Nicht geplant, sondern gewachsen: Das ist der vielleicht heimeligste See-Kiosk im Münchner Umland
Ein paar Schritte vom Parkplatz entfernt öffnet sich der Blick auf den Hollerner See, ruhig und türkis, davor ein kleines Dorf aus Holzhütten: Seebar, Lounge, Ausgabestellen, dazwischen Lichterketten, Holztische und Liegestühle – nichts aus einem Guss geplant, eher gewachsen, Hütte für Hütte. "Man steckt schon sehr viel Arbeit und Liebe rein, bis ins kleinste Detail", sagt Kristina Aschenbrenner (36) über das, was ihr Mann Tobias hier aus dem Nichts gemacht hat. "Tobi ist Gastronom durch und durch und Gastgeber von Herzen." Tobias Aschenbrenner (44) hat einen Großteil dieser Hütten selbst gebaut. "Hier stand quasi noch nichts, da war nur Wiese", erinnert er sich an den Sommer 2020.

"Vom Zuhausesitzen und Weinen wird's nicht besser"
Die Geschichte beginnt mitten in der Pandemie. Aschenbrenner betreibt seit 2017 das Wirtshaus König Ludwig an der Messe – ein Betrieb, der durch die Lockdowns fast zum Erliegen kam. "Vom Zuhausesitzen und Weinen wird's nicht besser", sagt Aschenbrenner über seine Entscheidung, 2020 die Fläche zu pachten. Im Frühsommer 2021 legte er los. Am 19. Juli 2021 – heuer ein Sonntag und damit der fünfte Geburtstag – war die erste, kleine Saison startklar. Ein fester Neubau verzögerte sich jahrelang im Genehmigungsverfahren, erst seit Kurzem leuchtet grünes Licht. Der Hüttencharme soll trotzdem bleiben.

Wie sehr das alles Familiensache ist, zeigt eine Geschichte, die Aschenbrenner gern erzählt: 2024 übernahm er einen zweiten Standort, das Vidschi's am Heimstettener See in Aschheim. Genau in diesem Jahr kam auch das zweite Kind von Tobias und Kristina Aschenbrenner zur Welt. Wie 2020, bei der Geburt von Moritz folgte rund ein halbes Jahr später ein neuer See im Familienbetrieb. "Erst kam das Kind, dann kam der See", erzählt Aschenbrenner lachend. Mittlerweile nennen Moritz (5) und Mathilda (2) die beiden Standorte "Moritzsee" und "Mathildasee".
Ein Team, das sogar bei Sturm- und Schneechaos zusammenhält
Rund 60 Menschen beschäftigt Hecht und Sonne über die Saison, viele als Aushilfen aus der Umgebung. Wie eng das Team zusammenhält, zeigte sich vor einem Jahr, als ein Sturm rund 30 Bäume aufs Gelände warf: Noch am selben Tag rückten Mitarbeiter mit Kettensägen an, abends war wieder offen. Ähnlich, als vor zwei Jahren ein Schneechaos die Handwerksmesse und eigentlich ganz München lahmlegte – die Belegschaft erschien trotzdem, teils zu Fuß durch Tiefschnee.

Dazu kommen immer wieder kleinere Events wie Yoga am See, samstagvormittags mit Blick aufs Wasser. Größeren Raum nimmt das Geschäft mit Firmen ein: Für Sommerfeste gibt es eine eigene BBQ-Station. Firmen, die einmal da waren, kämen fast immer wieder, so die 36-Jährige – wegen des Settings und vor allem des Essens. Der Loungebereich lässt sich für bis zu 200 Personen buchen.

Unter der Woche gibt es bis 17 Uhr kalte Brotzeit – Brezn (2,50 Euro), Schinken-Käse-Toast (5,50 Euro), Obazda mit Krustenbrot (11,50 Euro) und noch vieles mehr. Danach übernimmt der Grill mit Double Cheese Burger (17,50 Euro), Baby Back Spareribs (22,90 Euro) und einem vegetarischen BBQ-Teller (16,90 Euro). Gekocht wird im König Ludwig in Riem, verteilt auf beide Standorte. Auffällig: Bei über 30 Grad greifen viele trotzdem zu warmen Kasspatzn (12,50 Euro). Dazu Bier von Ayinger, hausgemachter Rosé Sangria (34,50 Euro/1,3 l) oder Weinschorle (5,80 Euro/0,3 l).
"Winterzauber" – auch in den kalten Jahreszeiten herrscht hier Betrieb
Schon während Corona durfte hier offenbleiben, während andernorts alles zu war. Auch sonst schließt Hecht und Sonne kaum – im Winter wird das Gelände zwischen Advent und Januar zum kleinen "Winterzauber" mit Lichterketten, Feuerschalen und Eisstockbahnen, geöffnet sogar am 1. und 2. Weihnachtsfeiertag und an Neujahr. "Das ist schon oft so, dass wir offen haben, wenn viele andere zu haben", sagt Tobias Aschenbrenner. An guten Wintertagen kommen über 1000 Gäste, Firmen können sich den Bereich sogar exklusiv für einen eigenen Weihnachtsmarkt mieten. Mittlerweile sei das Wintergeschäft "fast gleich stark" wie das im Sommer.

Hecht und Sonne feiert Geburtstag
Der eigentliche Geburtstag fällt heuer auf Sonntag, 19. Juli – gefeiert wird wetterbedingt eine Woche später, am 26. Juli, mit DJ, Steckerlfisch, Flammlachs und Freibier von Ayinger. Typisch für den Betrieb: kurzfristig verschoben, weil sich das Wetter eben nicht zuverlässig vorhersagen lässt. Aber: Hauptsache, alle packen mit an.

Der Kiosk Hecht und Sonne liegt am Fretz 3, 85386 Eching, direkt am Hollerner See. Geöffnet ist er Dienstag bis Sonntag ab 12 Uhr, je nach Wetterlage. Der Grill startet unter der Woche ab 17 Uhr, am Wochenende bereits ab 12 Uhr. In der Nebensaison hat der Kiosk am Wochenende geöffnet. Die zweite Adresse, das Vidschi's am Heimstettener See, liegt an der Seestraße 40, 85609 Aschheim.
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