Neues Kompetenzzentrum in Erding: Bayerische Polizei geht auf Drohnenjagd

Die Polizei will mit ihrem neuen Abwehrzentrum unerlaubte Flugkörper effizienter aus dem Verkehr ziehen. Wie das in der Praxis läuft, hat sich die AZ angesehen.
Maximilian Neumair |
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Ein Polizist steht während einer Demonstration im Rahmen der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum mit einem "Counter LAV Jammer HP 47 + PR V7" hinter einer Drohne. Damit lässt sich eine Drohne vom Himmel holen. Das 2025 beschlossene Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrums (DKAZ) ist eine direkte Reaktion auf die steigende Zahl an Vorfällen mit Drohnen in Bayern, etwa über Flughäfen.
Ein Polizist steht während einer Demonstration im Rahmen der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum mit einem "Counter LAV Jammer HP 47 + PR V7" hinter einer Drohne. Damit lässt sich eine Drohne vom Himmel holen. Das 2025 beschlossene Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrums (DKAZ) ist eine direkte Reaktion auf die steigende Zahl an Vorfällen mit Drohnen in Bayern, etwa über Flughäfen. © Peter Kneffel (dpa)

Eine Drohne, die der Größe nach auch ein Spielzeug sein könnte, rast durch die Lüfte – sie soll zeigen, was sie kann. Ihr eigentliches Ziel bei dieser Vorführung: eine andere Drohne, die an das Publikum heranschleicht.

Die sogenannte FPV-Drohne (First Person View, zu Deutsch: Egoperspektive) der Polizei umkreist das fremde Objekt, als wäre es ihre Beute. Schlägt auf einmal zu. Und rammt den Eindringling, der daraufhin auf den Asphalt des Fliegerhorsts in Erding stürzt.

So in etwa könnte auch ein echter Einsatz der Bayerischen Bereitschaftspolizei aussehen. Die zeichnet verantwortlich für das neue Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ), das Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag eröffnet haben. In Betrieb ist es aber schon seit dem 1. April: 40 Einsatzkräfte der Bayerischen Bereitschaftspolizei arbeiten dort, künftig sollen die bis auf 100 aufgestockt werden.

Bayerns Innenminister: Sicherheitspolitisch angespannte Zeit

Die Eröffnung durch Söder und Herrmann findet nicht im Gebäude der neuen Dienststelle selbst statt, sondern auf dem Gelände des Fliegerhorsts in Erding. Der Grund: Platzmangel.

Es passt zugleich zum Konzept des Zentrums: mit anderen Behörden wie der Bundeswehr zusammenarbeiten, um Bedrohungen durch Drohnen schnell abzuwehren. In Erding gibt es laut Innenministerium ohnehin bereits eine enge Zusammenarbeit zwischen Bundeswehr und verschiedenen bayerischen Tech-Firmen. Erst Anfang Februar wurde dort etwa das Innovationszentrum der Bundeswehr eröffnet.

Michael Dibowski (l-r), Präsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Joachim Herrmann, (CSU) Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, und Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, nehmen an der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum teil. In den Händen halten sie einen "Counter LAV Jammer HP 47 + PR V7" zur Drohnenabwehr.
Michael Dibowski (l-r), Präsident der Bayerischen Bereitschaftspolizei, Joachim Herrmann, (CSU) Staatsminister des Innern, für Sport und Integration, und Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, nehmen an der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum teil. In den Händen halten sie einen "Counter LAV Jammer HP 47 + PR V7" zur Drohnenabwehr. © Peter Kneffel (dpa)

Dass die Abwehr von Drohnen nötig ist, dürfte jedem klar sein, der den Flughafenausfall in München im vergangenen Oktober mitbekommen hat oder sogar selbst davon betroffen war. Für Stunden waren etwa 6500 Passagiere am Boden geblieben.

Herrmann sagt: "Wir leben in einer sicherheits- und geopolitisch angespannten Zeit." Besonders die "zunehmend feindselige Nutzung von Drohnen" stelle den Staat vor große Herausforderungen. Söder sagt: "Wir haben alle ein Gefühl dafür, woher sie kommen." Er spielt auf Russland an, einer der Verdächtigen für die Flughafenstörung. "Wir lassen uns aber nicht einschüchtern", kündigt der Ministerpräsident an.

Drohnen-Zuständigkeit nicht geklärt: Grüne attackieren Söder

Wenige Tage nach den Drohnenflügen über den Flughafen beschloss sein Kabinett die Errichtung des DKAZ, wenige Monate später ist es bereits in Betrieb. Söder und Herrmann feiern die Polizei dafür – und auch sich selbst. "Bayern sieht sich als Vorreiter, auch in der Umsetzung", sagt Söder.

Der Freistaat sei das erste Bundesland, das alles an einer Stelle bündelt – das sei gerade deswegen so wichtig, weil das Thema neu sei und sich so die Schlagfertigkeit besser bündeln ließe. Das heißt: Einsatzkräfte sollen durch das Zentrum mit spezialisierter Technik unterstützt, neue Systeme erprobt und bewertet sowie Personal geschult werden.

Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, nimmt an der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum teil. In den Händen hält er eine kleine Drohne.
Markus Söder, (CSU) Ministerpräsident von Bayern, nimmt an der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum teil. In den Händen hält er eine kleine Drohne. © Peter Kneffel (dpa)

Auch die bisherige Unsicherheit bei der Zuständigkeit der Drohnenabwehr ist laut Söder geklärt: Um große Drohnen kümmert sich die Bundeswehr, um die kleinen die Polizei. Was das konkret in Maßen heißt, erläutert der Ministerpräsident nicht. Florian Siekmann, der Sprecher für Inneres der Landtags-Grünen, fordert, dass die Zuständigkeiten "endlich klar und verbindlich" geregelt werden sollten. Weiter kritisiert er, dass die Staatsregierung keine Antwort auf die Frage habe, "wie eine feindliche Drohne über kritischer Infrastruktur oder in bewohntem Gebiet in der Praxis gefahrlos unschädlich gemacht werden kann".

Polizei kann Drohnen kapern

Wie das gehen soll, stellt die Polizei unter anderem in einer Präsentation vor. Bisher musste die Bevölkerung Sichtungen melden. Inzwischen gibt es jedoch installierte Sensoren an verschiedenen Orten, die Drohnen von selbst erkennen und automatisch melden.

Polizisten halten während der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum diverse Drohen-Abfanggeräte in den Händen.
Polizisten halten während der Eröffnung des Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum diverse Drohen-Abfanggeräte in den Händen. © Peter Kneffel (dpa)

Im zweiten Schritt kann die Polizei so wesentlich schneller das Flugobjekt darauf prüfen, ob es eine Gefahr darstellt. Die bemisst sich vor allem an der sogenannten "Payload" (zu Deutsch: Nutzlast) – trägt die Drohne etwa eine Kamera oder einen Sprengsatz?

Im dritten Schritt räumt die Polizei die unbekannte Drohne aus dem Weg: indem sie etwa eingefangen oder zum Absturz gebracht wird, etwa durch eine eigene Drohne oder eine Signalstörung. Die Polizei ist sogar in der Lage, die Drohne zu kapern, wie sie auf dem Gelände des Fliegerhorsts vorführt: Eine Fernkamera fängt den unbekannten Drohnenpiloten ein, der vergeblich auf seiner Fernbedienung herumdrückt. Die Polizei landet derweil die Drohne dort, wo sie diese haben will.

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  • JENZZ am 04.05.2026 18:28 Uhr / Bewertung:

    Interessant wird sein, ob die Drohnenspezialisten auch (genügend) "feindliche" Drohnen zu Gesicht bekommen. In erster Linie sind es ja verpeilte und unausgebildete Drohnenpiloten, die sch nicht an die wenigen Regeln halten, die es bei der Bedienung zu beachten gilt. Und dann absichtlich oder nicht eben bspw. im gesperrten Luftraum fliegen. Die Geräte sind frei verkäuflich, selbst die mit der Möglichkeit einige Kilo zu transportieren. Aktuell sind ca. 500.000 Geräte in Deutschland im Umlauf.

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