Puma am Flughafen München? Das sagt die Polizei jetzt

Spaziergänge vermeiden, Kinder nicht aus den Augen lassen: Nach einer möglichen Raubkatzen-Sichtung rufen Behörden nahe dem Münchner Flughafen zur Vorsicht auf. Was ist da unterwegs – und warum?
von  Tobias Singer, dpa
Der Erdinger Polizeichef Sebastian Pinta zur Situation rund um die Puma-Sichtung in der Nähe des Münchner Flughafens.
Der Erdinger Polizeichef Sebastian Pinta zur Situation rund um die Puma-Sichtung in der Nähe des Münchner Flughafens. © Livestream BR

Update 13:25 Uhr – Zum Stand der Suche nach einem möglichen Puma in der Nähe des Münchner Flughafens haben Vertreter des Landratsamts Erding und der Polizei ein Pressestatement im Landratsamt Erding gegeben. Die neuesten Erkenntnisse.  

Video des Jägers authentisch

Laut Polizei wird das Video des Jägers, das den mutmaßlichen Puma zeigt, "als authentisch eingeschätzt". Vertreter von Umweltbehörden hätten das Bildmaterial des Jägers entsprechend ausgewertet. Gleichzeitig bittet der Erdinger Polizeichef Sebastian Pinta auf der Pressekonferenz, die Suchaktion nicht mit gefälschten KI-Inhalten zu stören, die für die Beamten mit unnötigem Aufwand verbunden seien und die Bevölkerung verunsichern würden.  Ein Bild zeigte den mutmaßlichen Puma in einer Innenstadtsituation. Laut Pinta handele es sich um eine bewusste Falschangabe. Im Rahmen möglicher strafrechtlicher Ermittlungen werde dies nach dem Einsatz noch bewertet werden.   

Die Frage, ob denn überhaupt Großkatzen dieser Art im Großraum Erding gemeldet seien, verneint der Erdinger Polizeichef. Nach aktuellen Erkenntnissen sei das nicht der Fall.

Suche nach dem Puma kompliziert   

Das Absuchen des betroffenen Bereichs mit Wärmebildkamera und auch mit Hunden gestalte sich nach Angaben der Polizei schwierig – es handele sich schließlich um ein Naturschutzgebiet. Ein komplettes Absuchen des Bereichs sei technisch und menschlich nicht möglich. Über das Wochenende sei man aber für Hinweise der Anwohner vor Ort ansprechbar.   

Wenn Katzenarten in dem betroffenen Bereich gesichtet werden, sollten unverzüglich die Polizei und die Einsatzkräfte informiert werden. "Die Polizei jagt dieses Tier nicht", so Pinta. Dafür habe man keine Expertise. Die Polizei werde aber bei einer Gefahrensituation "mit allen Mitteln tätig, die uns zur Verfügung stehen".  Am Vortag seien 30 Kräfte im Einsatz gewesen. Es handele sich um einen fortlaufenden Prozess, bei dem man punktuell vorgehe. Es gebe etwa eine stationäre Überwachung durch eine Drohne, die von ein bis zwei Beamten durchgeführt würde. 

Kann der Puma gefangen werden?

Laut Pinta sei man mit Veterinären und Jägern im Austausch. "Die Polizei hat immer einen Plan", so der Erdinger Polizeichef. Gemeinsam bespreche man, wie das Tier eingefangen und betäubt werden könnte. Dabei handele es sich aber um einen komplexen Vorgang. Die Polizei schreitet aber "deutlich ein, wenn Gefahr für Leib und Leben" bestehe. Sprich: der Puma würde dann erlegt werden, auch wenn der Erdinger Polizeichef das so selbst nicht sagt. Dabei handele es sich um eine Ultima Ratio. 

Anzeige für den Anbieter YouTube über den Consent-Anbieter verweigert

Erstmeldung: Mit Wärmebilddrohnen, einem Hubschrauber und Hunden durchkämmen Polizistinnen und Polizisten ein Naturschutzgebiet in der Nähe des Münchner Flughafens. Eine Beobachtung eines Jägers hat das Landratsamt Erding zu einer Warnung veranlasst: Eine Raubkatze könnte durch das Gebiet bei Oberding (Landkreis Erding) streifen - womöglich ein Puma. Was bisher bekannt ist – und was nicht:

Streift da wirklich ein Puma durchs Moos?

Das ist bisher nicht sicher geklärt. Die Vermutung der Behörden beruht auf der Einschätzung eines nicht namentlich genannten Experten, der Aufnahmen aus der Wärmebildkamera eines Jägers vom Dienstagabend analysiert hatte. Das Landratsamt Erding sprach zuletzt von einer "Raubkatzensichtung" und schränkte ein: "Nach wie vor ist nicht klar, um welche Tierart es sich handelt. Die Untersuchungen zur Bestimmung des Tieres dauern an." 

Anzeige für den Anbieter Instagram über den Consent-Anbieter verweigert

Kreisjägerchef Thomas Schreder sagte der dpa auf Anfrage, er sei sich nach Betrachtung der Aufnahmen zumindest ziemlich sicher, dass es sich bei dem Tier nicht um eine heimische Raubkatze wie zum Beispiel einen Luchs handelt. Die Bilder sollen laut Landratsamt "in Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten" weiter analysiert werden.

Wie könnte ein Puma dorthin gelangt sein?

Darüber rätseln auch die zuständigen Behörden. "Zu einem etwaigen Halter des Tieres gibt es keine neuen Erkenntnisse", teilte das Landratsamt zuletzt mit. Im nahe gelegenen Hallbergmoos gastiert diese Woche zwar ein Zirkus. Der besitzt nach eigenen Angaben aber keine Raubkatzen. Auch ein Tierheim in Oberdinger Moos bekam laut der Leiterin am Mittwoch einen Anruf von der Polizei wegen der Frage nach einem vermissten Puma - doch die Einrichtung hält die Tiere nach eigenen Angaben schon seit vielen Jahren nicht mehr.

Eigentlich unter anderem in Nordamerika beheimatet: der Puma, auch Berglöwe genannt. (Symbolbild)
Eigentlich unter anderem in Nordamerika beheimatet: der Puma, auch Berglöwe genannt. (Symbolbild) © Ronald Wittek/dpa

Die Auffangstation für Reptilien in München hätte nach Auskunft einer Sprecherin zwar Kapazitäten, um einen Puma aufzunehmen – hatte aber zuletzt kein solches Tier in Betreuung, das jetzt vermisst würde. Private Halter müssten einen Puma eigentlich bei der örtlichen Gemeinde melden. Auch in diese Richtung ergaben sich zunächst aber keine konkreteren Hinweise.

Heimisch ist der Puma in Bayern jedenfalls nicht: Die Weltnaturschutzunion IUCN benennt als Lebensräume des Pumas Nord-, Mittel- und Südamerika.

Wurde nach der Beobachtung irgendetwas gefunden?

Nein. Die Polizei setzte am Mittwochabend neben Beamten auch Hubschrauber und Wärmebilddrohnen ein, um das Tier zu finden. Entdeckt wurden aber weder ein Puma noch Spuren oder eine Beute, die einer Raubkatze zuzuordnen wären. Bisher stützen sich die meisten Erkenntnisse der Behörden also weiter auf die Auswertung der Aufnahmen aus der Wärmebildkamera. 

In der Nacht auf Donnerstag habe es lediglich einen Fehlalarm gegeben, wie das Polizeipräsidium Oberbayern Nord mitteilte. Der Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes habe ein verdächtiges Tier auf einem Kamerabild gesehen. Ein Hubschrauber wurde zur näheren Untersuchung geschickt, fand aber keine Großkatze. Das dort gesehene Tier sei wohl nur eine Hauskatze gewesen.

Wie geht die Suche jetzt weiter?

Die Polizei setzt am Donnerstag bei der Raubkatzen-Suche auf Hunde. Zwei Hundeführer mit ihren Schäferhunden sind bei Oberding laut Polizei aktuell im Einsatz – vor allem um etwaige Beute oder Beuteteile des Tieres zu finden. Insgesamt habe man derzeit rund 15 Beamte vor Ort und 6 im Innendienst, die sich mit der Suche beschäftigen. 

Bei der Suche nehme man natürlich Rücksicht auf das Naturschutzgebiet und die dort lebenden Tiere, betonte der Leiter der Polizeiinspektion Erding, Sebastian Pinta. Die Hunde seien angeleint und würden punktuell suchen – ausgehend vom Ort der Sichtung.

Polizisten suchten das Gebiet auch am Donnerstag weiter nach Spuren des Tiers ab.
Polizisten suchten das Gebiet auch am Donnerstag weiter nach Spuren des Tiers ab. © Peter Kneffel/dpa

Was bedeutet das für die Menschen in der Region?

Die Bevölkerung wurde vom Landratsamt aufgerufen, Vorsicht walten zu lassen. Wer das Tier sehe oder andere Erkenntnisse über den Aufenthaltsort habe, soll sich sofort bei der Polizei in Erding melden. Die Menschen in der Region wurden aufgerufen, Hunde nicht frei laufen zu lassen. "Und lassen Sie kleine Kinder nicht unbeaufsichtigt spielen", teilte das Landratsamt auf Facebook mit.

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbands, Thomas Schreder, riet dazu, Ruhe zu bewahren: "Panik ist sicher nicht angebracht." Falls es sich wirklich um einen Puma handle, sei das aber "eben auch kein ungefährliches Tier". Wer seinen Hund ohne Leine in dem Gebiet laufen lasse, provoziere möglicherweise "das, was wir nicht wollen – einen Konflikt". Daher sollten Hundebesitzer ihre Tiere angeleint lassen.

"Bitte nicht aktiv nach dem Tier suchen und stattdessen die Behörden ihre Arbeit machen lassen", sagte Schreder zudem. "Nachts würde ich das Gebiet auch für Spaziergänge erst mal eher meiden."

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.