Kuhglocken-Streit: Richter müssen zum Probeliegen

Reicht eine Kuhglocke für mehrere Kühe? Oder sollen besser gar keine Tiere mehr auf der Weide grasen - weil es sonst zu laut ist? Mit diesen Fragen muss sich das Oberlandesgericht derzeit beschäftigen.
| AZ/dpa
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München - "Markt Holzkirechen - Wir liegen richtig" ist auf einer Tasche im Gerichtssaal zu lesen. Aber längst nicht jeder Holzkirchner ist dieser Meinung. Ein Paar im Ortsteil Erlkam fühlt sich jedenfalls massiv um seinen Schlaf gebracht. Der Grund sind die Rinder auf der Nachbarweide, genauer gesagt deren Kuhglocken.

In erster Instanz war das Paar mit der Klage gegen den "Sound of Oberbayern" gescheitert. Vor dem Oberlandesgericht geht es am Mittwoch in die zweite Runde.

Ein Foto zum Nachweis von Stickstoff?

Der Senatsvorsitzende Johannes Nagorsen macht dem klagenden Ehemann erst einmal wenig Hoffnung. Sowohl die Klagen gegen Beeinträchtigungen durch ausgebrachte Gülle als auch die gegen übermäßig viele Insekten haben keine Chance. Zumal die Kläger als Beweis für ihre Behauptung, dass zu viel Stickstoff in der Gülle war, lediglich ein Foto (!) vorweisen können. Und auch die Herkunft der Insekten auf dem klägerischen Grundstück sei nur äußerst schwer den Kühen auf der Weide nachzuweisen.

Bleiben die Kuhglocken. Die machen schlafstörenden Lärm, sagen die Kläger. Im Juni und Juli 2018 habe man am Schlafzimmerfenster gemessen und sei auf Werte über 70 Dezibel gekommen. Das ist lauter als ein Staubsauger.

Kuhglocken-Streit: Wohl keine Chancen auf einen Vergleich

Doch die Lärm-Werte werden von Bäuerin Regina Killer bestritten. Sie will ihre Rinder weiter auf der sehr gut geeigneten Weide grasen lassen. Es geht ihr ums Prinzip, nicht ums Geld. Als die Richter Zahlungen des Klägers ins Spiel bringt, damit die Kühe woanders weiden, lehnt sie einen solchen Vergleich, von dem sie finanziell profitieren würde, rundheraus ab.

Der Kuhglocken-Sound gehört in Holzkirchen für sie dazu. "Das ist bei uns so", sagt Regina Killer am Mittwoch vor Gericht – und dass soll auch so bleiben. Die Chancen auf einen Vergleich? Tendieren gegen null. Im April werden die Richter des OLG-Senats entscheiden, ob sie sich im Zuge der Beweisaufnahme zwecks "Ohrenschein" eine Nacht ins Bett der Kläger legen werden. Danach weiß die Welt, ob man im Markt Holzkirchen immer richtig liegt.

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