Nach Listerien-Skandal: Metzgerei Sieber ist pleite

Ein Traditionsbetrieb steht vor dem Aus: Nach dem Fund von Listerien in Produkten der Firma Sieber und einem anschließenden Produktions- und Verkaufsstopp ist die Großmetzgerei am Ende. Am Dienstag stellte das Unternehmen Insolvenzantrag.
| Christoph Elzer
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Nach dem Listerienskandal muss die Großmetzgerei Sieber Insolvenz anmelden.
dpa Nach dem Listerienskandal muss die Großmetzgerei Sieber Insolvenz anmelden.

Geretsried – Durch das von der bayerischen Landesregierung verordnete Produktionsverbot entstand dem Unternehmen zuletzt täglich ein Verlust von rund 100.000 Euro. Hinzu kommen Waren im Wert von mehr als 1,5 Millionen Euro, die im Kühlhaus vergammeln, da sie nicht verkauft werden dürfen.

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All dies ist für die 1825 gegründete Metzgerei nun zuviel geworden. Aufgrund der angelaufenen Verluste und der mangelnden Perspektive auf eine kurzfristige Wiedereröffnung des Betriebs muss Sieber nun die Zahlungsunfähigkeit anmelden. Damit hängen die Arbeitsplätze von 60 festangestellten und 60 über Werksverträge beschäftigte Mitarbeiter am seidenen Faden.

Ende des Produktionsstopps nicht in Sicht

Sieber darf die Arbeit erst wieder aufnehmen, wenn die Ursache für die Listerienverseuchung mehrerer Fleisch- und Wurstprodukte gefunden wurde. Bislang konnten in der Metzgerei selbst jedoch keinerlei Listerien nachgewiesen werden, nur in fertigen Produkten aus dem Handel. Das Auffinden der Bakterienquelle ist dadurch extrem kompliziert und langwierig geworden - zu lang, um den Betrieb währenddessen am Leben zu halten.

Wie Sieber-Chef Dietmar Schach am Dienstagmittag mitteilte, hat das Unternehmen daher beim Amtsgericht Bad Tölz- Wolfratshausen Insolvenz angemeldet. In der offiziellen Stellungnahme zur Insolvenz heißt es:

"Es ist Aus. [...] Bis zum Schluss habe ich um mein Unternehmen gekämpft und alles versucht, um – besonders die Arbeitsplätze für meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter – die mir sehr am Herzen liegen, zu retten. Doch, ich habe den Kampf verloren."

Sieber-Chef erhebt schwere Vorwürfe gegen die Landespolitik

Die Mitteilung zur Insolvenz nutzt Schach noch zu einer Abrechnung mit der Politik, die das Unternehmen seiner Meinung nach unnötig in die Pleite getrieben hat. In dem Statement heißt es:

"[...] wurde unser dringender Wunsch nach einem „Runden Tisch“ mit allen Behörden, bei dem wir über die Zukunftsperspektiven des Unternehmens reden wollten, und an dem auch schon die Bank und andere Unternehmen ihre Teilnahme signalisierten, rigoros abgelehnt. Ich habe sehr viel Hoffnung auf diese Gesprächsrunde gesetzt, weil ich glaubte, hilfreiche Ratschläge zu erhalten, wie wir das Unternehmen fortführen können. Leider ließ man uns von Seiten der Politik allein.

Und genauso wie man uns die Ergebnisse der weiteren Proben – für mich offensichtlich bewusst – vorenthalten hat. Das LGL hat am Freitagnachmittag die Medien informiert, aber man hat uns keine Information zukommen lassen. Es gibt bis heute noch kein Gutachten und es gibt bis heute noch keine Mitteilung an uns, über die genauen Probenergebnisse. Dies alles hat dazu geführt, dass ich gestern Abend entschieden habe, das Unternehmen nicht mehr weiterzuführen.

Ich möchte nochmals darauf hinweisen, dass – soweit mir bisher bekannt ist – alle positiven Proben unterhalb des gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwertes lagen und alle Proben, die im Unternehmen genommen wurden negativ waren. Wir wissen bis heute immer noch nicht, wo die Einbringungsstelle von diesen Listerien ist. Die Entscheidung, alle unsere Produkte zurückzurufen und einen vollständigen Verkaufs- und Vertriebsstopp zu erlassen, beruht auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts. Ich möchte hier nichts Schönreden. Und der Schutz der Verbraucher ist wichtig. Aber, dass man einem Unternehmen keinerlei Chance gibt und bewusst platt macht, das ist – auch in Bayern – einmalig."

 

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