Horror ist ihr Hobby: 18-jährige Bayerin über ihren Halloween-Job
Nebel, Monster und Stroboskoplichter: Was bei den einen den Fluchtreflex auslöst, sorgt bei anderen für einen wohligen Schauer. Letztere sind in Unterschleißheim genau richtig. Denn dort kann man sich auch heuer im Halloween-Gruselhaus im Sitzungssaal des Bürgerhauses wieder standesgemäß erschrecken lassen.
Zum Beispiel von ihr: Die 18-jährige Neela Kaltenbach aus Unterschleißheim ist eine von rund 20 professionellen Erschreckerinnen und Erschreckern, die die Besucher an ihre Grenzen bringen sollen.
Mit dem jährlichen Grusel-Event ist Kaltenbach schon länger vertraut: "Seit ich ein kleines Kind war, bin ich immer in das Gruselhaus gegangen", erzählt sie im Gespräch mit der AZ. Das ist seit seiner Eröffnung mehrmals umgezogen. Seit drei Jahren hat es seinen Platz im Bürgerhaus gefunden.
Von der Politik zum Gruseln
Kennengelernt hat sie den Vorstand des verantwortlichen Vereins "Gestalten. Begeistern. Unterschleißheim e. V.", Raphael Kornherr, über ihre politische Arbeit im Jugendparlament der Stadt. Als das Gespräch auf das Gruselhaus kam, wurde sie prompt zum Mitmachen eingeladen und war direkt begeistert.

Inzwischen ist sie trotz ihres jungen Alters schon fast ein alter Hase im Horror-Geschäft. 2026 ist bereits das dritte Einsatz-Jahr der 18-Jährigen. Ihre Anfänge hat sie aber noch vor Augen. "Es war erst mal so seltsam, weil man selber nicht genau wusste, 'Hey, wie erschrecke ich jetzt am besten?'", erzählt Kaltenbach. "Aber man ist superschnell reingekommen und es hat gleich viel Spaß gemacht".
Ihr Debüt: eine tote Nonne
Ihr Horror-Debüt im ersten Jahr gab sie in Gestalt einer toten Nonne. Im zweiten wurde zwischen drei Kostümen gewechselt: eine tote Braut, eine Vogelscheuche und eine angsteinflößende Maske. Dieses Jahr ist sie als gruseliger Clown im Einsatz.

Zu den Aufgaben von Neela Kaltenbach gehört aber mehr als nur Gruselbeauftragte zu sein. Die Live-Performer sind sowohl beim Auf- und Abbau als auch bei der Planung beteiligt. Den Aufbau des Horror-Labyrinths zu kennen, hilft ungemein beim Erschrecken. Besonders, wenn man unbemerkt hinter den potenziellen Opfern auftauchen möchte.
Wir entscheiden das alles als Gruppe zusammen
Bei der Planung ist viel Freiraum gegeben. "Wir entscheiden das alles als Gruppe zusammen", erzählt Kaltenbach. Auch bei der Deko können sie kreativ werden. "Bei den Planungstreffen habe ich zum Beispiel letztes Jahr ein Labor komplett gebaut, auch zu Hause vorbereitet und alles, weil ich mir das gewünscht hatte und so wollte. Und dann haben sie auch gesagt, 'Hier kriegst du das Labor, darfst du aufbauen'", erinnert sie sich.

Erschreck-Regeln gibt es aber auch, etwa zum Timing und zum richtigen Abstand. Die Erschrecker berühren die Besucher nicht und umgekehrt.
Alle Performer sind mit einem Funkgerät ausgestattet und miteinander vernetzt. Dazu kommt eine Kameraüberwachung des Geländes. Über versteckte Wege und Türen können so Störenfriede und Personen, denen es doch zu gruselig ist, schnell und ungestört aus dem Labyrinth begleitet werden.
"Ich mag das Kreative dahinter"
Das Beste an der Arbeit für Neela Kaltenbach? Das Gemeinschaftsgefühl hinter dem Projekt. "Die Gruppe ist supercool und dadurch macht es halt echt viel Spaß. Und ich mag dieses Kreative dahinter auch sehr", erzählt sie. Durch das gemeinsame Aufbauen und Planen verbringt man viel Zeit miteinander. Die meisten der Beteiligten sind jedes Jahr mit dabei.
Für die Bekannten der 18-Jährigen ist das Gruselhaus auch immer ein tolles Ereignis. Ihre Familie organisiert sich sogar jedes Jahr eines der kostenlosen Fast-Lane-Tickets, um schneller Eintritt zu erhalten. Ihre Freunde sind auch jedes Jahr dabei. Zumindest die meisten: "Ich habe eine Freundin, die versuche ich seit Jahren da reinzubekommen. Die hat zu viel Schiss, die traut sich nicht", sagt Kaltenbach.

Das Live-Erschrecken kann aber durchaus auch mal Folgen haben. "Ich habe jedes Jahr keine Stimme mehr", erzählt die Schülerin, "aber das liegt auch ein bisschen daran, dass ich halt gerne einfach mit lauter Stimme erschrecke."
"Es macht immer superviel Spaß"
Pausen sind festgelegt im Erschrecker-Plan, aber auch flexibel nach Bedarf möglich. Ein guter Zeitvertreib während der Pause? Den Besuchern mit den Kameras im Labyrinth zuzuschauen: "Dann setzt man sich halt auf die Sessel und schaut den Leuten zu, wie sie erschreckt werden."
Für Neela Kaltenbach steht fest: Sie will auch im nächsten Jahr Teil des Horror-Labyrinths sein. Wer selbst bei dem Horror-Spektakel mithelfen will, kann über die Webseite des Vereins "Gestalten. Begeistern. Unterschleißheim e. V." Kontakt aufnehmen.
Wann das Gruselhaus geöffnet hat
Das Halloween-Gruselhaus am Rathausplatz 1 in Unterschleißheim hat noch bis zum 30. Oktober von 17 bis 21 Uhr geöffnet, am 31. Oktober von 16 bis 22 Uhr. Einlass ist Kindern zwischen acht und elf Jahren in Begleitung einer erziehungsberechtigten Person erlaubt. Empfohlen wird der Besuch ab zwölf Jahren. Der Eintritt ist frei, über eine empfohlene Spende von fünf Euro pro Erwachsenem freuen sich die Verantwortlichen.
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