KZ-Gedenkstätte Dachau: Ein Mahnmal aus Stahl

Nazis haben die Birken, die an zwei im Konzentrationslager getötete Juden in Fürth erinnern sollten, zerstört. Nun gibt es einen neuen Gedenkort.
| Miryam Gümbel
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Das neue Mahnmal erinnert an drei Birken, die die später im KZ Dachau ermordeten Fürther Rudolf Benario und Ernst Goldmann hier gepflanzt hatten.
Das neue Mahnmal erinnert an drei Birken, die die später im KZ Dachau ermordeten Fürther Rudolf Benario und Ernst Goldmann hier gepflanzt hatten. © Miryam Gümbel

Dachau - Rudolf Benario und Ernst Goldmann waren die ersten Ermordeten im Konzentrationslager Dachau. Beide stammen aus dem fränkischen Fürth, waren jüdischen Glaubens und entschiedene Gegner der Nationalsozialisten.

An Benarios Geburtstag, am 20. September, wurde am Fürther Rednitzufer ein Mahnmal für die beiden Männer eingeweiht, die am 12. April 1933, gerade knapp 24 Jahre jung, auf dem Schießplatz vor dem Dachauer KZ erschossen wurden.

Das Mahnmal wurde aus sieben Tonnen Stahl und fast einer halben Tonne Aluminium von den Metallgestaltungskünstlern Uwe Weber und Roland Hermann aus dem benachbarten Langenzenn hergestellt. Es erinnert an drei Birken, die die später Ermordeten um 1930 hier gepflanzt hatten, und an das Bootshaus am Fluss. Der 1927 von Benario, Goldmann und weiteren gegründete Kanuclub hatte hier sein Zuhause.

Dass nicht leichtes Holz dafür verwendet wurde, hat einen "geradezu niederträchtigen Hintergrund", wie Oberbürgermeister Thomas Jung bei der Einweihung ausführte: "Seit die Gedenktafel 2007 angebracht wurde, wurde sie in schöner Regelmäßigkeit mit Nazi-Symbolen verschmiert. Hakenkreuze wurden eingeritzt und die Abbildung Benarios unkenntlich gemacht."

Rudolf Benario.
Rudolf Benario. © Michael Schneeberger/CC BY-SA 3.0

Neues KZ-Mahnmal in Dachau ist videoüberwacht

Den Höhepunkt des Hasses erfuhr dieser Gedenkort laut Jung jedoch "in der massiven Verletzung der drei Birken, die schließlich gefällt werden mussten und unwiederbringlich verloren sind".

Mit Blick auf das nun vandalismussicherere Denkmal (es ist auch videoüberwacht) setzte Jung am Ende seiner Rede noch eine persönliche Erklärung hinzu: "Es symbolisiert für mich, dass wir in Fürth nicht zurückweichen vor rechter Hetze, vor Hass und Gewalt und uns in Gegenwart und Zukunft an die Menschen erinnern, die Opfer dieser verachtenswerten Gesinnung und Denkart wurden."

Auf den Weg gebracht wurde das neue Mahnmal von der Stadt Fürth in Kooperation mit dem Fürther Bündnis gegen Rechtsextremismus und Rassismus.

Eindrucksvoller Auftritt des Jungen Ensembles des Theaters Fürth

Einen Anstoß und Beitrag zum Gedenken, das seit 2007 jedes Jahr am Tag der Ermordung der beiden jungen Fürther hier abgehalten wird, leistete der inzwischen verstorbene Seppi Schneider, selbst Mitglied im damaligen Kanuverein und Weggefährte Benarios und Goldmanns.

Durch Manfred Lehner, Lehrer an der Soldnerschule, wurde "das Leben, Wirken und der schändliche Tod der jungen Männer öffentlich", wie Jung sagte und allen Beteiligten dankte.

Eindrucksvoll skizzierte das Junge Ensemble des Theaters Fürth bei der Einweihung des neuen Mahnmals die Stationen des Leidens der Ermordeten, die auf den Schießplatz vor dem KZ geführt worden waren. Zusammengesetzt aus Berichten und Belegen hatten sie ihre letzten Tage in eine akustische Szene gesetzt.

Damit unterstrichen sie noch einmal, dass entgegen der veröffentlichten Verlautbarung vom "Erschießen auf der Flucht" in Dachau eine Hinrichtung stattgefunden hat, ein klarer Mord. Der erste in dem nur kurze Zeit zuvor eröffneten Konzentrationslager.

Das Junge Ensemble schloss die Erinnerung mit den Worten: "Bäume kann man zerstören, Träume und Überzeugungen nicht."

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