Weltraum, wir kommen: Münchner Raketenbauer schafft wichtige Hürde
Noch hat es die Spectrum nicht in den Weltraum geschafft. Wiederholt musste aus verschiedenen Gründen der zweite Start der Rakete des Weltraum-Unternehmens Isar Aerospace aus Ottobrunn (Landkreis München) verschoben werden. Der nächste Versuch soll kommende Woche erfolgen, wenn sich von Montag bis Sonntag das Startfenster beim Weltraumbahnhof Andøya Spaceport öffnet.
"Unternehmen will seine globale Expansion vorantreiben"
Doch auch wenn das Unternehmen noch den Beweis schuldig bleibt, tatsächlich ins All fliegende Raketen herstellen zu können, glauben Investoren fest an das Projekt. In einer sogenannten Series-D-Finanzierungsrunde sammelte Isar Aerospace über 270 Millionen Euro ein.
Die Series-D gehört zur letzten Etappe der Growth Stage (zu Deutsch: Wachstumsphase), in der Start-ups sich nicht nur weiterentwickeln, sondern auch in neue Märkte vorstoßen. So auch Isar Aerospace, die mitteilen: "Damit will das Unternehmen seine globale Expansion vorantreiben, um souveräne Weltraumkapazitäten für Europa, die Nato sowie deren Verbündete bereitzustellen."
Isar Aerospace: "Zusätzliche Standorte in Verhandlung"
Mithilfe der Finanzierung soll demnach das Angebot weiter skaliert und die Serienproduktion der Trägerrakete Spectrum ausgebaut werden. Die neue Produktionsstätte in Parsdorf ist auf die Herstellung von bis zu 40 Trägerraketen pro Jahr ausgelegt.
Außerdem plant die Firma, einen weiteren Launch-Komplex in Nova Scotia in Kanada aufzubauen. Von dort aus können Satelliten in polare Umlaufbahnen befördert werden, die fast senkrecht über die Pole verlaufen – eine Flugbahn, die vor allem für Erdbeobachtungs- und Kommunikationssatelliten benötigt wird.

"Aufgrund der weltweit starken Nachfrage nach integrierten Startsystem für souveränen Weltraumzugang sind zusätzliche Standorte in Verhandlung", heißt es seitens des bayerischen Raketenherstellers.
Isar Aerospace: Wagniskapitalgeber aus München investiert
Als neue Investoren stoßen im Zuge der Finanzierungsrunde Island Green Capital und Molten Ventures hinzu. In beiden Fällen handelt es sich um Wagniskapitalgeber aus Los Angeles und London.
Der Vorteil für Start-ups an solchen Investoren: Anders als bei einer Bank muss die kapitalnehmende Firma die Finanzierung nicht zurückzahlen, vergibt im Gegenzug an die Investoren Unternehmensanteile.

Bereits investiert haben die Wagniskapitalgeber Lakestar aus Zürich, HV Capital aus München, UVC Partners aus München und Berlin sowie die KfW Capital – eine hundertprozentige Tochter der staatlichen KfW-Bank, die innovative Start-ups fördert.
Isar Aerospace hatte bis Juni 2024 insgesamt 400 Millionen Euro Kapital erhalten, im vergangenen Sommer wurden weitere 150 Millionen in Form einer sogenannten Wandelanleihe gewährt. In so einem Fall kann sich der Geldgeber die Summe zurückzahlen lassen oder in Aktien umwandeln.
Start-Kapazitäten bis 2028 ausverkauft
Die bislang investierten Gelder unterstreichen: Der Bedarf nach einem europäischen Raketenanbieter ist da. In Europa starteten im vergangenen Jahr gerade mal zehn Raketen in den Orbit, in den USA waren es 19-mal so viele.
Im Sparta-2.0-Papier – das aufzeigt, wie Europa militärisch unabhängiger von den USA werden kann – wird der souveräne Zugang zum Weltraum als eine zentrale Fähigkeitslücke Europas genannt.
Isar Aerospace ist eigenen Angaben zufolge das einzige private europäische Unternehmen, das die dafür notwendige Kapazität und Infrastruktur baut.
Entsprechend hoch ist auch die Nachfrage der Staaten: 60 Prozent aller Anfragen im vergangenen Jahr seien von Regierungen gekommen. Die Start-Kapazitäten sind bis 2028 bereits ausverkauft. Der zweite Testlauf wird zeigen, wie weit Isar Aerospace tatsächlich noch davon entfernt ist, kommerziell Raketen ins All zu schicken.

