Orte. Kurz zuvor war ein Buch erschienen, in dem 33 solcher Orte vorgestellt werden - darunter ist auch das einstige Promi-Sanatorium in Ambach. Die Polizei musste mehrmals ausrücken.

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