Kloster Altomünster: Nonne Claudia Schwarz darf bleiben

Der Kampf geht weiter: Claudia Schwarz (39), Nonne in spe und Hausbesetzerin, darf vorerst im Kloster Altomünster bleiben.
| Nina Job
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Claudia Schwarz mit PC-Foto aus dem Kloster.
dpa Claudia Schwarz mit PC-Foto aus dem Kloster.

München - Wenn Ordensanwärterin Claudia Schwarz nicht vor Gericht erscheinen muss, lebt die fromme Frau ganz allein in den dicken, alten Mauern des früheren Klosters Altomünster im Landkreis Dachau. Die Reliquien, darunter die Hirnschale des heiligen Alto oder der Wanderstock der Heiligen Birgitta sind längst aus dem Kloster gebracht worden. Viele Gebäudeteile darf Claudia Schwarz nicht mehr betreten. Doch vertreiben lassen will sie sich nicht.

Die 39-Jährige lebt völlig zurückgezogen. Die schlanke Frau, die unbedingt Nonne werden will, ernährt sich von alten Vorräten im Kloster, darunter noch 125 Liter Bratensoße oder Pesto in riesigen Gläsern. Kartoffeln baut Claudia Schwarz selber an. Und Äpfel gibt es mehr, als sie essen kann.

Gestern kam die werdende Nonne mal raus aus den Klostermauern. In einem früheren Leben war sie Rechtsanwältin. Claudia Schwarz hatte gegen das Landratsamt Dachau geklagt, das ihr verbietet, aus Brandschutzgründen weiter in ihrer alten Zelle zu leben.

Das Telefonkabel wurde zerschnitten, ihre Zelle verrammelt

Vor dem Münchner Verwaltungsgericht errang sie jetzt einen kleinen Erfolg: Sie darf vorerst im Kloster bleiben. Im vergangenen Jahr hatte der Vatikan das Birgitten-Kloster nach 520 Jahren aufgelöst. Begründung: Sie seien zu wenige und Nachwuchs nicht in Sicht.

Die letzte Nonne, Priorin Apollonia, die sich bis zuletzt für den Erhalt eingesetzt hatte, musste ausziehen. Die 63-Jährige lebt mittlerweile in der Oberpfalz. Mutter Apollonia und ihre Schülerin sind offenbar aus demselben Holz geschnitzt: Die Frauen kämpfen weiter. Sie wollen das einzige deutsche Birgitta-Kloster wiederbeleben.

Schwester Apollonia legte sich mit ganz oben an - und klagte gegen die Entscheidung des Vatikans. Claudia Schwarz hält derweil in Altomünster die Stellung - sehr zum Missfallen der Erzdiözese. Sie will die Hausbesetzerin loswerden. Im Kloster wurde das Telefonkabel durchgeschnitten, Claudia Schwarz' Zelle ist mit einem Brett verrammelt.

Es ist noch ein zweiter Prozess anhängig

Doch die Juristin ist einfach in eine andere umgezogen. Es gibt ja noch geschätzt 200 weitere. Und sie habe auch nicht vor, wieder in ihre alte (Nummer 7) zu ziehen. Aber sie könne natürlich wieder in eine andere ziehen, wenn es auch in der jetzigen Brandschutzprobleme gäbe. Unmittelbare Gefahr gebannt, da sah das Landratsamt vorerst keinen Handlungsbedarf mehr. So entschied das Gericht, das Verfahren vorerst ruhen zu lassen, bis ein anderer Prozess wegen einer Räumungsklage entschieden ist.

Claudia Schwarz vermutet, dass die Geschichte mit dem Brandschutz nur ein Vorwand war. "Seit 520 Jahren führen wir ein Totenbuch. In 500 Jahren sind Nonnen im Kloster auf alle möglichen Weisen ums Leben gekommen." Zum Beispiel wurden sie von Schweden erschossen, sagte sie vor Gericht. "Aber keine ist bei einem Brand gestorben!"

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